Katar-Sponsoring beim FC Bayern Darum könnte es auf der Jahreshauptversammlung krachen

Einige Fans des FC Bayern haben eine klare Meinung zum Katar-Sponsoring und kritisieren die Vereinsführung. Foto: imago/Eibner

Beim FC Bayern rumort es: Einige Fans fordern von den Clubchefs das Ende des umstrittenen Katar-Sponsorings.

Sport: Marco Seliger (sem)

Stuttgart/München - Auch Franz Beckenbauer hat schon seine Spuren im Sand hinterlassen, überall auf der Welt und wahrscheinlich in jeder Wüste, wie sich das gehört für den echten und einzigen Fußballkaiser. Folglich auch in Katar. Fast acht Jahre ist es jetzt her, dass Beckenbauer kundtat, im Emirat keinen einzigen Sklaven auf den Baustellen gesehen zu haben – und sich selbst und seinem FC Bayern schon da eine veritable Baustelle rund um Moral und Anstand eröffnete. Irgendwie hallt der legendäre Ruf des Ehrenpräsidenten noch immer nach wie Donnerhall: Etwa dann, wenn die Münchner regelmäßig in ihr Winter-Trainingslager nach Katar aufbrechen. Oder sich, wie jetzt rund um die an diesem Donnerstagabend stattfindende Hauptversammlung, mit Debatten und Anträgen auseinandersetzen müssen, die sie lieber nicht auf der Agenda gehabt hätten.

 

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So fliegt der FC Bayern ja nicht mehr nur nach Katar, um zu trainieren – seit dem Jahr 2018 ist die staatliche katarische Fluglinie obendrein ein Trikotsponsor. Zu viel des Schlechten ist das für einige Fans, die nun rund um die Jahreshauptversammlung das Ende des Sponsorings erzwingen wollen. Angeführt von Michael Ott, einem 28-jährigen Rechtsreferendar, sind sie von Ende Oktober an in die Vollen gegangen – stehen aber vor dem Abend der Entscheidung noch mit leeren Händen da.

Ott und seine Mitstreiter hatten mit Blick auf die Versammlung beim FC Bayern einen Antrag auf Beendigung der Partnerschaft mit Qatar Airways gestellt. Aufgrund einer fehlenden Zulassungsbestätigung seitens des Clubs klagten Ott und Kollegen, das Amtsgericht München erteilte die angestrebte einstweilige Verfügung aber nicht. Das Gericht habe, so erklärte Ott, den Antrag nicht aufgrund inhaltlicher Probleme abgelehnt – sondern nur deshalb, weil es sich darauf stütze, dass keine Dringlichkeit bestehe. So könne der Antrag auch auf einer der kommenden Versammlungen gestellt werden.

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Dennoch dürfte die Angelegenheit für den FC Bayern kaum ausgestanden sein. Das Gericht habe laut Ott angeregt, an diesem Donnerstag „doch einfach einen Spontanantrag“ zu stellen. Dieser brauche aber eine 75-prozentige Mehrheit der Mitglieder, um zugelassen zu werden. „Das reduziert die Erfolgschancen extremst“, sagte Ott: „Der FC Bayern hätte dann einen Freifahrschein, zukünftig alle unbequemen Anträge massiv zu behindern.“ Die Nichtzulassung des Antrags, so Ott weiter, sei ohnehin „ein Armutszeugnis und feige seitens des FC Bayern – berechnend gar nichts zu sagen, in der Hoffnung, dass die Zeit zu knapp wird: Das sind niederträchtige Tricks, auf so ein Niveau sollte sich Bayern nicht herabbegeben.“

Seit Jahren gibt es von der Münchner Fanszene Proteste gegen die Katar-Engagements ihres Clubs. Beim Spiel gegen den SC Freiburg am 6. November etwa zeigten Anhänger einer Gruppierung ein Banner, welches den Vorstandschef Oliver Kahn und den Präsidenten Herbert Hainer mit blutiger Kluft und dem Slogan „Für Geld waschen wir alles rein“ zeigte.

Die Bayern-Verantwortlichen verteidigen die Geschäfte mit Katar

Die Bayern-Verantwortlichen verteidigen die Geschäfte mit dem Emirat seit Jahren auf ähnliche Art und Weise: Man suche den intensiven Austausch über gesellschaftspolitische Themen mit seinen Partnern, und die Bundesregierung habe zu Geschäftsbeziehungen mit dem Emirat ermutigt. Außerdem hätten sich die Dinge in Katar im Vergleich zu allen anderen arabischen Staaten am meisten verbessert.

Die Lage im Emirat ist nun ein knappes Jahr vor Beginn der hochumstrittenen WM 2022 wieder in den Fokus gerückt. Massive Menschenrechtsverletzungen, die Verfolgung Homosexueller, Korruption im Sport, um solche Dinge geht es nach wie vor – und der neue Report von Amnesty International zur Lage der Menschenrechte in Katar verheißt nichts Gutes: Fortschritte gebe es eher nicht, und von einer Aufklärung der Ursachen für die vielen Todesfälle auf den WM-Baustellen sei man ebenso noch weit entfernt, heißt es. Das alte, traurige Lied läuft also weiter. Spuren im Sand? Offenbar verweht, vom Winde der Wüste und der Wüsten.

Das Thema Katar aber könnte nun auch wieder ein großes für den FC Bayern werden. Der Umgang mit dem möglichen Antrag der Fans um Ott dürfte einer der spannendsten Tagesordnungspunkte werden. Ein Knalleffekt und hitzige Debatten sind möglich.

Der Zentralrat der Juden kritisiert den FC Bayern

Rückenwind für Ott gibt es von Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. Für die Bayern-Bosse hätten „die Geldscheine so einen Reiz gehabt, dass sie das andere in dem Moment nicht ausreichend beachtet haben“, sagte Schuster kürzlich der „SZ“ über das Katar-Sponsoring. Dieses „andere“ seien etwa die finanzielle Unterstützung Katars für Terrororganisationen und die „fragwürdigen“ Arbeitsbedingungen auf den Baustellen. Den Verweis des FC Bayern auf eine Aufforderung von Kanzlerin Angela Merkel 2018 an den Mittelstand, mit Katar Geschäftsbeziehungen einzugehen, nennt Schuster „in keiner Weise logisch, hier geht es rein um eine Werbekampagne“. Er habe, so Schuster, außerdem „ernsthafte Zweifel, dass der Dialog des FC Bayern zu einer Verbesserung der menschenrechtlichen Lage beiträgt“.

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