Katholiken in Stuttgart Kirche wird zu Buchladen umgebaut

Von Lisa Wazulin 

Die Kirche Sankt Stefan im Stuttgarter Westen gibt es nur noch bis zum Jahresende. Damit ist sie eine der ersten, die zu einem Buchladen mit sakralem Charakter umgebaut wird.

Bald kein geweihter Ort mehr: Die Sankt Stefan Kirche im Westen. Foto: Lg/Zweygarth
Bald kein geweihter Ort mehr: Die Sankt Stefan Kirche im Westen. Foto: Lg/Zweygarth

Stuttgart - Flauschige Plüschbären, Brettspiele und zig Kinderbücher werden sich wohl schon bald auf Regalen in der St. Stefan Kirche im Stuttgarter Westen tummeln. Denn längst ist der Umbau der mehr als 40 Jahre alten Kirche beschlossene Sache: Weil sich in das Gotteshaus mit seinen 120 Plätzen in den letzten drei Jahren nur noch wenige gläubige ­Katholiken verirrt haben, wird die Kirche nun profaniert und zu einer Buchhandlung umgebaut.

„Auch wenn der Abschied schwer fällt, wir freuen uns, dass Sankt Stefan zu einem Ort wird für Literatur und Begegnung für Familien“, erklärt Werner Laub. Der leitende Pfarrer der katholischen Gemeinde im Stuttgarter Westen wird am 30. Dezember um 14 Uhr mit einem sogenannten Profanierungsgottesdienst die Kirche Sankt Stefan freigeben für den Einzug der Buchhandlung „Buch und Spiel“, die im März 2018 dort eröffnet werden soll.

Inhaberin Marie-Luise Zeuch will ihren Laden zu einem Begegnungszentrum aufbauen und so den Stadtteil neu beleben. Eine enge Kooperation mit dem Kinderhaus und Familienzentrum Sankt Stefan ist geplant. „Ich möchte die Kirchentür weit öffnen und Menschen begrüßen, die Ruhe suchen oder die nur ein bisschen Stöbern wollen“, erklärt Zeuch. Die Lektorin will vor allem den religiösen Charakter der Kirche erhalten und die sakralen Gegenstände wie Altar, Ambo und Tabernakel respektvoll integrieren. „Unsere Gemeinde kennt Frau Zeuch gut und freut sich über ihren Einzug“,erklärt Pfarrer Laub, der mit seiner Gemeinde bereits plant, ab Mai dort auch Buchlesungen zu veranstalten.

Als Filialkirche von St. Elisabeth eröffnet

St. Stefan ist 1976 als Filialkirche von Sankt Elisabeth eröffnet worden und sollte damals die größte katholische Gemeinde in Stuttgart, die heute noch 8600 Mitglieder zählt, entlasten. Allerdings hat auch in Stuttgart die Katholische Kirche mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen – was sich in den 42 Gemeinden bemerkbar macht. Schon vor drei Jahren hatte deshalb der Kirchengemeinderat von St. Elisabeth beschlossen, in St. Stefan keine Gottesdienste mehr zu feiern.

Damit ist Kirche schon die dritte ihrer Art in Stuttgart, die wegen zu geringer Nutzung geschlossen oder umgebaut wird: Zuletzt wurde die Palotti-Kirche in Stuttgart-Birkach im Oktober 2017 profaniert. Sie soll einem Bauprojekt des Siedlungswerks weichen. Im vergangenen Jahr im Mai wurde die sanierungsbedürftige Kirche Sankt Peter in Bad Cannstatt abgerissen und an ihrer Stelle eine neue Kirche gebaut.

„Wir haben angesichts der demografischen Entwicklung vor sieben Jahren damit begonnen, in großer solidarischer Gemeinschaft alle kirchlichen Standorte zu begutachten und zu bewerten“, sagt der ­katholische Stadtdekan Christian Hermes. Die geschlossenen Kirchen sind Teil des bereits 2011 begonnenen Projekts „Aufbrechen“: Darin sollen zwanzig kirchliche Standorte in Einzelprojekten weiterentwickelt werden. „Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir im Vergleich zu anderen Diözesen an keinem einzigen Standort einfach zumachen, Immobilien veräußern und die Kirche verschwindet“, so Hermes. Im Stuttgarter Westen entsteht bis 2019 ein Spirituelles Zentrum in der Kirche St. Fidelis, im Osten soll die Nikolauskirche zu einer Jugend- und Gemeindekirche umgebaut werden und auch für die Marienkirche im Süden ist ein Umbau geplant.

Sonderthemen