Pokémon-, Dragonball-, Marvel- oder Sport-Karten liegen total im Trend, in Echterdingen kann man sie nun am Automaten ziehen oder in einem kleinen Laden kaufen.

Kaum hat Sinan Özkan seinen Laden nach der Mittagspause aufgesperrt, sind bereits die ersten Kunden da. Zwei Jungs im Teenageralter blättern aufgeregt durch einen Ordner, ziehen eine Karte heraus, beäugen das glänzende Hologramm von allen Seiten, stecken die Karte zurück und widmen sich der nächsten. „Ich sammle schon lang“, sagt einer der Jungs, ohne seinen Blick vom Ordner zu nehmen. Auch auf dem Schulhof sei das Ganze durchaus ein Thema.

 

Worum es geht? Pokémon-Sammelkarten. Was in den 1990ern erstmals aufkam, ist heute wieder total in. Und nicht nur die bunten Bilder dieser japanischen Fantasiewesen sind beliebt, sondern auch die von Star Wars, Dragon Ball, One Piece, Disney oder Marvel, außerdem von Sportarten wie Basket- oder Fußball. „Das ist gerade ein großer Hype, das wird immer mehr“, sagt Sinan Özkan. Der 29-Jährige hat als Sammler angefangen und seine Leidenschaft zu einem Business gemacht. Im Juni hat er an der Echterdinger Hauptstraße seinen Rocket Card Store eröffnet. In dem kleinen Geschäft gibt es Einzelkarten, Sets oder ganze Boxen diverser Serien und Hersteller, ebenso Importe aus Korea, China oder Japan. Raritäten im Wert von mehreren Hundert Euro bewahrt er hinter Glas auf.

Sammelkarten boomen – und mit ihnen die Shops. In Esslingen ist Strongvision eine bewährte Anlaufstelle. Cardicuno findet man im Stuttgarter Einkaufszentrum Milaneo, weniger zentral liegt Outerrim 0711 in Stuttgart-Vaihingen. Auch der 25-jährige Fabian Krestel freut sich in seinem noch recht neuen Laden in Bempflingen über Zulauf. Im Juni hat er „Fainful Cards“ eröffnet und kann sich nach eigenen Angaben vor Kundschaft kaum retten. Sogar Fußballprofis kauften bei ihm ein. In Reutlingen findet am 1. November die mittlerweile vierte Cardshow statt, eine Sammlermesse.

In dem Geschäft gibt es Einzelkarten, Sets oder ganze Boxen diverser Serien, ebenso Importe aus Korea, China oder Japan Foto: Caroline Holowiecki

Dort wird auch Dennis Kirstein aus Plattenhardt dabei sein. „Es boomt wahnsinnig seit der Corona-Zeit“, sagt er. Viele hätten während der Lockdowns in Kellern und auf Dachböden gewühlt – und ihre alten Karten wiederentdeckt. Der 44-Jährige vermutet, dass das bei manchem ein heimeliges Gefühl ausgelöst hat, viele hätten sich wohl an ihre Kindheit zurückerinnert. Auch Dennis Kirstein ist leidenschaftlicher Sammler und hat gemeinsam mit einem Kumpel ein kleines Gewerbe angemeldet. Über einen Online-Shop verkaufen sie als „Cardshow Dudes“ diverse Serien, außerdem streamen sie sogenannte Live-Breaks, bei denen sie Tütchen mit Sammelkarten vor der Kamera öffnen. Bisweilen schauten 100 Leute zu. Dennis Kirstein berichtet: Beim letzten Live-Break seien er und sein Mitstreiter auf eine weltweit einmalige Sponge-Bob-Karte gestoßen. Wert: 5000 bis 8000 Euro. Teurer gehe aber immer. „In den USA ist das ein Milliardengeschäft“, sagt er.

Auch Sinan Özkan streamt Live-Breaks. In Echterdingen kann er aber noch ganz anders punkten: mit einem Sammelkarten-Automat. Direkt an der Hauptstraße kann man ab einem Preis von drei Euro rund um die Uhr Tütchen mit Sammelkarten ziehen. „Solche Automaten habe ich bisher nur in Österreich gesehen“, sagt er, und auch Szenekenner Dennis Kirstein spricht von einer Besonderheit. „Das ist auch für mich ein Novum“, sagt er. Das Selbstbedienungsangebot komme an. Sinan Özkan sagt, dass er die Maschine regelmäßig auffüllen muss. „Das ist wie ein Snack to go“, sagt er. Und der Appetit wird von den Herstellern befeuert. „Jeden Monat kommt was Neues“, erklärt Sinan Özkan, alte Karten stiegen derweil im Wert. „Viele Leute fangen wieder an zu sammeln und holen ihre Karten vom Dachboden“, sagt er. „Da gibt es, je nach Zustand, richtige Schätze.“