Karl May Gestatten, Andreas Hasenpfeffer!

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Was verbindet die Schauspieler Eddi Arent und Ralf Wolter mit Plochingen? Protokoll einer Forschungsreise.

Sam Hawkens (Ralf Wolter, links) und Lord Castlepool (Eddi Arent, Mitte) in dem Film „Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten“ Foto: dpa
Sam Hawkens (Ralf Wolter, links) und Lord Castlepool (Eddi Arent, Mitte) in dem Film „Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten“ Foto: dpa

Plochingen - Lieber Ralf Wolter, unvergesslich sind Sie mir als der Sam Hawkens der Winnetou-Filme. Heute wende ich mich mit einer kuriosen Anfrage an Sie. Seit 1965 fragen sich die 14 209 Bürger des Kleinstädtchens Plochingen bei Stuttgart, warum Sie in den Karl-May-Filmen „Der Schatz der Azteken“ und „Die Pyramide des Sonnengottes“ als „Andreas Hasenpfeffer, schwäbischer Uhrenverkäufer aus Plochingen“ auftreten. Karl May selbst hat den Geburtsort Hasenpfeffers nicht näher angegeben. Wissen Sie, wer den Einfall mit Plochingen hatte und vielleicht sogar warum? Ich plane dazu eine größere Geschichte in der Stuttgarter Zeitung.“

Ralf Wolter antwortet auf meine freundliche Anfrage nicht. In den beiden Filmen von 1965 ist er umso redseliger und stellt sich bei jeder Gelegenheit mit den Worten vor: „Gestatten, Andreas Hasenpfeffer aus Plochingen am schönen Neckarstrand, 2413 Einwohner, 99 katholisch.“

Ralf Wolter schwäbelt so schlecht, dass es einem Schwaben den Hut mitsamt den drei Ecken vom Kopf zieht.

Den fingierten Handelsvertreter Hasenpfeffer treibt so allerhand um: Wenn er im tiefsten Verlies der Mayapyramide einen Essiggeruch wahrnimmt, denkt er an den Plochinger Onkel Alois und seinen Weinkeller. Bei einer mexikanischen Fiesta kommt ihm sofort der Plochinger Gesangsverein in den Sinn, und Winkelzüge denkt er sich aus wie einst beim Plochinger Schachverein.

 

Meine Jugend mit Karl May

Vor 40 Jahren bin ich mit den Taschen­büchern des Ueberreuter Verlages aufgewachsen. Sie waren vergilbt und rochen nach altem Leim. Auf den abgeriebenen Umschlägen waren 78 Karl-May-Bände verzeichnet, und ich glaubte, es würde jetzt schon mindestens 300 Bände geben. Ich war sehr traurig, als ich erfuhr, dass Karl May schon gestorben war.

Was für eine harte Arbeit, sich durch die unendlich langen Kapitel zu lesen, in die der Autor stets das eingebaut hatte, was man heute einen Cliffhanger nennt. Ich musste immer weiterlesen, und war der Roman geschafft, dann war die Geschichte immer noch nicht zu Ende, und ich musste mir von meinem Nebensitzer den nächsten Band leihen – bis es den Bösewicht 2000 Seiten später endlich erwischte. Vielleicht rührt daher meine Hartnäckigkeit beim Recherchieren. Vielleicht kann ich mich seitwärts an Ralf Wolter anpirschen.

Vier Quadratmeter misst der Stand des Bamberger Karl-May-Verlags auf der Leipziger Buchmesse. Der Verlagschef Bernhard Schmid präsentiert mit gepflegtem Fränkisch betagten Hobbytrappern wie mir Neuheiten, die zum 100. Todestag des großen Volksschriftstellers herausgekommen sind. Immer noch fasziniert mich Karl May, dessen Leben eine einzige Hochstapelei war, der als eine Art deutscher Don Quichotte nicht mehr unterscheiden konnte, wer er selbst war und was seiner Fantasie entsprungen war.

Es gibt neue gekürzte Romanfassungen für Kinder, erstmals Karl-May-Hörbücher, und tapfer setzt Bernhard Schmid die Karl-May-Reihe fort. Als wollte er mich Lügen strafen, ist er jetzt bei der Nummer 93 angelangt – beim Briefwechsel Karl Mays mit seinem Titelbildmaler. Unter „Stoff für Helden“ findet sich ein T-Shirt mit der Aufschrift „Unter Geiern“, das mancher Zeitgenosse an seinem Arbeitsplatz zumindest gern unterm Hemd tragen würde. Ob er den Kontakt zu Ralf Wolter herstellen kann?„Der Ralf Wolter spielt doch noch“, sagt Bernhard Schmid und verweist auf die Karl-May-Festspiele in Dasing.