Karneval in Rio Sambaschulen setzen Zeichen gegen Polizeigewalt und Homophobie

Von red/epd 

Beim Karneval in Rio de Janeiro haben viele Sambaschulen offen Kritik an der Politik des ultrarechten brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro geübt. Bei der Parade der Sambaschulen setzten sie ein Zeichen gegen Polizeigewalt, Rassismus und Homophobie.

Ultralange Wimpern, Edelstein an der Stirn und mit Glitzer bedeckt – dieser Mann wirkt surreal. Foto: dpa/Leo Correa 11 Bilder
Ultralange Wimpern, Edelstein an der Stirn und mit Glitzer bedeckt – dieser Mann wirkt surreal. Foto: dpa/Leo Correa

Rio de Janeiro - Die politischste Show präsentierte in diesem Jahr die Gruppe Mangueira, die 2018 den Wettbewerb gewonnen hatte. Die Show zeige das Überleben in den Favelas, in denen in diesem Jahr so viele Bewohner wie noch nie durch Polizeigewalt getötet worden seien, erklärte der künstlerische Leiter Manu da Cuíca in einem Interview.

Die Show erzählte die Rückkehr von Jesus Christus in die Armenviertel von Rio. Dabei thronte in rund vier Metern Höhe Jesus am Kreuz: mit dem Gesicht eines Schwarzen, dem Blut der Ureinwohner und dem Körper einer Frau. Sein Leib war mit Einschusslöchern übersät, die die zunehmende Polizeigewalt in den Favelas symbolisierten. Vor dem Prunkwagen liefen schwarz gekleidete Polizisten, die mit Schlagstöcken auf die Bewohner der Armenviertel losgingen. Auf einem anderen Wagen wurde die Regenbogenflagge geschwenkt und damit offen Kritik an homophoben Äußerungen von Präsident Bolsonaro geübt.

Konserbative Christen protestieren

Schon vorab hatte die Parade von Mangueira zu Protesten konservativer Christen geführt. Der katholische Blogger Frederico Viotti rief in sozialen Medien zum Boykott der Musikgruppe auf: „Nein zu diesem kulturellen Marxismus, Nein zur Blasphemie“, schrieb er.

Auch andere berühmte Sambaschulen wie Salgueira und Portela übten vor den rund 90.000 Zuschauern im Sambodrom von Rio in ihren Paraden soziale Kritik. Sie prangerten unter anderen Umweltverschmutzung, Rassismus und falsche Versprechen der Politik an.

Rund 1,8 Millionen Zuschauer in Rio

Der streng evangelikale Bürgermeister von Rio, Marcelo Crivella, der den Karneval ablehnt, hatte in diesem Jahr den Sambaschulen jegliche Unterstützung gestrichen. Viele Experten zeigten sich überzeugt, dass dies zu einer Politisierung des Karnevals geführt hat. Dabei gilt der Karneval als größte Attraktion in Rio. Auch in diesem Jahr zog er laut der Tourismusagentur Riotur rund 1,8 Millionen Besucher aus dem In- und Ausland an.

Insgesamt waren am Sonntag- und Montagabend die 13 besten Sambaschulen durch das 700 Meter lange Sambodrom in Rio de Janeiro gezogen. Bei dem prestigeträchtigen Wettbewerb traten sie mit jeweils Tausenden Mitgliedern gegeneinander an und präsentierten ihre Shows einer kritischen Jury. Sie bereiteten sich fast ein Jahr auf den Wettbewerb vor.