Katastrophenschutz in Leinfelden-Echterdingen Keine Angst vorm Feuerlöscher

Benjamin Barth, Bereitschaftsleiter des örtlichen DRK, zeigt, wie ein Schwerverletzter versorgt wird. Foto: Ines Rudel

Die Scheu zu verlieren, selbst ein kleinen Brand zu löschen, war ein Ziel des ersten Aktionstages zum Katastrophenschutz in Leinfelden-Echterdingen. Drei Hilfsorganisationen haben am Donnerstag in Leinfelden 170 Schülerinnen und Schüler über ihre Arbeit informiert.

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Dass dieser Schultag besonders wird, war den Sechstklässler des Immanuel-Kant-Gymnasiums schon länger klar. Von ihren Klassenlehrern haben Liliana, Klara und Greta aus der 6c erfahren, warum heute Katastrophenschutz und kein Mathe auf dem Stundenplan steht. „Damit wir im Notfall auch helfen können. Am besten ist man immer zu dritt unterwegs, damit einer die Rettung anrufen kann und die anderen helfen können“, wissen sie schon. „Beispielsweise wenn jemand angefahren wird oder in Ohnmacht fällt, einen Herzinfarkt erleidet oder auf dem Schulweg vom Fahrrad fällt“, zählen die Mädels auf. Dennoch sind sie gespannt, was sie jetzt konkret erwartet.

 

Ein Feuerwehrlöschfahrzeug parkt an diesem Donnerstagmorgen auf dem Schulhof. Und zwar eins, das auch im Wald gut eingesetzt werden kann. Der Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes hat ein Zelt aufgebaut, präsentiert einen Rettungswagen und einen Gerätewagen, der beispielsweise bei einem Verkehrsunfall mit sehr vielen Verletzen ausrückt.

Bundesfreiwilligendienstleistende des Technischen Hilfswerkes (THW) klären darüber auf, wie abhängig unsere Gesellschaft vom Strom ist, und wie sich Familien auf einen mehrtägigen Stromausfall vorbereiten können. „Man kann nicht kochen, die Lebensmittel im Kühlschrank verderben, nach acht, neun Stunden kann man nicht mal mehr einen Notruf absetzen“, sagt Florian Reiber. „Richtig blöd wird es, wenn das Trinkwasser zuneige geht und die Frischwasserpumpen ausgefallen sind.“ Er rät den Jugendlichen, sich auf der Internetseite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz zu informieren. Familien sollten Vorräte anlegen, die man braucht, um mehrere Tage ohne Strom zu überbrücken.

Etwa 170 Schülerinnen und Schüler der beiden Kant-Schulen, der benachbarten Werkrealschule sowie des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) nehmen an diesem Morgen auf dem Leinfelder Schulcampus am Aktionstag Katastrophenschutz teil. Der Tag gehört seit diesem Schuljahr zum Lehrplan, aber erst wenige Kommunen im Landkreis haben ihn tatsächlich angeboten, wie Stadtkommandant Frank Luz weiß. „Leinfelden-Echterdingen ist da ganz vorne dabei“, sagt er.

Jugendliche sollen sensibilisiert werden

Die Jugendlichen sollen erfahren, welche Hilfsorganisationen es überhaupt gibt, sagt Katharina Lerch. Sie ist bei der Stadt für den Katastrophenschutz zuständig. Weil es immer öfters Starkregen und Hochwasser gibt, sollen Jugendliche für solche Ereignisse sensibilisiert werden. Sie sollen lernen, wie sie selbst am besten reagieren – ohne dabei in Panik verfallen zu müssen.

Der Aktionstag soll den Schülerinnen und Schülern auch ein Stück weit die Angst vor diesen Ereignissen nehmen, sagt Heike Hauber, Leiterin der Immanuel-Kant-Realschule. „Denn sie erfahren, dass es Menschen gibt, die sich damit auskennen.“ Eine Schulsozialarbeiterin hat die Realschülerinnen und Realschüler auf diesen Tag vorbereitet, auch danach wird es Gespräche geben.

„Wir wollen heute auch zeigen, was wir alles können und machen“, sagt Jan Kuttler, Feuerwehrmann in Leinfelden. Der Tag soll Lust darauf machen, sich bei der Jugendfeuerwehr zu engagieren. Auch Benjamin Barth, Bereitschaftsleiter des örtlichen DRK, hofft, dass ein, zwei Jugendliche sich für eine ehrenamtliche Mitarbeit beim DRK begeistern können. Er zeigt den Schülerinnen und Schülern, wie ein Schwerverletzter beatmet wird. Vom Transportbrett über den Notfallrucksack bis zum aufblasbaren Zelt: Die Jugendlichen erfahren, was das DRK alles in seinem Gerätewagen bereit hält. Die Mädchen und Jungen dürfen kurz ins Fahrzeug rutschen und wieder hinaus und sind erstaunt, wie groß der Innenraum ausfällt.

Zurück zu Liliana, Klara und Greta: Einen Feuerlöscher auszuprobieren und selbst Flammen zu löschen, das hat die drei Mädels der Klasse 6c des Leinfelder Gymnasiums am meisten beeindruckt, berichten sie am Ende. „Das war echt cool“, sagen sie. Auch wenn sie zunächst etwas Angst hatten.

Die Scheu zu verlieren, einen Feuerlöscher in die Hand zu nehmen, war ein Ziel des Aktionstages, betont Kommandant Luz. Dazu beigetragen hat sicher auch Oberbürgermeister Otto Ruppaner, der selbst beherzt zum Löschgerät griff.

Zum Aktionstag

Vorgabe des Landes
 Der Aktionstag Katastrophenschutz an Schulen wurde durch das Landesministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen ins Leben gerufen. Er soll einmal pro Schuljahr verpflichtend für alle Sechstklässler angeboten werden.

Möglich durchs Ehrenamt
Leinfelden-Echterdingen gehört zu den ersten Kommunen im Landkreis Esslingen, die diese Vorgabe umgesetzt haben. Und zwar an zwei Tagen in dieser Woche. Beteiligt waren jeweils zwischen 170 und 180 Schülerinnen und Schüler. Jeweils 20 Ehrenamtliche der Hilfsdienste haben dies möglich gemacht.

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