Kartsport in Steinenbronn Abschiedstour mit Helene
Der Rennfahrer Marcel Rühle hofft in seiner letzten Saison im Jugendkart auf den dritten deutschen Meistertitel. Zur jeweiligen Vorbereitung hat er sein eigenes Ritual.
Der Rennfahrer Marcel Rühle hofft in seiner letzten Saison im Jugendkart auf den dritten deutschen Meistertitel. Zur jeweiligen Vorbereitung hat er sein eigenes Ritual.
Ein klein wenig Sentimentalität liegt in der Luft, wenn Marcel Rühle am Sonntag gegen 11 Uhr auf einem Parkplatz im Ulmer Donautal in sein Fahrzeug steigen wird. Für den 23-Jährigen vom RMV Steinenbronn beginnt dann seine definitiv letzte Saison in einem Jugend-Kart.„Ich möchte dieses Jahr noch einmal richtig genießen und es im Idealfall mit dem Gewinn des deutschen Meistertitels beenden“, sagt der junge Mann vom Rand des Schönbuchs, für den altersmäßig eigentlich bereits Schluss gewesen wäre. Die Teilnahmebedingungen sehen eine Altersbegrenzung von sieben bis maximal 22 Jahren vor. Weil es aber aufgrund der Corona-Pandemie seit dem Herbst 2019 keine Meisterschaftsrennen mehr gab, hat der zuständige Verband nun eine Ausnahmeregelung gemacht.
Im nächsten Jahr wird Rühle dann von den 6,5 PS starken Jugendkarts auf einen 52-PS-Rennkart umsteigen. Doch nicht nur von der Leistungsstärke wird es ein Unterschied werden, auch vom Wettbewerbsmodus: Während die Fahrer im Nachwuchsbereich einzeln auf Slalomkursen eben auf größeren Parkplätzen antreten, geht es bei den Älteren auf Rundkursen in direkte Duelle, Mann gegen Mann. „Das wird eine riesige Umstellung für mich, weil das eigentlich zwei komplett unterschiedliche Sportarten sind“, sagt Rühle, der gemeinsam mit seinem Vater Frank auch den Trainingsbetrieb für die Jungs und die zwei Mädchen auf dem Vereinsgelände in den Steinenbronner Sandäckern leitet.
Insgesamt acht Läufe um die baden-württembergische Landesmeisterschaft stehen nun in den nächsten Wochen auf dem Programm. Die letzten beiden, am 17. Juli in Steinenbronn und eine Woche später in Waldenbuch, sind Heimrennen für das RMV- Team. „Mir liegt aber auch der erste Kurs in Ulm sehr gut. Da war ich schon oft auf dem Podest“, sagt Rühle, der sich in der erwähnten bislang letzten Wettbewerbssaison bei den deutschen Meisterschaftsendläufen den dritten Rang gesichert hat und in der Landesgruppenwertung Zweiter wurde. Der seinerzeit vor ihm platzierte Vereinskollege Marc Andre Hildebrandt ist aus Altersgründen inzwischen ausgeschieden.
Insgesamt fünfmal stand Rühle bei der deutschen Meisterschaft schon auf dem Siegerpodest. Zweimal, 2015 und 2017, gewann er sogar den Titel. „Der erste war ein ganz besonderer, weil das war genau 30 Jahre, nachdem mein Vater deutscher Meister geworden war“, erinnert sich der Filius der motorsportbegeisterten Familie. Er selbst verfügt, wie es sich gehört, nicht nur über fahrerisches, sondern auch handwerkliches Geschick. Gegebenenfalls nötige Reparaturen an den beiden jeweils 4500 Euro teuren Gefährten werden in Eigenregie erledigt.
Ein Renntag in der baden-württembergischen Meisterschaft umfasst jeweils drei Läufen jedes Fahrers zu etwa 35 bis 40 Sekunden, von denen die beiden schnellsten in die Wertung einfließen. Von den acht Tageswettkämpfen gehen dann wiederum die sechs Besten in die Qualifikation für das nationale Finalwochenende, das heuer am 24. und 25. September im unterfränkischen Straßbessenbach bei Aschaffenburg ausgetragen wird.
„Unser Verband ist im Jugendkart-Slalom absolut führend. Bei der deutschen Meisterschaft 2019 haben unsere baden-württembergische Fahrer fünf von sechs Klassen gewonnen“, sagt Rühle, der sich gute Chancen ausrechnet, seine Jugendkarriere mit seinem dritten Triumph auf nationaler Ebene zu beenden. „Ich kenne viele der jungen Fahrer noch nicht, die in den vergangenen zwei Jahren in meine Altersklasse aufgerückt sind. Trotzdem denke ich, dass ich ganz vorne mitmischen müsste“, sagt der Steinenbronner, der sich auf seine eigenen Läufe immer auf besondere Art vorbereitet. „Ich ziehe mich mit Kopfhörern in eine ruhige Ecke zurück und konzentriere mich mit Musik. Das kann Rock sein, oder Techno – oder auch mal Helene Fischer“, sagt der 23-Jährige und schmunzelt.