Katastrophen-Touristen Hochwasser lockt Gaffer

Hochwasser in Passau: Der Schaden ist groß genug – da braucht es nicht auch noch ungebetene Zuschauer. Foto: dpa/Armin Weigel

Katastrophen-Tourismus behindert Retter und Helfer allerorten. Das muss konsequent bestraft werden, fordert StZ-Autor Armin Käfer.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)

Die Hochwasserkatastrophe lässt auch menschliche Untiefen sichtbar werden. Bei manchen Zeitgenossen haben die Fluten offenbar jeglichen Anstand weggespült. Sie pilgern regelrecht an überschwemmte Orte, um das Unglück der anderen zu begaffen. Ein solches Fehlverhalten lässt sich eigentlich nur mit Worten beschreiben, die inzwischen als altmodisch gelten: unanständig, schamlos, verkommen.

 

Präzedenzfälle gäbe es im Übermaß

Die Wasser-Gaffer ergötzen sich nicht nur an der Katastrophe, sie stehen oft auch den Helfern im Wege, behindern Rettungskräfte oder gefährden sich selbst. Die Unkultur dieser Katastrophen-Kiebitze ist auch von anderen Unglücksorten sattsam bekannt, etwa bei Verkehrsunfällen oder Feuerwehreinsätzen. Nicht selten sind bei solchen Gelegenheiten mehr Polizeikräfte damit beschäftigt, die Indiskretion in Schranken zu weisen, als mit ihrem eigentlichen Job: sich um die Opfer zu kümmern.

Seit fünf Jahren gibt es auch einen Strafparagrafen, der diese Abart des Spannertums mit bis zu zwei Jahren Haft bedroht. Offenbar wird er noch zu selten angewandt. Oder das Strafmaß ist nicht abschreckend genug. Präzedenzfälle gäbe es im Übermaß.

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