Karlsplatz Hotel Silber bleibt - jetzt wird umgeplant

Der Kampf mehrerer Initiativen um das Hotel Silber ist ausgestanden: Das Gebäude der ehemaligen Gestapozentrale an der Dorotheenstraße bleibt erhalten. Foto: Zweygarth 3 Bilder
Der Kampf mehrerer Initiativen um das Hotel Silber ist ausgestanden: Das Gebäude der ehemaligen Gestapozentrale an der Dorotheenstraße bleibt erhalten. Foto: Zweygarth

Das Finanzministerium und Breuninger verständigen sich darauf, dass das Hotel Silber bleibt. Das Innenministerium zieht später um.  

Stuttgart - Jetzt ist es sicher: das Hotel Silber wird nicht abgerissen, sondern soll vollständig erhalten bleiben, wenn am Karlsplatz im großen Stil neu gebaut wird. Der Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) und Breuningerchef Willem van Agtmael haben sich in einem Gespräch darauf verständigt, dass das gemeinsame Projekt mit neuen Ministerien, Läden, Lokalen und einem Luxushotel jetzt entsprechend umgeplant wird. "Wir sind in konstruktiver Atmosphäre unterwegs. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit Breuninger gemeinsam einen Weg finden werden, um das Hotel Silber zu erhalten", sagte der Finanzminister nach dem Gespräch gegenüber der StZ. Schmid hatte sich bereits bei den Koalitionsverhandlungen für die von mehreren Initiativen geforderte Erhaltung starkgemacht und Breuninger nun persönlich die neue Haltung der Landesregierung verdeutlicht.

Auf Fragen, bis wann eine neue Planung unter Einbeziehung des Gebäudes der früheren Gestapozentrale an der Dorotheenstraße vorliegen soll und auf welchen Zeitplan man sich verständigt habe, antwortete Nils Schmid nur ausweichend. "Wir werden die Gespräche fortsetzen. Es ist in beiderseitigem Interesse, zügig weitere Entscheidungen zu treffen", so der Minister. Klar sei für ihn aber, dass die Stadt rasch an der weiteren Planung beteiligt werde. Schmid: "Das muss jetzt in einem Dreieck gemeinsam entwickelt werden."

Auch Breuninger gab sich nach dem Gespräch zurückhaltend, was das weitere Vorgehen anlangt. "Wir werden mit der neuen Ausgangssituation, dass das Hotel Silber stehen bleibt, neu planen. Wir haben keinen Plan B fertig in der Tasche", sagte der neue Pressesprecher des Hauses, Christian Witt. "Bis spätestens Herbst wissen wir, wohin die Reise geht." Er machte kein Hehl daraus, dass man über die auferlegte Umplanung nicht gerade erfreut ist. Witt: "Natürlich hätten wir das Stadtquartier lieber so entwickelt wie ursprünglich geplant."

Weitere Verzögerungen für das Großprojekt

Dass dies nicht mehr möglich ist, liegt aber bekanntlich nicht alleine an der Erhaltung des Hotels Silber, sondern auch an den aus Sicht von Stadt und Gemeinderat zu voluminös ausgefallenen Plänen des Architekturbüros Behnisch. Dieses war als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgegangen. Zuletzt stritt man sich um 2000 bis 3000 Quadratmeter mehr oder weniger für das geplante Projekt. Dies entspricht in etwa der Baumasse des Hotels Silber.

Dass die bisherigen Pläne durchaus an die Erhaltung des Hotel-Silber-Gebäudes angepasst werden können, zeigt eine Planungsstudie des Architekten. In dieser fügt sich der anstelle des heutigen Gebäudes des Innenministeriums geplante Neubau mit seinem so markanten wie umstrittenen getürmten Glasdach problemlos zwischen Markthalle und Hotel Silber. Ob und wie sich das Projekt mit weniger Fläche noch rechnet, ist eine andere Frage, die es für Breuninger, das Land und möglicherweise auch weitere Investoren zu klären gilt.

Weitere Verzögerungen für das Großprojekt sind auch aus anderen Gründen absehbar. Wie zu erfahren war, wird sich der ursprünglich für Juli geplante Umzug des Innenministeriums vom Karlsplatz an die Willy-Brandt-Straße deutlich verzögern. "Der Umzug kann erst zum Jahresende hin stattfinden", bestätigte der Sprecher des Finanzministeriums, Daniel Abbou, auf Anfrage. Schuld seien bauliche Gründe. Offenbar gibt es Probleme mit Firmen, was auch erklären würde, warum die Baustelle in jüngster Zeit den Eindruck erweckte, dass dort kaum noch gearbeitet würde.

Welche Ministerien letztlich am Karlsplatz untergebracht werden, ist unklar, zumal aufgrund der neuen Regierungsstrukturen in der Landesverwaltung eine größere Rochade ansteht. "Um dazu etwas zu sagen, ist es noch zu früh", sagt Finanzminister Nils Schmid. Noch sei man damit beschäftigt, die Ministerien neu zu organisieren, erst danach gehe es an die Unterbringung. Wie berichtet, liebäugelt der Finanzminister selbst mit einem Umzug ins Neue Schloss. Gerüchte in Regierungskreisen wollen davon wissen, dass auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann inzwischen ein Auge auf das Neue Schloss werfe, weil ihm der Regierungssitz in der Villa Reitzenstein nicht sehr zusage.




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