Katholiken auf den Fildern Weggang des Priesters löst gemischte Gefühle aus

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Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, verliert die katholische Großgemeinde auf den Fildern in Stuttgart ihren Priester nach nur drei Jahren. Stefan Karbach sieht in einer anderen Stelle eine persönliche Chance. Nun äußern sich die Kirchengemeinderäte zu der Entscheidung.

Der Priester Stefan Karbach will sich einen persönlichen Traum erfüllen. Foto: factum/Granville
Der Priester Stefan Karbach will sich einen persönlichen Traum erfüllen. Foto: factum/Granville

Filder - Nach der schockierenden Nachricht, dass die katholischen Filder-Gemeinden nach nur drei Jahren ihren Pfarrer verlieren, reagieren die zweiten Vorsitzenden der Kirchengemeinderäte nun mit einer gemeinsamen Erklärung an die Gemeinden. Zur Erinnerung: Wie am Sonntag bekannt wurde, wird Stefan Karbach die Großgemeinde aus Degerloch, Sillenbuch, Heumaden und Hohenheim zum November 2019 hin verlassen. Er will sich einen persönlichen Traum erfüllen und zusammen mit einer zweiten Person die Leitung des neuen Spirituellen Zentrums in Stuttgart-West übernehmen.

„Wir fühlen uns im Stich gelassen“

Die zweiten Vorsitzenden der vier Kirchengemeinderäte lassen die insgesamt 14 000 Katholiken auf den Fildern wissen, dass sie Karbachs Beweggründe zwar verstehen, sie sich jedoch „aktuell im Stich gelassen fühlen und nicht richtig wissen, wie es weitergehen wird.“ So formulieren es Rosa Braun (Heumaden), Christiane Reim (Hohenheim), Bernhard Bayer (Degerloch) und Christoph Nowag (Sillenbuch). Die Zeit der Vakanz sei ihnen „leider bekannt“.

Seit rund zehn Jahren ist personell gesehen der Wurm drin. Vor allem in den beiden Gemeinden Heumaden und Sillenbuch will keine Ruhe einkehren, seit der langjährige Augustinerpater Gottfried 2009 in den Ruhestand gegangen ist. Länger als drei Jahre ist bisher kein Pfarrer mehr geblieben. Seit 2015 gibt es die Großgemeinde, vorher bildeten Heumaden und Sillenbuch mit Kemnat und Ruit eine Einheit.

In Stuttgart findet man Priester noch recht einfach

„Wir hätten es gerne anders gehabt“, sagt Christoph Nowag gegenüber unserer Zeitung. „Wir wären gerne miteinander alt geworden.“ Nowag stellt aber klar: „Das Ganze ist weit weg von einer Katastrophe.“ Er sieht zwar mehr Arbeit auf die Ehrenamtlichen zukommen, „aber davor ist mir nicht bange. Wir vereinen viel Kompetenz und Einsatzwillen“. Der Sillenbucher mutmaßt, dass sich Gemeinden aufgrund des allgemeinen Priestermangels in Zukunft eh stärker selbst organisieren müssen.

Nicole Höfle, Sprecherin des katholischen Stadtdekanats, ist optimistisch, dass sich auf die Stellenausschreibung, die diese Woche veröffentlicht werden soll, bald jemand meldet. In Stuttgart sei es vergleichsweise einfach, Priester zu finden, sagt sie.

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