Karstadt-Areal in Esslingen Dieser Anwohner wünscht sich eine Baustelle vor der Wohnung

Zbigniew Chrzanowski wohnt gegenüber des Karstadt-Parkplatzes – und klagt über Lärm, Müll und ständigen Verkehr. Foto: /Robin Rudel

Eigentlich sollte das sogenannte Karstadt-Areal in Esslingen längst bebaut werden. Doch bis heute sind keine Bagger angerückt und wann sie kommen, ist unklar. Stattdessen wird die Fläche als Parkplatz genutzt – zur Verzweiflung eines Anwohners.

So hatte Zbigniew Chrzanowski sich das Leben in der Martinstraße nicht vorgestellt. Als er im Jahr 2013 seine Wohnung direkt gegenüber des sogenannten Karstadt-Areals in der Esslinger Innenstadt kaufte, sei noch alles in bester Ordnung gewesen. Doch seit der Parkplatz vor etwa zwei Jahren rund um die Uhr zur kostenlosen Nutzung geöffnet wurde, sei nichts mehr wie zuvor. Seither werde er durch Lärm, Müll und unablässigen Verkehr gestört. „Es war ein Paradies, jetzt ist es die Hölle“, sagt Chrzanowski. Er sehnt den Moment herbei, da endlich mit der Bebauung des Grundstücks zwischen Ehnisgasse und Martinstraße begonnen wird – wann es soweit ist, steht in den Sternen.

 

Chrzanowski wusste bei seinem Einzug, dass auf dem Gelände gegenüber gebaut werden sollte. Damit hätte er kein Problem gehabt, sagt der 67-Jährige. Damals habe man ihm mitgeteilt, dass die Bauarbeiten 2015 abgeschlossen sein sollten. „Jetzt haben wir 2024 und es ist nichts passiert.“ Bis vor zwei Jahren habe ihn das nicht weiter gestört, denn bis dato sei der Karstadt-Parkplatz nur unter der Woche tagsüber geöffnet gewesen, nachts und ab Samstagmittag am Wochenende hingegen geschlossen. Aber seit das Gelände im Jahr 2022 rund um die Uhr zum kostenlosen Parken geöffnet worden sei, werde er Tag und Nacht mit Lärm, Müll und Verkehr konfrontiert. „Es ist unerträglich hier“, sagt Chrzanowski. Es seien nicht nur hunderte Autos, die täglich auf dem Platz parkten, die ihm die Ruhe raubten, sondern auch die zig Fahrzeuge, die auf der Suche nach einem kostenlosen Stellplatz auf dem Areal und davor herumkurvten.

Lautstarke Begrüßungen, Gehupe und Musik

Hinzu kämen lautstarke Begrüßungen oder Verabschiedungen, weithin hörbare Musik sowie immer wieder Gehupe und teils heftige Auseinandersetzungen, die ihn vor allem nachts belästigten und um den Schlaf brächten. Nicht zu vergessen der Müll, der den Parkplatz immer mehr verunstalte, der aber laut Chrzanowski kurz nach dem Gespräch mit unserer Zeitung und unseren Anfragen an die Stadtverwaltung größtenteils beseitigt worden sei. „Ich lebe in der Innenstadt, ich rechne damit, dass hier etwas los ist und dass hier Autos fahren“, sagt der 67-Jährige. „Aber wenn es so wie jetzt rund um die Uhr ist, dann ist es schwierig.“ Er habe bereits bei der Stadtverwaltung und beim Grundstückseigentümer um Abhilfe gebeten, bislang jedoch ohne Erfolg.

Die Stadtverwaltung bestätigt, dass sie eine Beschwerde über Lärm und Müll auf dem Parkplatz an der Martinstraße erhalten habe – bei Kontrollen habe sich die Situation beim Müll jedoch nicht so dargestellt wie geschildert. Und weitere Ruhestörungen – ausgehend vom Karstadt-Parkplatz – oder Beschwerden darüber seien nicht registriert worden. „Korrekt ist, dass dort ein starker Parksuchverkehr herrscht, dieser Zustand ist natürlich unbefriedigend“, sagt die städtische Pressesprecherin Nicole Amolsch. Allerdings handele es sich beim Karstadt-Areal um ein Privatgelände, dessen Eigentümer den Parkplatz nicht bewirtschafteten. „Da sich die Parkplätze nicht im öffentlichen Verkehrsraum befinden, können wir als Stadt nur bedingt auf unerwünschte Entwicklungen einwirken“, sagt Amolsch.

Auch darüber, wie lange die derzeitige Situation noch anhalten könnte, kann Amolsch keine Angaben machen. Nach wie vor ist zumindest öffentlich nicht bekannt, wann die Bauarbeiten für das Vorhaben auf dem Karstadt-Areal beginnen könnten. Schon seit Jahren wird über die Bebauung der Fläche in zentraler Lage in der Esslinger Innenstadt diskutiert, immer wieder lagen Pläne auf dem Tisch – realisiert wurden sie nie. Nachdem zunächst lange vor allem Verkaufsflächen für den Einzelhandel in einer neu zu bauenden Passage angedacht waren, verschob sich der Schwerpunkt zuletzt immer mehr in Richtung Wohnungen. Seit fast einem Jahr liegt nun die Baugenehmigung für das Vorhaben des Investors BPI vor. Demnach sollen auf dem rund ein Hektar großen Gelände hinter dem früheren Karstadt-Bau vier Gebäude mit zehn Gewerbeeinheiten, knapp 160 Wohnungen und einer Tiefgarage mit rund 200 Autostellplätzen entstehen, zudem sind knapp 350 Fahrradparkplätze vorgesehen.

Keine Angaben zur Zukunft des Areals

Laut Markus Rahner von der beratenden Kommunikationsagentur des Investors BPI hat sich an Absicht und Umfang des Vorhabens auf dem Karstadt-Areal nichts geändert: „Die Pläne stehen unverändert“, so Rahner. Darüber hinaus ist nichts zu erfahren – weder dazu, wann der Baustart geplant ist noch zur Dauer der Arbeiten oder dazu, wie der Parkplatz auf der Fläche bis zum Beginn der Bauarbeiten genutzt werden soll.

Auch zu den Beschwerden von Zbigniew Chrzanowski, der sich mit seinem Anliegen auch an den Grundstückseigentümer gewandt hatte, gibt es keine Angaben: „Zur Parkplatz-Problematik liegen mir keine Informationen vor“, teilt Markus Rahner mit. Im Esslinger Rathaus hält man sich außerdem bedeckt im Hinblick auf die Zukunft des Karstadt-Areals. Die Stadtsprecherin Nicole Amolsch verrät nur so viel: „Die Stadt Esslingen ist mit den Beteiligten in vertraulichen Gesprächen.“

Fluchttreppe und provisorische Warenanlieferung sind der Stadt ein Dorn im Auge

Provisorien
Im Jahr 2017 sind die Fluchttreppe in der Bahnhofstraße und die provisorische Warenanlieferung in der Martinstraße installiert worden. Sie waren angesichts der geplanten Bebauung des Karstadt-Areals nötig geworden, weil die Zugänge zu den Treppenhäusern im rückwärtigen Bereich des Karstadt-Gebäudes und die dortige Anlieferungsfläche weichen mussten. Eigentlich hätten die Provisorien sicherstellen sollen, dass die Bauarbeiten reibungslos über die Bühne gehen – doch bis heute sind die Arbeiten nicht einmal gestartet.

Entfernung
Weil die Fluchttreppe und die provisorische Warenanlieferung nicht gerade als Schmuckstücke gelten und nach wie vor unklar ist, wann die Bebauung des Karstadt-Areals startet, will die Stadt die Provisorien entfernen lassen. Man werde nachdrücklich darauf pochen, dass Treppe und Warenanlieferung noch vor Weihnachten entfernt werden und dafür rechtlich tun, was möglich ist, heißt es aus dem Rathaus. Im Zweifelsfall werde man auch eine sogenannte Ersatzvornahme prüfen – also die Entfernung der Provisorien auf Kosten der Eigentümer.

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