Katharina K. aus Backnang Verteidiger plädiert auf Totschlag

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Noch am Montag hatte Daniel E. abgestritten, für den Tod seiner Ex-Freundin verantwortlich zu sein. Warum sein Anwalt in seinem Plädoyer nun doch von Totschlag statt von Mord ausgeht – und welche Rätsel der Prozess offen lässt:

Das Landgericht Stuttgart fällt kommende Woche das Urteil im Fall Katharina K. Foto: Weingand / STZN
Das Landgericht Stuttgart fällt kommende Woche das Urteil im Fall Katharina K. Foto: Weingand / STZN

Backnang/Stuttgart - Geplanter Mord oder Totschlag im Affekt? Angesichts erdrückender Beweise gegen den 25-jährigen Daniel E. ist dies im Prozess um den Tod von Katharina K. aus Backnang jetzt die wichtigste Frage. E.s Verteidiger Thomas Raich hat nun auf Totschlag plädiert. „Eigentlich müsste ich zwei Plädoyers halten – eines, das von seiner Unschuld ausgeht, und eines unter der Prämisse, dass die Kammer von einer Täterschaft meines Mandanten ausgeht“, so Raich. Daniel E. hatte die Bluttat am Montag wortreich komplett abgestritten. „Ich bin aber nicht das reine Sprachrohr meines Mandanten“, meinte Raich.

Er räumte ein, Daniel E. habe sicher eine „dissoziale Ader“. „Vieles deutet auch darauf hin, dass er für den Tod von Katharina K. verantwortlich ist.“ Gegen eine geplante Tat spreche aber einiges – zum Beispiel der Tatort: „Es wäre sehr unklug gewesen, in der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, mit den beiden Kindern nebenan, einen Mord zu begehen.“

> Lesen Sie hier eine Zusammenfassung des Mordfalls Katharina K. <

Die aufwendige Aktion von Daniel E., der die Leiche der jungen Frau erst in einem Gartengrundstück bei Eglosheim verbrannt und am darauffolgenden Morgen in einem Schrebergarten bei Asperg abgelegt haben soll, halte er ebenfalls eher für kopflos als für geplant. „Auch Herr E. hat sicher gewusst, dass ein Komposthaufen ab und zu umgeschichtet werden muss und die Leiche dann entdeckt wird“, sagte der Anwalt.

Die Staatsanwaltschaft hatte zu Beginn des Prozesses einen Sorgerechtsstreit als Tatmotiv vermutet. „Herr E. ist aber intelligent – er wusste, dass er das Sorgerecht nicht durch einen Mord erlangen kann“, sagte dessen Anwalt. „Ich gehe eher davon aus, dass es an dem Abend einen Streit zwischen den beiden gab – Konfliktpunkte gab es in der Beziehung ja genug“, so Raich. Er nehme an, dass Katharina K. seinem Mandanten gedroht habe, er dürfe das gemeinsame, elf Monate alte Kind nicht mehr sehen. „Da hat der Angeklagte die Kontrolle verloren und begann in seiner Wut, sie zu würgen.“ Raich beantragte ein Strafmaß von weniger als zehn Jahren.

Hatte der Mörder von Katharina K. Helfer?

Das Urteil im Mordfall Katharina K. wird am 13. Dezember erwartet. Trotz umfassender Beweise sind im Lauf des Verfahrens mehrere Punkte ungeklärt geblieben. Der wichtigste ist die Frage, ob der mutmaßliche Mörder Helfer hatte. E. soll die Leiche der rund 70 Kilogramm schweren Frau in einen Teppich gewickelt, sie in den Keller des Mehrfamilienhauses in Backnang-Strümpfelbach geschafft und dort vorübergehend in einer Mülltonne versteckt haben.

Ein Anwalt der Nebenklage ist überzeugt: E.s beste Freundin aus Großbottwar hat ihm dabei geholfen. Die 27-Jährige war nachgewiesenermaßen am 8. November 2017 gegen 22 Uhr – unmittelbar nachdem sich das Verbrechen ereignet haben muss – nach Strümpfelbach gefahren. Angeblich, um E. einen Schlüssel zu bringen, nach dem er verlangt hatte. Trotz massiver Anschuldigungen der Staatsanwältin hatte die Frau, die sich selbst als psychisch labil bezeichnet, völlig in Tränen aufgelöst eine Beteiligung abgestritten. Auch E.s Verteidiger vermutet, dass sein Mandant Hilfe gehabt haben muss. Er glaubt jedoch nicht daran, dass dies die 27-Jährige gewesen sein könnte: „Dazu hätte sie nicht die Nerven.“

Verschollene Beweismittel und rätselhafte DNA-Spuren

In diesem Zusammenhang interessant: Am Leichenfundort und an einer Plastikplane, in die die Tote gewickelt wurde, fanden die Ermittler DNA-Mischspuren zweier unbekannter Personen. Diese genetischen Fingerabdrücke konnten keinem in einer Datenbank verzeichneten Straftäter, keinem beteiligten Polizisten und keinem Zeugen zugeordnet werden. Die Auswertung von Handydaten hatte aber keine Hinweise darauf ergeben, dass E. Komplizen gehabt haben könnte.

Mehrere wichtige Beweismittel konnten die Ermittler nie auftreiben. Die Altpapiertonne, in der die Leiche in einen Transporter geladen und zum Verbrennungsort gefahren worden sein soll, bleibt bis heute verschwunden. Auch ein mysteriöser Anhänger ist nie aufgetaucht – diesen soll E. benutzt haben, als er die Reste der in Eglosheim in Brand gesteckten Leiche nach Asperg transportiert hat. Auf diese Weise, so vermuten die Ermittler, hatte der heute 25-Jährige verhindern wollen, dass in seinem Geländewagen Spuren gefunden werden.




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