Karl Schönweiler hat den Göppinger Berg im Blick Dichter huldigt dem Hohenstaufen

Von Philipp Braitinger 

Er schreibt über die Mobilfunkantenne auf dem Turm des Schlosses Staufeneck oder nimmt sich Berge, Burgen und Kapellen im Stauferland vor

In seinem Arbeitszimmer feilt der Autor Karl Schönweiler an seinen Texten. Foto: Horst Rudel
In seinem Arbeitszimmer feilt der Autor Karl Schönweiler an seinen Texten. Foto: Horst Rudel

Ottenbach - Die Ideen kommen ihm oft spontan, am Kaffeetisch, beim Spazieren im Wald oder zwischen seinen Apfelbäumen. Dann zückt Karl Schönweiler sein kleines, schwarzes Notizbüchlein, um seine Gedanken festzuhalten. Der Dichter verfasst seit Anfang der 80er-Jahre Texte, die oft einen starken Bezug zur Heimat haben. Vor allem seit der Veröffentlichung des Buches „Im Schatten des Birnbaums“ im Jahr 1986 sei er als Heimatdichter „abgestempelt“, wie der 64-jährige Ottenbacher schmunzelnd sagt.

Zuweilen greift der Dichter auch in die Saiten

Seine Liebe zur Sprache hat der gelernte Nachrichtentechniker schon als Kind entdeckt. Als früheste Erinnerung fallen ihm Bildkärtchen ein, die mit Pflanzen mit Menschengesichtern sowie einem Titel bedruckt waren. „Das hat mich total fasziniert“, erzählt der Dichter. Sein erstes Buch habe Geschichten mit dem Schalk Till Eulenspiegel beinhaltet.

Einen besonderen Reiz hätten immer einzelne Sätze mit einer tieferen Bedeutung gehabt. „Der Vergänglichkeit untertan sind alle Gestalten“ sei so ein Satz eines ihm unbekannten Autoren, der ihn bis heute beeindrucke. Zum Verfassen eigener Texte habe er in den 80er-Jahren über die Beschäftigung mit den Zeilen von Musikern wie Bob Dylan, Joan Baez, aber auch Udo Lindenberg oder Marius Müller-Westernhagen gefunden. Die Musik habe immer eine große Rolle in seinem Leben gespielt, sie habe ihn inspiriert. Vor allem die Aussagen der Liedermacher zum Zeitgeschehen hätten ihn beschäftigt. Die Gitarre in Schönweilers Arbeitszimmer zeugt davon, dass der Dichter zuweilen auch selbst in die Saiten greift.

Burgen, Berge und die Reiterles-Kapelle

Das Buch mit dem Titel „Signatur – Stauferheimat“, erschienen im Jahr 2016, kreist um die Region um die Drei-Kaiser-Berge. Dieses Buch sei ihm eine Herzensangelegenheit gewesen, erklärt der Dichter. Er habe darin seine Sprache weiterentwickelt zur freien Lyrik, indem er auf eine Verknappung hingearbeitet habe. Getragen von Gedichten in dem Buch besucht der Leser Burgen, Berge, die Reiterles-Kapelle oder das Kloster Lorch. Die Landschaft und ausgewählte Orte werden zum Zentrum der Identität. Dort entfaltet sich Schönweilers Poesie, die immer wieder Historisches mit Zeitgenössischem verbindet und dem Leser darüber hinaus einen Einblick in das Seelenleben des Autors erlaubt. Begleitet werden die Gedichte von Fotografien, die Schönweiler am Computer künstlerisch bearbeitet hat.

Ein romantisches Pathos möchte er in seinen Texten vermeiden. Vielmehr sei der Leser aufgefordert mitzudenken, sagt der Autor. In „Signatur – Stauferheimat“ beschäftigt er sich unter anderem mit der Mobilfunkantenne auf dem Turm des Schlosses Staufeneck oder der wachsenden Zahl an Touristen, die sich nur oberflächlich mit der Geschichte des Hohenstaufens befassten. Bei der Beschäftigung mit der Heimat kommt Schönweiler immer wieder auf den Hohenstaufen zurück. Er ist der ideelle Mittelpunkt seines Heimatbegriffs. Kein Wunder, ist er doch als markanter Punkt in der Landschaft von vielen Orten aus in der Umgebung immer wieder zu sehen.

Der Autor backt sein Brot im eigenen Backhäusle

Die Heimat, das sei für ihn ein ländlicher Begriff. „Das ist mein Augenmerk“, gibt Schönweiler zu. Die Gegend um Ottenbach ist von Wiesen und Wäldern, von grünen Hügeln und Tälern umrahmt. Dem ländlichen Leben ist der Dichter bis heute zugetan. „Die Landwirtschaft ist meine kleine Leidenschaft nebenher“, erklärt er. Der Vorruheständler bewirtschaftet Obstwiesen, hält einige Schafe und backt sein Brot im eigenen Backhäusle.

Zeit für sein literarisches Schaffen hat er dennoch. Im Dachstuhl seines Wohnhauses hat er ein Arbeitszimmer mit Bücherregalen und einem Schreibtisch sowie einer Lese- beziehungsweise Schreibecke im gemütlichen Biedermeierstil. Im Winter spendet dort der knisternde Holzofen Wärme. Und falls ihm einmal der richtige Impuls fehlt, bemüht er seine in Ulm gekaufte, indische Klangschale.

Als nächstes, vielleicht im Winter, solle eine Aufsatzsammlung mit dem Titel „Auswirkungen der Reformation im Ottenbacher Tal“ erscheinen, berichtet Schönweiler. Die Reformation im Ottenbacher Tal sei ein spannendes Thema, weil die Herrschafts- und damit auch die Konfessionsgrenzen einst durch einzelne Dörfer gezogen wurden. Und wieder ist es die Heimat, mit der er sich befasst, diesmal jedoch eher von einer historischen und weniger von einer poetischen Warte aus.




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