Katastrophenschutz im Kreis Göppingen Wie sich Eislingen auf Gefahren vorbereitet

Bei Großschadenslagen wird die Eislinger Feuerwache zum Notfallleuchtturm. Hier können bei Stromausfall über Funk Notrufe abgesetzt werden.​ Foto: Staufenpress

Die Bevölkerung der Stadt kann sich bei Notfällen an drei Treffpunkten versammeln. Falls das Telefonnetz ausfällt oder bei einem großflächigen Stromausfall sollen Notfallleuchttürme weiterhelfen.

Sichere Räume, Alarmierungsketten, Notfalltreffpunkte für die Bevölkerung – wie die Stadt Eislingen jetzt deutlich machte, ist der Bevölkerungsschutz ein wichtiges lokales Thema. Hochwasser und Überschwemmungen, einstürzende Brücken oder der russische Krieg gegen die Ukraine – die Thematik Sicherheit der Einwohnerschaft hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen und geht inzwischen weit über den Schutz gegen Kriminalität hinaus. Erst vor kurzem wurde im Eislinger Gemeinderat im Zusammenhang mit Neubauten für die Silcherschule über Schutzräume gesprochen.​

 

Beim Bevölkerungsschutz gehe es um alle möglichen Katastrophen- und Gefahrenlagen, aber auch um Kriegslagen, stellte Oberbürgermeister Klaus Heininger jetzt im Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) fest. Der OB nahm das Juni-Hochwasser als Referenzpunkt. Dank des Krisenstabs sei die Stadt gut vorbereitet gewesen. Damit sei es aber nicht getan: „Die politische Weltlage zwingt uns, sich dem Bereich Zivilschutz stärker zuzuwenden – leider“, sagte Heininger im ATU.

Krisenstab gehören 90 Personen an

Emily Traub, die im Rathaus als Sachbearbeiterin Bevölkerungsschutz arbeitet, stellte im ATU Pläne der Stadt vor. Für den Zivilschutz gegen kriegsbedingte Gefahren sei der Bund zuständig. Bei Katastrophen liege die Kompetenz bei den Ländern. Die Stadt hingegen müsse auf Gefahrenlagen unterhalb der Katastrophenschwelle vorbereitet sein, etwa durch das Aufstellen von Alarm- und Einsatzplänen.

Die Stadt Eislingen hatte vor etwa einem Jahr die Zusammenstellung eines Krisenstabs organisiert. Dem Verwaltungsstab mit OB Heininger und dem Fachbereichsleiter Bürgerdienste, Oliver Marzian, an der Spitze gehören 90 Personen an, berichtete Traub. Die Stabsdienstordnung sei am 1. Juni 2024 in Kraft getreten. Das Hochwasser, zwei Tage später, war der erste Härtetest. Die Leistung des Krisenstabs bewertet die Expertin als positiv. Die Erkenntnisse aus dem Ernstfall würden in die Pläne eingearbeitet.

Notfalltreffpunkte mit Toiletten und Duschen

Damit sich die Einwohner bei „Großschadenslagen“ sicher versammeln können, hat die Stadt drei Notfalltreffpunkte definiert. Das sind die Stadthalle, die Sporthalle Ösch 1 in der Talstraße und die Sporthalle der Dr.-Engel-Realschule. Sie haben bei Großschadenslagen „den Zweck der Weitergabe von Informationen, Koordination von Spontanhelfern und der Bereitstellung niederschwelliger Erste-Hilfe-Leistungen“, erläutert Traub. Notfalltreffpunkte dienten dem kurzzeitigen und nicht dem längerfristigen Aufenthalt und seien nicht für die Betreuung schutzbedürftiger Personen vorgesehen. An allen Notfalltreffpunkten seien für den vorgesehenen Zweck ausreichend Sanitäranlagen wie Toiletten und teilweise Duschen vorhanden.

Standorte werden mit Logos gekennzeichnet

Falls das Telefonnetz ausfällt oder bei einem großflächigen Stromausfall sollen Notfallleuchttürme weiterhelfen. Sie werden bei außergewöhnlichen Ereignissen in den Feuerwehrhäusern Eislingen und Krummwälden eingerichtet. Dort können Notrufe über den Funk der Feuerwehr an die Integrierte Leitstelle weitergeleitet werden. Das System mit Notfalltreffpunkten und -leuchttürmen sei noch in Vorbereitung, erläutert Traub auf Nachfrage. „Die Schulung des Personals sowie der Probebetrieb der Standorte stehen derzeit noch aus.“ Dann soll auch die Bevölkerung umfassend über die Medien informiert werden. Die Standorte sollen gut sichtbar mit Logos gekennzeichnet werden.

Die Eislinger Stadtverwaltung hat sich mit dem Thema stationäre Sirenen befasst. Eislingen bräuchte acht Stück – sechs im Stadtgebiet und jeweils eine in Krummwälden und in Eschenbäche, um die Bevölkerung zu warnen. Dafür gibt es auch schon ein Konzept, allerdings derzeit keine finanzielle Förderung durch den Bund oder das Land. Deshalb sei die Umsetzung vorerst gestoppt worden. Jedoch könne die Bevölkerung auch über Radio, Internet oder Smartphones informiert werden.​

Mobiles Warnsystem

Sirene
Die Stadt Eislingen hat zudem ein mobiles Warnsystem gekauft, das über eine 360-Grad-Sirene verfügt. Damit können in einzelnen Gebieten die Einwohner informiert werden, wenn sie zum Beispiel das Wasser abkochen oder bei starkem Rauch die Fenster schließen sollen. ​

Warntöne
Die mobile Sirene kann Warntöne und Handlungsanweisungen abgeben, heißt es. Die Bevölkerungsschutzexpertin erläuterte in Eislingen, dass für die Sprachnachrichten derzeit Musterdurchsagen vorbereitet werden.​

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