Katastrophenschutz in Baden-Württemberg Bunker dringend gesucht
Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat den Bund dazu aufgefordert, ein Schutzraumkonzept zu erstellen. Doch der weiß noch nicht einmal, was er hat.
Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat den Bund dazu aufgefordert, ein Schutzraumkonzept zu erstellen. Doch der weiß noch nicht einmal, was er hat.
Der russische Überfall auf die Ukraine rückt Fragen in den Blick, die sich seit Jahrzehnten niemand mehr gestellt hatte. Zum Beispiel die nach Bunkern. Für die elf Millionen Menschen in Baden-Württemberg stehen derzeit rund 176 000 Plätze zur Verfügung, allerdings nur in der Theorie. Einsatzbereit ist kein einziger der Schutzräume. Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat daher den Bund dazu aufgefordert, ein Schutzraumkonzept zu erstellen.
Gegen Konzepte hat auch Martin Voss nichts einzuwenden. Der Professor ist Leiter der Katastrophenforschungsstelle an der Freien Universität in Berlin und weiß, dass vor dem Plan erst eine Menge Hausaufgaben gemacht werden müssen. „Wir wissen nicht einmal genau, was wir haben, daher ist es schwer zu sagen, was wir brauchen“, sagt Voss unserer Zeitung. Von offizieller Seite wird bereits an solch einer Bestandsaufnahme gearbeitet. Doch das dauert.
Schon ein Blick auf die Beteiligten zeigt, dass die Bestandsaufnahme nicht so einfach ist. Vonseiten des Bundes sind die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), das Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und das Innenministerium damit befasst. Dazu diverse Stellen der Bundesländer und die Kommunen. In erster Linie wälzten einige Mitarbeiter neben ihren täglichen Aufgaben noch zusätzlich Akten, um zu sehen was überhaupt noch da ist, sagt Martin Voss. „Wenn man es ernst meint, dann muss man mit viel mehr Personal an die Sache herangehen“. Mit Ergebnissen, so das Bundesamt für Bevölkerungsschutz auf Nachfrage, rechne man im „Frühjahr 2023“. Bis dahin, empfiehlt Katastrophenforscher Voss, gelte es noch eine wichtige Frage in den Blick zu nehmen: Vor was wollen wir uns eigentlich schützen?
Schutzvorrichtungen gegen konventionellen Beschuss benötigen andere Voraussetzungen, als wenn man sich vor Atombomben schützen möchte. „Wenn es darum geht, den Menschen bei einem Stromausfall Hilfe zu gewähren, ist das Schutzschema wieder ein anderes“, sagt Voss.