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Karibik Blue Curaçao gibt’s auch in Rot

Die berühmte bunte Häuserzeile, die sich entlang des natürlichen Hafens von Willemstad zieht. Sie liegt im Stadtteil Punda und ist Teil des Weltkulturerbes. Foto: Jenewein
Die berühmte bunte Häuserzeile, die sich entlang des natürlichen Hafens von Willemstad zieht. Sie liegt im Stadtteil Punda und ist Teil des Weltkulturerbes. Foto: Jenewein

Auch wenn das Meer die Farbe des berühmten Likörs hat, ist die Insel nicht von Blau dominiert.

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Auch wenn das Karibische Meer die Farbe des berühmten Likörs hat, ist die Insel keineswegs von Blau dominiert. Curaçao ist bunt. Am 10. Oktober wird die Insel eigenständiges Bundesland des Königreichs Niederlande.

Das Licht ist gleißend. Die Sonne steht hoch, 12 Grad nördlich des Äquators brennt sie mit aller Kraft vom Himmel. Die Strahlen brechen sich auf der Meeresoberfläche. Zusätzlich werden sie von den weißen Inselhäusern reflektiert. Vor den Augen fängt es an zu flimmern, durch den Kopf schießen Blitze. "Bon bini" – herzlich willkommen auf Curaçao.

So erlebte 1817 ein exzentrischer niederländischer Gouverneur seine Ankunft auf der Karibikinsel, der größten Insel der Niederländischen Antillen – glaubt man der Anekdote. Dieser machte das blendende Weiß der Häuser für seine Migräneattacken verantwortlich und verfügte, dass sie sofort alle farbig zu streichen seien. Erst später stellte sich heraus, dass er ein Farbenfabrikant war ...

Heute begrüßen also keine weißen, sondern farbenprächtige Fassaden die Besucher– "bon bini". Auf dem Weg vom Flughafen in die Hauptstadt Willemstad reiht sich ein rotes an ein lilafarbenes Haus, dann wieder ein orangefarbenes an ein grünes. "Wir dürfen jede Farbe wählen, die uns gefällt", sagt der Reiseführer Chernov Rozier vom Curaçao Tourist Board und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Die Jahresdurchschnittstemperatur auf Curaçao liegt bei 27,5 Grad Celsius, der Unterschied zwischen Sommer und Winter beträgt nur 2,5 Grad.

Auf den Straßen von Willemstad herrscht viel Verkehr. Rund 120000 Einwohner wohnen in der Hauptstadt – und damit etwa 85Prozent der Einwohner Curaçaos. Chernov Rozier zeigt vom Stadtteil Otrobanda aus auf die berühmte bunte Häuserzeile, die sich entlang des natürlichen Hafens von Willemstad zieht. Sie liegt im Stadtteil Punda. 1997 erklärte die Unesco das Stadtbild zum Weltkulturerbe. Die beiden Stadtteile Punda und Otrobanda mit den vielen historischen Gebäuden im niederländischen Kolonialstil verbindet eine schwimmende Pontonbrücke, die "Koningin Emmabrug" (Königin-Emma-Brücke), die für ein- und ausfahrende Schiffe aus dem Hafen mehrmals am Tag geöffnet wird.

Vorbei am schwimmenden Markt von Willemstad geht es zum Marshé, der alten Markthalle. Dort bekommt man für wenig Geld karibisch-deftige Kost. Kreolischer Reis mit Bohnen und gebackenen Bananen, Ziegenfleisch und verschiedene Fischvariationen sind ein typisches Mittagessen der Einheimischen. Mutige wagen sich an Leguangulasch (Iguana-Stew), das nach Huhn schmecken soll. "Danki, duschi", danke, Süße, sagt Chernov Rozier auf Papiamento, als die Kellnerin ihm eine Schale Okra-Schoten-Suppe hinstellt – eine schleimige Angelegenheit.

Papiamento ist eine Kreolsprache, die in der Karibik auf den ABC-Inseln (Aruba, Bonaire und Curaçao) gesprochen wird. Der Wortschatz setzt sich zum größten Teil aus spanischen, portugiesischen und niederländischen Wörtern zusammen. Früher, erzählt Chernov Rozier, sei es den Kindern in der Schule verboten gewesen, Papiamento zu sprechen. Die Einwohner von Curaçao, bestehend aus einer Vielzahl an Menschen unterschiedlichster Herkunft, sollten in der niederländischen Amtssprache kommunizieren. Bis heute beherrschen fast alle zudem Englisch und Spanisch.

Dies ist freilich auch der Geschichte der Insel geschuldet: Die europäische Entdeckung der Insel 1499 geht auf den Spanier Alonso de Ojeda zurück. 1634 eroberte eine Expedition von Johan van Walbeeck Curaçao. Die Insel wurde zum Zentrum für den karibischen Sklavenhandel und blieb dies bis 1863. Die Insel war niederländisch, bis die Briten die Insel während der napoleonischen Kriege besetzten. 1816 kam sie an die Niederlande zurück. Die Niederländischen Antillen sind seit 1954 innenpolitisch autonom, lediglich die Außen- und Verteidigungspolitik wird durch die Niederlande wahrgenommen.

Nun steht am 10. Oktober 2010 die Unabhängigkeitsfeier bevor: Der Landesverband der Niederländischen Antillen wird aufgelöst. Dann wird Curaçao ein eigenständiges Bundesland innerhalb des Königreiches der Niederlande, neben den Niederlanden, Aruba und Sint Maarten. Selbst der König der Meere, Neptun, hat auf Curaçao keine allumfassende Macht über die Bewohner des Karibischen Meeres. Die "Dolphin Academy" hat ihm einige Tiere abgeluchst – die intelligenten Säugetiere leben in Meeresbecken, können aber auch ins offene Meer hinaus. Besucher haben die Gelegenheit, mit Delfinen zu schwimmen. An die Academy angegliedert ist das "Curaçao Dolphin Therapy & Research Center", in dem Delfine für Therapiezwecke ausgebildet und eingesetzt werden.

Freilich kann man auch auf offener See Neptuns Geschöpfen begegnen, etwa beim Schnorcheln an einem der rund 40 Strände der Insel. "Hier wurde der Werbespot für die Raffaello-Pralinen gedreht", sagt Chernov Rozier am Strand Cas Abao. Man glaubt es sofort, wenn auch wohl eher wahr ist, dass die Firma den Strand zu einem der zwölf Raffaello-Strände gekürt hat. Aufgenommen wurden Strände, "deren natürliche Komposition aus weißem Sand und türkisfarbenem Wasser an Vollkommenheit grenzt". Das Meer ist so blau wie der berühmte Likör: Mit dem Blue Curaçao, der aus Bitter-Orangen hergestellt wird, verhält es sich übrigens ähnlich wie mit den Häusern auf der Insel: Auch ihn gibt es auf seiner Herkunftsinsel in allen nur erdenklichen Farben.

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