Karriere als Autorin Von der Sozialarbeit zum Selbstverlag – Stuttgarterin setzt auf das Schreiben

Schriftstellerin zu sein bedeutet für Alexandra Vogel mehr als Bücher zu schreiben. Foto: Instagram, KI/Midjourney/Montage: Sebastian Ruckaberle

Die Stuttgarterin Alexandra Vogel arbeitet derzeit an ihrem fünften Buch. Privat erfüllt sie das Schreiben längst – doch kann es auch beruflich funktionieren?

Den alten Job hinter sich lassen, um etwas Sinnstiftenderes zu tun – für viele ein vertrautes Muster. Alexandra Vogel passt nicht hinein. „Die Sozialarbeiterin wird nie aus mir herausgehen, das bin einfach ich“, sagt die Stuttgarterin über den Beruf, den sie jahrelang ausgeübt hat.

 

Dennoch zog sich Vogel im vergangenen Jahr aus der klassischen Sozialarbeit zurück. „Ich wollte die Zeit nutzen, um meiner Kreativität mehr Raum zu geben“, erzählt die 34-Jährige. Kreativität, das bedeutet für sie vor allem: Schreiben. Vier Bücher hat Vogel seit 2021 im Selbstverlag veröffentlicht, das fünfte soll bald folgen. Die Schriftstellerei ist für sie also längst mehr Leidenschaft als Nebenprojekt – aber taugt sie auch als Karriere?

Stuttgarter Autorin sieht Lerneffekt beim Schreiben

Grundsätzlich steht der Karrieregedanke für Vogel beim Schreiben nicht im Vordergrund. Wichtiger sei ihr der persönliche Lerneffekt, sagt sie. „Ich verstehe mich dadurch selbst besser, weil ich mir auf diese Weise zeige, wie ich die Welt wahrnehme.“

Vor gut zehn Jahren beginnt Vogel, nur noch mit Notizheft in der Tasche das Haus zu verlassen. Dort hält sie zunächst Einkaufslisten oder Alltagszitate fest, fügt später aber auch Tagebucheinträge und Gedichte hinzu. „Dadurch habe ich gemerkt, wie gut mir das regelmäßige Schreiben tut.“

Vogel veröffentlicht vier Bücher – und arbeitet am fünften

Anfang 2021 erzählt ihr eine Bekannte von einem Online-Verlag, über den man Bücher im Baukastensystem erstellen und veröffentlichen könne. Vogel wird hellhörig. „Ich dachte mir, es wäre schon cool, selbst mal ein Buch zu schreiben.“ Kurz darauf meldet sie sich bei der Plattform story.one an und bringt dort im August 2021 ihr erstes Werk heraus. „Frau. Sein – Sommer“ nennt es sich, eine Kurzgeschichtensammlung über die verschiedenen Lebenswelten von acht Frauen.

„Die meisten sehen es schon als ihren Beruf an“: VS-Landesvorsitzende Ines Witka (Archivbild). Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Aus ihrem Umfeld erhält sie ermunterndes Feedback. „Ich habe immer die Rückmeldung bekommen, dass das etwas ist, was ich auf jeden Fall weiterverfolgen sollte.“ Das macht Vogel auch und stellt innerhalb von drei Jahren drei weitere Bücher fertig. „Gefühle, Diversität und Frausein“ bezeichnet sie als ihre Kernthemen. „Ich will mein Schreiben dafür nutzen, auf Missstände aufmerksam zu machen.“ So auch in ihrem geplanten fünften Buch, das im „Matridies“ spielen soll, einem fiktiven Land ohne patriarchale Strukturen.

Nur wenige können vom Schreiben leben

In die Veröffentlichung der erschienenen Werke hat Vogel rund 800 Euro investiert. Alle vier finden sich im Online-Shop der Buchhandlung Thalia. Finanziell lohnt sich das Schreiben für Vogel bislang allerdings kaum. „Es sind halt dünne Bücher für 18 Euro, das wollen viele nicht zahlen.“ Vogel macht sich keine Illusionen darüber, als Schriftstellerin reich zu werden. „Natürlich ist es schwer, mit Kunst, mit Büchern, mit Worten Geld zu verdienen.“

Diese Annahme untermauert ein Datenreport des Verbandes deutscher Schriftsteller*innen (VS), einer Interessenvertretung innerhalb der Gewerkschaft Verdi. Demnach konnten 2024 lediglich 5,7 Prozent der Autorinnen und Autoren in Deutschland ausschließlich vom Schreiben leben. Bei 11,3 Prozent machte es zumindest den größten Teil des Einkommens aus.

Schriftsteller als Selbstunternehmer

Trotzdem wehrt sich die VS-Landesvorsitzende Ines Witka dagegen, das Wirken der Verbandsmitglieder als Hobby zu bezeichnen. „Die meisten sehen es schon als ihren Beruf an“, sagt die Stuttgarter Autorin. Gleichzeitig warnt sie: „Man sollte es nicht blauäugig angehen.“

Gerade bei Veröffentlichungen im Selbstverlag sei es „utopisch“, mit dem ersten Buch auch nur die Unkosten reinzuholen. Wer auf diesem Weg erfolgreich sein wolle, müsse „eine sehr disziplinierte Unternehmerin“ sein, sagt Witka. Zwei Bücher pro Jahr und eine ausgeprägte Selbstvermarktung seien hier die Regel. Allerdings sind Bücherveröffentlichungen nicht die einzigen Verdienstmöglichkeiten. „Viele in unserem Beruf geben außerdem Kurse“, sagt Witka.

Stuttgarterin verbindet Schreiben und soziale Arbeit

Alexandra Vogel ist hier keine Ausnahme. Sie fing 2023 an, Schreibwerkstätten in Schulklassen abzuhalten. Inzwischen macht sie das auch außerhalb des Schulkontexts, trägt ihre Texte zudem auf Bühnen vor. Darüber hinaus kann sich Vogel Schreibworkshops zur mentalen Gesundheitsförderung in Unternehmen vorstellen. Sie sagt: „Je breiter ich aufgestellt bin, desto wahrscheinlicher ist es, damit Geld zu verdienen.“ Aktuell lebt Vogel von Erspartem, sucht aber einen Teilzeitjob in Ergänzung zum Schreiben.

Hinzu kommt, dass die Kurse für sie eine Brücke schlagen zwischen den beiden Standbeinen ihrer beruflichen Identität. Soziale Arbeit durch Kunst – so beschreibt Vogel ihren derzeitigen Ansatz. „Ich möchte Menschen einen Zugang dazu eröffnen, sich durch kreatives Schreiben auf eine andere Art kennenzulernen und ausdrücken zu können.“

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