Karl Allgöwer „Die Torhüter haben mich herausgefordert“


Sie standen auch im Uefa-Cup-Finale 1989 und im Endspiel des DFB-Pokals 1986. Warum hat es zweimal nicht für den Titel gereicht?
1986 habe ich selbst meinen Teil zu der Niederlage beigetragen, weil ich mich in der ersten Hälfte verletzt habe. Ein Bayern-Spieler hat mich so unglücklich getroffen, dass mir eine Vene in der Wade geplatzt ist. Das war meine schwärzeste Stunde. In der Halbzeit war meine Wade schon doppelt so dick wie normal und ich musste sofort ins Krankenhaus. Ich habe von dem Spiel also nur die ersten 45 Minuten gesehen und dann haben wir auch noch verloren. Außerdem stand die WM vor der Tür und mein Einsatz war fraglich.

Und das Uefa-Cup-Finale?
Das war der absolute Höhepunkt. Das Ansehen der Mannschaft war so hoch wie nie. Eine Meisterschaft ist ja nur national, aber in dem Wettbewerb haben wir gegen europäische Spitzenmannschaften gespielt. Damals war der Uefa-Cup auch noch viel wichtiger als die heutige Europa League. Die beiden Duelle gegen Diego Maradona und den SSC Neapel waren dann natürlich zwei absolute Highlights und objektiv betrachtet waren wir natürlich die unterlegene Mannschaft. Trotzdem sind wir im Hinspiel benachteiligt worden.

Warum?
Maradona hat bei uns im Strafraum den Ball mit der Hand mitgenommen. Die Hand Gottes – mal wieder. Dann hat er Günther Schäfer den Ball an den Arm geschossen und der Schiedsrichter entschied auf Strafstoß. Da hätte das Spiel schon längst unterbrochen sein müssen. Maradona hat den Elfer dann sogar noch selbst reingeschossen und die Stimmung ist gekippt. Plötzlich waren 80.000 Zuschauer gegen uns, denn wir hatten bis dahin mit 1:0 geführt. Danach war Druck gewaltig und kurz vor Schluss haben wir noch das 1:2 hinnehmen müssen.

Besonders gefürchtet waren Sie für ihren harten Schuss und Ihre gefährlichen Freistöße. Die Boulevardpresse verpasste Ihnen folgerichtig den Spitznamen „Knallgöwer“. Wie viel Talent und wie viel Trainingsfleiß steckten hinter diesen besonderen Fähigkeiten?
Das war vor allem Trainingsfleiß. In meiner Karriere gab es einige ehrgeizige Torhüter, die mich nach dem Training immer noch herausgefordert haben. Das war aber nicht so professionell wie heute. Ich musste einfach aus verschiedenen Entfernungen auf das Tor schießen. Außerdem haben wir irgendwelche Hindernisse in den Weg gelegt. Für mich und die Keeper war es ein regelrechter Wettbewerb. Talent allein reicht nicht.

Waren Ihre Auszeichnungen zum Torschützen der Monate Juli 1978 und Juni 1991 auch Freistoßtore?
Keins von beiden. Das erste Tor war noch für die Kickers in der zweiten Liga. Die Bundesliga hatte damals Pause, sodass die Chance groß war, als Zweitligaspieler ein Tor des Monats zu erzielen. Es war eine Energieleistung von mir. Ich bin durch den Strafraum durch und habe aus spitzem Winkel abgeschlossen. Wie genau es der Ball in das Tor geschafft hat, weiß ich gar nicht.

Und das zweite?
Das war eine schöne Kombination, die ich mit einem Heber abgeschlossen habe.

In der Saison 1982/83 steuerten Sie alleine zu den insgesamt 80 VfB-Toren 21 bei. In der Bundesliga-Torschützenliste wurden Sie am Ende trotzdem noch von Rudi Völler mit zwei Toren mehr überflügelt.
Ich hätte theoretisch auch Torschützenkönig werden können. Völler hatte aber den Vorteil, dass er in der Sturmspitze gespielt hat und ich im Mittelfeld, wo ich noch defensive Aufgaben erledigen musste. Mir ging es im Endeffekt aber immer um die Mannschaft. Das hat man auch beim letzten Spiel in Kaiserslautern gut gesehen. Es stand 2:1 für uns und ich lief auf der rechten Seite alleine Richtung Tor. Ich hätte es selbst versuchen und so vielleicht doch noch die Torjägerkanone holen können. Allerdings hätte es auch schief gehen können und wir hätten das Spiel vielleicht doch nicht gewonnen. Also habe ich auf den mitgelaufenen Peter Reichert abgespielt, der den Ball nur noch ins leere Tor schießen musste.

Aufgrund Ihrer starken Leistungen berief Sie Jupp Derwall in die Nationalmannschaft. Obwohl Sie nur zehn Spiele bestritten, wurden Sie 1986 Vize-Weltmeister. Allerdings spielten Sie nicht. Wie sehr haben Sie im Finale trotzdem mitgelitten?
Natürlich habe ich mitgefiebert, aber ich erinnere mich auch noch gut an die brutalen, klimatischen Verhältnisse. Ich selbst hatte ja die Verletzung aus dem Pokalfinale. Daher war schon im Vorhinein klar, dass ich keine große Rolle spielen würde.