Karla Borger und Julia Sude Beachvolleyball-Duo bleibt zusammen

Karla Borger (vorn) und Julia Sude verfolgen auch in der nächsten Saison gemeinsam ambitionierte Ziele. Foto: imago //Tom Bloch

Die Beachvolleyballerinnen Karla Borger und Julia Sude setzen ihre Zusammenarbeit fort. Ihre nächsten Ziele sind die WM und die Heim-EM im Jahr 2022 – ein gegenseitiges Versprechen für Paris 2024 gibt es dagegen noch nicht.

Stuttgart - Im Beachvolleyball, das ist kein Geheimnis, sind großartige Erfolge auch dann möglich, wenn die Teams außerhalb des Sandkastens nicht total perfekt harmonieren. Julius Brink und Jonas Reckermann, Olympiasieger 2012, Weltmeister 2009 sowie Europameister 2011 und 2012, haben immer wieder darüber gesprochen, eben nicht die besten Freunde zu sein. Und auch Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, Olympiasiegerinnen 2016, Weltmeisterinnen 2017 sowie Europameisterinnen 2015 und 2016, waren von ihren Persönlichkeiten her zu verschieden, um abseits des Sports noch viel Zeit miteinander zu verbringen. Bei Karla Borger und Julia Sude ist das ähnlich. Dennoch hat das Stuttgarter Duo nun entschieden, seine Vernunftehe fortzusetzen. Das Jawort gilt für die nächste Saison – eine Verlängerung bis zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris ist allerdings nicht ausgeschlossen.

 

Am Telefon alles klargemacht

Wie eingespannt Karla Borger (32) und Julia Sude (34) derzeit sind, belegt schon die Tatsache, dass ihre finale Absprache am Telefon erfolgte. Kurz nachdem Borger in Berlin zur neuen Präsidentin des Vereins Athleten Deutschland gewählt worden war und kurz bevor Sude zu einem zweiwöchigen Fortbildungslehrgang bei der Bundeswehr aufbrach, besiegelten sie ihre weitere Zusammenarbeit. „Eine sportliche Liebesbeziehung ist es bei den beiden noch nie gewesen, das wäre auch außergewöhnlich, nachdem sie einen Großteil ihrer Karrieren Konkurrentinnen waren“, sagt ihr Manager Constantin Adam, „aber sie haben seit 2019 auf professioneller Ebene einen guten Weg gefunden, um erfolgreich zu sein.“ Was dann auch ziemlich viel Spaß machen kann – wie die vergangenen Wochen gezeigt haben.

Keine echte Alternative zur weiteren Zusammenarbeit

Nach den verkorksten Olympischen Spielen im August in Tokio (Vorrundenaus ohne Sieg) und dem überraschenden Abschied von Trainer Thomas Kaczmarek am Tag danach folgten nicht nur EM-Bronze und der sensationelle Sieg bei den World-Tour-Finals auf Sardinien (jeweils ohne Coach) – Borger und Sude steigerten auch ihren Wohlfühlfaktor, etwa durch Besuche in Escape-Rooms. Zur Wahrheit gehört freilich auch, dass es zu einem weiteren gemeinsamen Jahr sportlich keine wirkliche Alternative gab.

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Das Gerücht, Superstar Laura Ludwig, die nach der Trennung von Margareta Kozuch eine Blockerin sucht, habe zum zweiten Mal nach 2018 bei Julia Sude anfragen lassen, stimmt jedenfalls nach Informationen unserer Zeitung nicht. Stattdessen sieht es so aus, als würde die Hamburgerin ein Jahr aussetzen, um nach Sohn Teo (3) ein zweites Kind bekommen zu können. Ob Ludwig (35) danach zurückkehrt und 2024 in Paris noch mal angreift? Ist offen. Wie auch ein mögliches Comeback von Top-Blockerin Kira Walkenhorst (30), die vor drei Jahren nach vielen gesundheitlichen Rückschlägen zurückgetreten ist. Weshalb derzeit nur feststeht: Karla Borger und Julia Sude werden als deutsche Nummer eins in die nächste Saison starten – die es in sich hat.

WM und Heim-EM sind die nächsten Höhepunkte

Im Juni 2022 findet in Rom die WM statt, im August 2022 in München die Heim-EM. „Das sind zwei echte Höhepunkte für uns, bei denen wir etwas reißen können, wenn wir weiter an unseren Stärken arbeiten. Erfahren genug sind wir ja“, sagt Karla Borger, die mit Julia Sude auch öfter in Stuttgart trainieren wird. Der dortige Olympiastützpunkt hat ihnen vermehrte Unterstützung signalisiert, und als klar stärkstes deutsches Team können sie es sich zudem leisten, die Zentralisierungsaufforderung des Deutschen Volleyball-Verbandes weiter zu ignorieren. Der DVV hat zwar gerade erst drei neue Bundestrainer angestellt, Top-Athletinnen und -Athleten, mit denen diese in Hamburg arbeiten können, sind im nächsten Olympiazyklus aber Mangelware. Was allerdings nicht das Problem von Borger und Sude ist. „Dem Verband“, sagt deren Manager Constantin Adam, „bleibt keine andere Wahl, als die beiden machen zu lassen, was sie machen wollen.“ Etwa in Stuttgart zu bleiben, statt nach Hamburg umzusiedeln.

Gute Perspektive für das Projekt Paris 2024

Auf ein weiteres Jahr haben sich Borger/Sude nun verständigt, die eine oder andere Frage aber bleibt offen. Zum Beispiel, wie es danach weitergeht? Darüber werden sich die beiden im Herbst 2022 unterhalten. Dann wissen sie, wie gut es mit dem neuen Trainer klappt, wie es um die Harmonie im Team bestellt ist, wie leistungsfähig ihre Körper noch sind, wie sie sich in der Weltspitze behauptet haben. „Beide sehen die gute Perspektive des Projekts Paris 2024“, meint Adam, „und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sie dieses auch gemeinsam angehen.“

Keine Rolle, da ist sich der Manager sicher, wird dabei die neue Aufgabe von Karla Borger spielen – auch wenn der Job der Präsidentin des Vereins Athleten Deutschland sie viel Kraft, Nerven und Zeit kosten wird. „Klar, die ganze Sache ist sicher sehr fordernd“, sagt Constantin Adam, „aber Karla kann das. Ihre sportliche Karriere wird davon auf keinen Fall beeinflusst werden.“

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