Karrieren: Walter Döring "Windmaschine" für Windkraft

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Vom Skeptiker zum Förderer


Der einstige Skeptiker, lobt Firmenchef Balz, habe sich inzwischen für die Windkraft begeistern lassen: "Jetzt brennt er selbst." In den höchsten Tönen spricht er über den "Pfundskerl", der sich "perfekt ins Thema eingearbeitet" habe und so wohltuend "gradlinig, offen und direkt" sei. Döring seinerseits schwärmt nicht minder über Weitsicht und Wagemut des Windreich-Gründers. Er darf dem als nicht ganz einfach geltenden Patriarchen nicht nur widersprechen, sondern soll es ausdrücklich. Daneben will Balz natürlich seine vielfältigen Kontakte nutzen: "Er kommt an Multiplikatoren heran, an die ich nicht herankomme."

Auf gute Drähte in die Politik - ob in Brüssel, Berlin oder den Ländern - ist das Unternehmen in der Tat angewiesen. Denn ohne staatliche Bürgschaften sind die gewaltigen Investitionen kaum zu stemmen; seit der Finanzkrise zeigen sich die Banken bei der Kreditvergabe zögerlich. Wenn die Regierung ihre ehrgeizigen Ziele bei den erneuerbaren Energien ernst nehme, mahnte Döring unlängst bei einer Windkraftkonferenz in Bremerhaven, dann müssten die Pioniere, die sie erfüllen sollen, "dazu auch in die Lage versetzt werden". Inzwischen hat der Bund entsprechende Garantien in Aussicht gestellt. Zugleich kämpft der Exminister dafür, dass die klammen Länder nicht mehr die Hälfte des verbürgten Betrages aufbringen müssen; das könnten sie nämlich kaum. Zuweilen trifft er bei den Gesprächen auf alte Bekannte aus der Politik, nur bei seinem Nachfolger Pfister - hört man - würde er natürlich nicht anklopfen. Da entstünde einfach ein blöder Schein. Zudem könnten ihn die Weggefährten daran erinnern, dass er als Wirtschaftsminister einst die Vergabe von Bürgschaften drosseln wollte - ganz gemäß der liberalen Lehre.

Engagiertes PR-Talent


Auch als PR-Talent ist Döring für die Windreich AG viel wert. Wenn er bei Investoren und Anlegern um Vertrauen wirbt, legt er sich verbal fast so ins Zeug wie früher bei Parteitagsreden. Da jubiliert er bei der Börse über die "Chance, an einer Erfolgsgeschichte teilzuhaben", da empfiehlt er bei der Anlegermesse Invest die "renditestarke" Geldanlage. Da schwärmt er von "Tausenden neuen und sicheren Arbeitsplätzen", die keineswegs nur an der Küste, sondern auch im Südwesten entstünden. Zig Unternehmen aus dem Land, heißt es bei Windreich, profitierten von den Windparks in der Nordsee: Züblin zum Beispiel liefere die Betonfundamente, Liebherr die gigantischen Kräne, Lapp zahllose Kilometer Kabel.

Längst ist Döring viel stärker im operativen Geschäft engagiert, als es der Rolle des Chefkontrolleurs entspricht. Demnächst soll er denn auch aus dem Aufsichtsrat in den Vorstand wechseln, als Vize von Willi Balz. Die Gremienbeschlüsse sind gefasst, nur der Eintrag ins Handelsregister lässt noch auf sich warten. Bis zu Bilanzpressekonferenz Mitte September, bestätigt ein Unternehmenssprecher, soll der Umstieg perfekt sein. Döring selbst kann es offenbar kaum erwarten, nach Jahren als Berater erstmals wieder einen (offenbar gut dotierten) Hauptjob zu haben. Auf seiner Internetseite nimmt er die Zukunft bereits vorweg. Im Lebenslauf heißt es dort: "seit 2010 Stellvertretender Vorstandsvorsitzender Windreich AG".