Karlsruhe Krisensitzung wegen explodierender Kosten

Von Stefan Jehle 

Die Kosten für den Neubau des Schauspielhauses in Karlsruhe laufen aus dem Ruder: statt von 125 ist jetzt von 325 Millionen Euro Baukosten die Rede.

Eine große Freitreppe und Glasfassaden – so stellt sich das Architektturbüro Delugan Meissl das neue Schauspielhaus in Karlsruhe  vor. Foto: Landesbetrieb Vermögen und Bau
Eine große Freitreppe und Glasfassaden – so stellt sich das Architektturbüro Delugan Meissl das neue Schauspielhaus in Karlsruhe vor. Foto: Landesbetrieb Vermögen und Bau

Karlsruhe - Ein Neubau für das Schauspielhaus, neue Räume für die Werkstätten und eine Grundsanierung des Theaterbaus: So hatten sich das die Karlsruher und die Verantwortlichen auf Landesebene vorgestellt. Der Kostenrahmen bleibe bei 125 Millionen Euro gedeckelt, hieß es noch im Sommer 2015. Doch nun droht alles aus dem Ruder zu laufen. Auf Kosten von bis zu 325 Millionen Baukosten könnte sich das Vorhaben am Ende belaufen. Die extreme Preissteigerung beschäftigt jetzt auch die entscheidenden Gremien: Der Verwaltungsrat der Badischen Staatstheater trifft sich am 21. Juli zur Krisensitzung, und der Gemeinderat will die Teuerung bei seiner Sitzung am 25. Juli intensiv debattieren.

Neue Schätziungen liegen bei 270 bis 325 Millionen Euro

Im Sommer 2015 wurde das Wiener Architekturbüro Delugan Meissl mit dem Karlsruher Büro Wenzel + Wenzel dazu auserkoren, Detailpläne für das Theater auszuarbeiten. Demnach ist, wie die nun vorliegende Expertise deutlich macht, der ursprüngliche Kostenrahmen nicht zu halten. Aufgerufen wird jetzt ein Preis von 270 bis 325 Millionen Euro für die Sanierung und die Erweiterung. Erstmals habe man jetzt eine „Gesamtbetrachtung der Kostenfaktoren“, hatte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) nach Bekanntwerden der neuen Zahlen wissen lassen. Es ergebe zudem keinen Sinn, einen politisch motivierten Kostendeckel vorzugeben, fügte Finanzstaatssekretärin Gisela Splett hinzu. Hier gehe es schließlich um eine Weichenstellung für Karlsruhe.

Noch vor einem Jahr waren die Karlsruher Stadträte emsig mit Sparplänen beschäftigt. Auch das Staatstheater, das je zur Hälfte von der Stadt und dem Land finanziert wird, musste kräftig bluten. Zwei Millionen Euro fehlen Intendant Peter Spuhler jedes Jahr für den Betrieb und die Inszenierungen. Vor diesem Hintergrund sind die Reaktionen auf die Kostenexplosion im Gemeinderat überraschend verhalten: Einzig die Karlsruher Liste, die mit Piraten und „Die Partei“ die vierköpfige Fraktion KULT bildet, übte Kritik an der Kommunikationsstrategie der Landesbehörde Vermögen und Bau sowie den zuständigen Ministerien. Die 13-köpfige CDU-Fraktion fordert nur mehr Informationen, die zehn Stadträte der SPD erwarten einen neuen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats. Und die Grünen sehen zunächst „Beratungsbedarf in der eigenen Fraktion“.

Platz fehlt an allen Ecken und Enden

Dem 1975 in Betrieb gegangenen Karlsruher Theaterbau mangelt es bis heute an einem eigenen Schauspielhaus – und es fehlt an Platz. Theaterproben finden oft Hunderte Meter entfernt statt, etwa in nicht mehr genutzten Messehallen nahe der Stadthalle. „Im Konzert der bundesweit anstehenden Sanierungsmaßnahmen klingen die jetzt veröffentlichten Zahlen jedenfalls plausibel und glaubhaft“, sagt der Intendant Peter Spuhler.

Bomben haben das großherzogliche Hoftheater zerstört

Umbau

In Karlsruhe soll 2019 der Baubeginn für ein neues Schauspielhaus sein. Dafür muss zunächst die Tiefgarageneinfahrt verlegt werden. Denn am bisherigen Südwestflügel soll der Anbau entstehen. Dann werden neue Werkstätten gebaut und „der musikalische Apparat“ auf Vordermann gebracht. Im Anschluss wird in längstens zehn Jahren auch die Technik des bestehenden Hauses ausgetauscht und die bestehenden Gebäude generalsaniert. Das 1975 eröffnete Badische Staatstheater ersetzte das einstige Großherzogliche Hoftheater, das in einer Bombennacht 1944 fast vollständig zerstört wurde. In den ersten Nachkriegsjahren waren die Spielstätten des Karlsruher Theaters an unterschiedlichen Orten untergebracht.

Intendanz

Intendanz
Seit der Spielzeit 2011/12 ist Peter Spuhler Generalintendant, er leitete zuvor das Theater in Heidelberg. Ballettdirektorin ist seit 2003 Birgit Keil. Jan Linders ist Chefdramaturg und einer der beiden Stellvertreter des Generalintendanten. Seit Beginn der Spielzeit 2016/17 leitet Axel Preuß die Sparte Schauspiel, er war zuvor Chefdramaturg in Braunschweig.