Überall ist am Aschermittwoch der Fasching vorbei – nur nicht in Stuttgart. Am 6. März steigt die Karnevals-Closing-Party. Gibt’s dort Versöhnung nach einer Kampagne mit viel Streit?
„So etwas gibt es selbst in Köln nicht“, sagt Anita Rösslein, Präsidentin des Festkomitees Stuttgarter Karneval – und meint damit die bevorstehende Karnevals-Closing-Party am 6. März in der Almhütte des Schwabengartens in Leinfelden-Echterdingen. Willkommen sind Vereine und Narren jeglicher Couleur. Für Christen beginnt nach Aschermittwoch traditionell die Fastenzeit: karg leben bis Ostern. Um das besser ertragen zu können, wird vorher noch einmal kräftig gefeiert.
Stuttgarter Karneval: Versöhnungsparty nach turbulenter Saison
In Stuttgart aber hört der Karneval auch nach Aschermittwoch nicht auf. Man gönnt sich eine Zugabe – aus gutem Grund: Die Party soll vor allem Versöhnung nach einer turbulenten Saison bringen, die nicht alle lustig fanden. Dresscode: Bunt, wild, lustig, aber ohne Karnevalskostüm und ohne Konfetti.
Fast ging’s beim Stuttgarter Fasching zu wie in einer Fernsehsoap: Austritte von Vereinsmitgliedern und Senatoren, Rücktritt eines Faschingspaars kurz vor dem Umzug, Beschimpfungen, Neid und Missgunst. Ein Ehrenmitglied wird nicht zur Prunksitzung eingeladen und sitzt deshalb demonstrativ vor dem Eingang, was für Stadtgespräch sorgt. Zwei ausgetretene Mitglieder haben genug „vom Kindergarten“ und mieten einen eigenen 40-Tonner für den Umzug, um eigenständig durch die Stadt zu fahren.
So viel Ärger in aller Öffentlichkeit ist ein Novum in der Geschichte des Stuttgarter Karnevals. „Früher gab es auch manchmal, vielleicht nicht so heftigen Streit, aber der blieb meist hinter den Kulissen“, sagt Rösslein. „Dass alles so öffentlich wurde, war nicht gut für den Fasching.“
Die Closing-Party am 6. März soll den Stuttgarter Narren die Gelegenheit geben, sich zu versöhnen, gemeinsam zu feiern und den Fasching doch noch positiv ausklingen zu lassen. Damit sich die Stuttgarter Narren doch noch lieb haben können, können sie nun gemeinsam feiern lange nach dem im Kalender vorgesehenen Karnevalsende.
Auswärtiger Künstler soll närrischer Saison gebührend beenden
Für die etwas andere Karnevalsparty wird extra ein auswärtiger Künstler engagiert: Chris Metzger vom Bodensee. Man habe bewusst einen Künstler von außerhalb gewählt, um Konflikte zu verhindern, falls die hiesigen Vereine fragen würden, warum sie mit ihren Sängerinnen und Sänger selbst nicht zum Zug kommen.
Die Feier findet in der Hütte des Schwabengartens statt – ein stimmungsvoller Rahmen, der die närrische Saison gebührend abschließt. Am 6. März also kann die turbulente Karnevalszeit in versöhnlicher Stimmung ausklingen.