Karlheinz Kögel zieht sich bei L’Tur zurück Der Reiseschnäppchenkönig geht

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Der umtriebige Baden-Badener Unternehmer Karlheinz Kögel gilt als Erfinder der Last-Minute-Reise. Dem dazugehörigen Reiseveranstalter L’Tur sagt der Mehrfach-Gründer nun Adieu und wendet sich anderen Geschäftsfeldern zu.

Karlheinz Kögel (im Bild rechts) sonnt sich gerne im Rampenlicht: Das Bild zeigt ihn im März 2016 bei der Verleihung des von ihm gestifteten Deutschen Medienpreises mit Preisträger, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, Kögels Ehefrau Dagmar und Bans Gattin Frau Ban Soon-Taekl Foto: dpa
Karlheinz Kögel (im Bild rechts) sonnt sich gerne im Rampenlicht: Das Bild zeigt ihn im März 2016 bei der Verleihung des von ihm gestifteten Deutschen Medienpreises mit Preisträger, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, Kögels Ehefrau Dagmar und Bans Gattin Frau Ban Soon-Taekl Foto: dpa

Stuttgart - Karlheinz Kögel, der Erfinder der Last-Minute-Reise, zieht sich nach 30 Jahren von der L’Tur Tourismus AG vollständig zurück. In einer Pressemitteilung teilte das in Baden-Baden ansässige Unternehmen mit, Kögel lege mit sofortiger Wirkung den Aufsichtsratsvorsitz von L’Tur nieder. Zugleich gebe er seinen noch von ihm gehaltenen Aktienanteil in Höhe von 20 Prozent an den Mehrheitsgesellschafter Tui ab. Als Vorstandsvorsitzender von L’Tur war Kögel bereits 2008 ausgeschieden.

Laut der Mitteilung hat der Veranstalter von Reisen in letzter Minute im Geschäftsjahr 2014/15 einen Umsatz von 415 Millionen Euro erzielt und Reisen, Flüge, Mietwagen und andere Reisedienstleistungen an knapp 700 000 Kunden verkauft. Das Unternehmen kauft von Fluggesellschaften und Hotelbetreibern Reise-Bausteine ein und baut daraus Pauschalreisen. Nach eigenen Angaben weist L’Tur mit 40 Prozent den höchsten Online-Umsatzanteil unter den deutschen Reiseveranstaltern auf. Nach früheren Angaben beschäftigt L’Tur 214 Mitarbeiter in der Zentrale, 80 im Call Center in Freiburg und über 500 in seinen Shops.

Kögel hat für L’Tur zeitweise ungewöhnliche Eigner angeworben

L’Tur und Tui beziehungsweise die frühere Tui-Mutter Preussag mit Sitz in Hannover sind bereits seit längerem verbandelt. Seit 1999 hielt die Preussag bereits 51 Prozent, als Kögel 2001 die Mehrheit zurückkaufte, um den Eignerkreis zu erweitern: 2002 verkaufte er zehn Prozent an die Thomas Cook AG, damals gemeinsame Tourismustochter von Lufthansa und Karstadt und schärfste Konkurrentin der Preussag. Das war in der Tourismusbranche einmalig. Im Zuge der Insolvenz der Karstadt-Muttergesellschaft Arcandor trennte sich Thomas Cook allerdings wieder von den Anteilen an dem Baden-Badener Restreisenvermarkter, Tui stockte in den folgenden Jahren peu à peu auf.

Vor allem wegen der unsicheren Lage in zahlreichen Reisegebieten wie der Türkei, Ägypten und Tunesien ist der Umsatz der deutschen Reisebranche 2016 erstmals seit sieben Jahren gesunken. Tui-Chef Fritz Joussen hatte angesichts dessen im Sommer verkündet, sich von etlichen Spezialreisetöchtern trennen zu wollen. Tui steht nach Brancheneinschätzungen vor allem wegen seines gut laufenden Kreuzfahrtgeschäftes besser da als etwa Thomas Cook. L’Tur ist eine der wenigen Spezialfirmen, die nicht auf der Verkaufsliste stehen.

Effizienzvorgaben aus Hannover

Allerdings gehörten Kögels Vertrauter und Nachfolger als L’Tur-Vorstandsvorsitzender Markus Orth sowie L’Tur Finanzvorstand Kai Klitzke in diesem Jahr zu der längeren Reihe von Tui-Managern, die den Konzern verlassen haben und durch Tui-Führungskräfte (beziehungsweise in Klitzkes Fall durch einen ehemaligen PWC-Berater) ersetzt wurden. Die „Badischen Neuesten Nachrichten“ (BNN) berichteten im Juli zudem von Sparmaßnahmen bei L’Tur, wonach das Unternehmen auf Drängen von Tui unter anderem seinen Firmensitz am feinen Baden-Badener Augustaplatz gegen eine billigere Immobilie tauschen müsse. Auch ein Stellenabbau sei nicht ausgeschlossen, obwohl L’Tur mit einer Umsatzrendite von vier Prozent die eigene Mutter neidisch mache. Schon damals spekulierten die BNN, dass sich Kögel von seinem restlichen L’Tur-Anteil trennen könnte.

Der gebürtige Waldshuter und frühere SWF3-Pop-Shop-Moderator Kögel engagiert sich seit Ende der Siebzigerjahre im Reisegeschäft und hat L’Tur 1987 gegründet. Gleichzeitig ist der umtriebige Unternehmer Gründer der ebenfalls in Baden-Baden ansässigen Firma Media Control, die ursprünglich mittels ständiger Medienanalysen Hitlisten erstellte. Ihre Gründung 1976 war direkte Folge von Kögels vorheriger Moderatorentätigkeit: Er hatte erlebt, wie Moderatoren und Programmmacher immer wieder von Plattenfirmen und Fan-Clubs unter Druck gesetzt wurden, ihre Titel bevorzugt zu spielen, was nicht selten zu einer Verfälschung der Hitlisten führte. Heute bietet Media Control Produkte und Dienstleistungen wie Marktforschungsdaten und Abverkauf-Charts für den Bereich Sport, sowie TV-Einschaltquoten, zudem Analysen beispielsweise für Diskotheken, Kinos oder Bücher.

Glamour für Baden-Baden

Zudem betreibt Media Control die E-Book-Plattform Ceebo und verleiht seit 1992 den undotierten Medienpreis, mit dem Kögel jedes Jahr im März bundesweit Aufsehen erregt und Prominente nach Baden-Baden lockt. Zu den Preisträgern zählten beispielsweise UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, das Oberhaupt der Tibeter, der 14. Dalai Lama, die Tennisspieler Steffi Graf und André Agassi, der US-Schauspieler George Clooney und der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela.

Ein Merkmal von Kögels Firmen war es stets, technologisch vorne dran zu sein. Das gilt für Media Control ebenso wie für L’Tur. Künftig will sich Kögel laut seiner Pressemitteilung auf seine vor fünf Jahren gegründete Unternehmensgruppe HLX Touristik konzentrieren, zu der auch die in Basel ansässige Holidays.ch AG gehört. Die auf den Online-Direktvertrieb spezialisierte Gruppe veröffentlicht keinen Umsatz. Auch sie hat ihren Sitz am Baden-Badener Augustaplatz 8. Genauso wie das noble Grill- und Sushi-Restaurant Medici. Das ebenfalls Karlheinz Kögel gehört.