Diskutiert über die Bebauung wird schon seit Jahrzehnten in der Stadt. Es gab Genehmigungen, Verkäufe und verschiedene Pläne, wobei sich der Schwerpunkt immer weiter von Handelsflächen entfernte – zugunsten von Wohnungen. Bebaut werden soll das gut ein Hektar große Gelände hinter jenem Gebäude, in dem zurzeit noch das Kaufhaus Galeria Waren anbietet. Es geht aber auch um das Gebäude zwischen Bahnhofstraße und Martinstraße selbst. Galeria schließt Ende Januar 2024 und hat bereits mit einer „Alles muss raus“-Kampagne begonnen. Diesen Termin will BPI auf jeden Fall abwarten, bevor weitere Schritte folgen.
Die Diskussion über die Zukunft des Geländes geht schon seit Jahrzehnten
„Wir sind glücklich über die Baugenehmigung – es war ja ein längerer Weg“, sagte Rahner. Er spricht von der Reset-Taste, die gedrückt worden sei. „Wir beharken uns nicht mehr – nun können wir mit der Stadt in eine gemeinsame Richtung gehen.“ Bereits 2020 wurde das Bebauungsplanverfahren des jetzigen Investors eingeleitet. Schon das war „kein leichtes Unterfangen, die Interessen von Politik, der Investoren und der Esslinger Bürger unter einen Hut zu bringen“, hieß es seinerzeit seitens der von BPI beauftragten Projektleitung. Ein Jahr später stimmte der Gemeinderat einem vorhabensbezogenen Bebauungsplan zu, wobei einige Stadträte ihre Skepsis nicht verbargen, aber dennoch zustimmten in der Hoffnung, auf diese Weise die Zukunft von Karstadt retten zu können.
Im Jahr 2022 kündigte BPI dem Mieter Galeria, also dem Kaufhaus, das ohnehin schon von der Schließung bedroht war. Es folgte ein zäher Rechtsstreit zwischen Vermieter und Mieter. Im Oktober 2022 kam das Projekt erneut ins Stocken, als die Stadt eine Nachjustierung unter anderem beim Brandschutz einforderte. Im März 2023 kam dann das endgültige Aus von Galeria. Insgesamt schließt der Handelskonzern mehr als 50 Filialen in Deutschland – die in Esslingen ist eine davon.
Hakeleien zwischen Gemeinderat und Investor
Oberbürgermeister Matthias Klopfer sprach damals von „einem herben Schlag“. Er hoffe, dass Stadtverwaltung und BPI einen Weg finden würden, das Areal „im Sinne einer zukunftsfähigen, lebendigen und im Angebot vielfältigen Innenstadt“ zu entwickeln. Doch der Gemeinderat grummelte: Nur wenige Tage nach dem Aus forderten einige Stadträte, der Investor solle ein Nachfolgekonzept und eine Neubewertung für den Umbau vorlegen. Der reagierte trocken: „Was die Planung angeht, verweist BPI darauf, dass der Bebauungsplan steht und vom Gemeinderat mehrheitlich beschlossen wurde.“ Schließlich handele es sich für die zentrale Achse zwischen Bahnhof und historischem Stadtkern um eine langfristige Lösung, die sich durch die Änderung eines Mietverhältnisses nicht unbedingt ändere, so BPI. Es habe stets eine Planung gegeben mit Karstadt als Mieter – und eine Variante ohne Karstadt beziehungsweise mit einer anderen Bespielung der Warenhausfläche.
Was die Bebauung betrifft, so sieht der aktuelle Plan laut Sigel so aus: Vier Gebäude sollen auf sieben Stockwerke hochgezogen werden. Im Erdgeschoss entstehen zehn Gewerbeeinheiten, darüber 157 Wohnungen, davon 21 Wohnungen in den oberen Stockwerken im so genannten Townhouse. Die zweigeschossige Tiefgarage soll 205 Stellplätze bekommen. Zudem sind 348 Fahrradabstellplätze vorgesehen.
Kommt die Volkshochschule ins Karstadt-Gebäude?
Ob das dann tatsächlich der allerletzte Stand sein wird, ist offen. Denn auch das Karstadtgebäude wird sich verändern, sobald Galeria ausgezogen ist. Die Stadtverwaltung brachte unlängst die Idee ins Spiel, dort die Volkshochschule (VHS) unterzubringen. Diese ist zurzeit am Rande der Stadt in der Mettinger Straße untergebracht. Würde sie in die Berliner Straße ziehen, erhofft sich die Stadtverwaltung mehr Menschen oder – wie es im Marketingdeutsch heißt – mehr Frequenz in der Innenstadt. Wie viele andere Städte in Deutschland auch, leidet die Esslinger Innenstadt an einem Rückgang inhaberbetriebener Läden, was zur Folge hat, dass deutlich weniger Menschen zum Einkaufen kommen.
„Wenn die Volkshochschule dort reinkommt, kann es noch mal zu Umplanungen kommen“, so Baudezernent Sigel. Wie aus dem Rathaus zu vernehmen war, wurde auch schon Kontakt mit BPI aufgenommen.