Katastrophenschutztag an Esslinger Realschule Flut oder Stromausfall – wie Kinder für den Ernstfall trainieren

Ellen Esenwein von den Johannitern erklärt Luisa (liegend) und Sudenaz die stabile Seitenlage. Foto: Roberto Bulgrin

Starkregen, Hochwasser, Sturm und in der Folge Stromausfälle und Evakuierung – extreme Wetterereignisse häufen sich. Mit einem Katastrophenschutztag in Schulen sollen Kinder auf solche Notlagen vorbereitet werden. Wie lief die Aktion in Esslingen ab?

Reporter: Petra Pauli (pep)

Gut einen Monat ist es her, dass tagelange Regenfälle aus ruhigen Bächen reißende Flüsse machten, die vielerorts über die Ufer traten. Beim Jahrhunderthochwasser im Juni kam der Landkreis Esslingen zwar vergleichsweise glimpflich davon, aber auch hier liefen Keller voll, und Straßen wurden gesperrt. Im Nachbarkreis Göppingen mussten Menschen evakuiert werden, im Rems-Murr-Kreis forderte das Hochwasser sogar Todesopfer. Extreme Wetterereignisse sind hierzulande keine unrealistischen Szenarien mehr und könnten sich häufen. Schon Schülerinnen und Schüler sollen nach dem Willen des Kultusministeriums lernen, wie sie sich in Not- und Katastrophenfällen verhalten müssen. Seit diesem Schuljahr gibt es deshalb an allen Schulen in der sechsten Klasse einen Katastrophenschutztag.

 

Ein solcher Aktionstag fand jetzt in Zusammenarbeit mit der Johanniter-Unfall-Hilfe an der Realschule Oberesslingen (RSO) statt. Beteiligt waren rund 80 Kinder der Klassenstufe sechs und 20 Lehrkräfte. Die Johanniter wurden von Schülerinnen und Schülern unterstützt, die an der RSO als Schulsanitäter ausgebildet sind. An fünf Stationen gab es Workshops. Dazu gehörte etwa eine Rallye durchs eigene Schulgebäude, bei der man Fluchtwege und Feuerlöscher finden musste. In einem Klassenraum wurde klassische Erste Hilfe trainiert. Wie kann man ein Bein abbinden oder einen verletzten Ellenbogen stabilisieren, waren beispielsweise die Aufgaben. Zum Einsatz kamen dabei Dreieckstücher, die zum Verbinden universell benutzt werden können.

Was tun bei Herzstillstand?

Eine Standardmaßnahme, wenn ein Mensch bewusstlos wird, ist die stabile Seitenlage, die Ellen Esenwein von den Johannitern mit den Kinder einübte. „Am Ende müsst ihr immer den Kopf leicht überstrecken und den Mund öffnen, damit die Person atmen kann. Sonst bringt die ganze Lagerung nichts“, korrigierte sie. An einer Puppe trainierten die Sechstklässler auch den richtigen Rhythmus für eine Herzdruckmassage, bei der mit beiden Händen der Brustkorb eingedrückt wird. „Es ist anstrengend, aber eigentlich gar nicht so schwierig“, sagte die Schülerin Sila Caglar. Zum Einsatz kam auch noch ein Defibrillator, der gezielt Stromimpulse abgibt, um das Herz wieder in Schwung zu bringen. Per Sprachfunktion gibt er genau an, was nacheinander zu tun ist, sodass das Gerät ohne Vorkenntnisse bedient werden kann. „Es ist aber gut, wenn man es schon mal ausprobiert hat, dann ist im Notfall die Hemmschwelle geringer“, so Mareen Kupka, Kommunikationsreferentin beim Regionalverband Ostwürttemberg der Johanniter.

Gestrandet auf einer einsamen Insel und in Lebensgefahr

Am Katastrophenschutztag beschäftigen sich die Sechstklässler auch damit, welche Vorräte man daheim haben sollte oder was wichtige Dinge und Dokumente sind, die unbedingt in den Notfallkoffer gehören. Es sei wichtig, sich rechtzeitig damit auseinanderzusetzen, sagte Kupka. Diese Themen würden viele vor sich herschieben. „Eine Notlage kann aber überall und immer passieren“, warnte sie. Ziel des Aktionstages sei es deshalb, dass die Kinder zu Multiplikatoren werden, indem sie daheim in der Familie oder bei Freunden berichten und so für den Katastrophenschutz sensibilisieren. Nicht zuletzt hoffen die Johanniter mit einem solchen Tag, den Nachwuchs für ihre Branche zu begeistern und sie als Ehrenamtliche, Azubis oder für den Freiwilligendienst zu gewinnen.

Gestrandet auf einer einsamen Insel ist das Szenario des abschließenden Workshops. „Ihr seid erschöpft, habt Angst, und es bleibt wenig Zeit“, umschreibt Brigitte Mezger von den Johannitern die Situation. Die jeweilige Gruppe muss sich in Teams aufteilen und sich jeweils für fünf Gegenstände entscheiden, die das Überleben sichern. „Wichtig ist die Kommunikation und dass ihr euch an Vereinbartes haltet. Wenn am Ende jeder Brennholz bringt, habt ihr nichts zu essen“, gab Ünal Keresteci mit auf den Weg.

Virtuell Feuer löschen

Bei den Angeboten des Katastrophenschutzmobils des Innenministeriums, das im Schulhof parkte, beteiligten sich weitere Klassenstufen. Unter anderem konnte man mit VR-Brille virtuell einen Brand löschen oder Wiederbelebung trainieren. Es war nicht nur so, dass das vielen Kindern Spaß gemacht hat. „Ich glaube schon, dass es hilft und man sich im Notfall daran erinnert“, sagte der 12-jährige Walter Winkler. Lehrerin Ann-Kathrin Rückert, die zum Krisenteam der Schule gehört, sieht die Kinder gewappnet. „Ich bin beeindruckt, was viele können und welche Ideen sie haben“, sagte sie. Der Aktionstag, der im Unterricht thematisiert wird, soll noch mehr Sicherheit geben. „Wir sind überzeugt, dass die Resilienzfähigkeit gestärkt wird“, sagte Rektorin Regine Kälber.

Vorbereitet sein auf den Ernstfall

Katastrophenschutztag
Bei der Krisenvorsorge spielt die frühe Einbindung von Kindern und Jugendlichen aus Sicht des Kultus- und des Innenministeriums eine wichtige Rolle. Deshalb sollen seit dem Schuljahr 2023/24 regelmäßig Einsatzkräfte wie Technisches Hilfswerk, Rettungsdienst oder Feuerwehr an Schulen kommen, um dort Wissen für den Ernstfall zu vermitteln. An weiterführenden Schulen gibt es fortan jährlich und landesweit einen Aktionstag zum Katastrophenschutz.

Vorsorge treffen
In einem Begleitheft des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe wird kindgerecht vermittelt, wie man sich beispielsweise für einen Stromausfall wappnen kann. Jeder Haushalt sollte Kerzen, Streichhölzer, Decken und ein batteriebetriebenes Radio griffbereit haben. Wichtig sind auch Wasservorräte und haltbare Lebensmittel, die kalt gegessen werden können, wie Knäckebrot, Trockenobst oder Dosenfleisch.

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