Katholiken und Protestanten Kirchen schmieden Klimabündnis

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Die großen christlichen Kirchen in Baden-Württemberg machen gemeinsame Sache beim Ringen um den Klimaschutz. Geplant sind eine Geschäftsstelle sowie neue Impulse zur Energieeinsparung.

Die Kirchen wollen aktiv zum Klimaschutz beitragen – etwa durch Solardächer. Foto: dpa
Die Kirchen wollen aktiv zum Klimaschutz beitragen – etwa durch Solardächer. Foto: dpa

Stuttgart - Mit ihren sieben Millionen Gläubigen und einem großen Gebäudebestand (allein 6000 Kirchen) bilden die großen christlichen Kirchen in Baden-Württemberg einen gewichtigen Faktor – auch in Energiefragen. Am Montag haben Vertreter der Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg sowie der Diözesen Rottenburg und der Erzdiözese Freiburg vor der Presse in Stuttgart ihr „Bündnis für Klimagerechtigkeit“ vorgestellt. Sowohl in technischen als auch energiepolitischen Fragen wollen die vier Kirchen künftig enger zusammenarbeiten. Klimaschutzpläne und Energiebeauftragte haben die Kirchen schon lange. Eine Delegationsreise zur Pariser Weltklimakonferenz 2105 gab laut Oberkirchenrat Matthias Kreplin aus Baden den Impuls, den Schulterschluss zu suchen: „Wir verstehen unsere Bemühungen um Klimaschutz auch als eine Frage der Klimagerechtigkeit.“

So seien einige Regionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas bereits Opfer des Klimawandels – Erdrutsche in Liberia und Indonesien nach sintflutartigen Regenfällen sind Beispiele dafür. Kreplin und andere erwähnten lobend die Umweltenzyklika „Laudato si – über die Sorge für das gemeinsame Haus“ von Papst Franziskus, die den Einsatz für den Klimaschutz fordert.

Der Blickwinkel gen Süden hat sich verändert

Man benötige einen „Blickwechsel in der globalen Solidarität“, sagte Detlef Stäps, Domkapitular aus Rottenburg. „Stand früher die Hilfe der Kirchen im reichen Norden für die bedürftigen im Süden im Vordergrund, sind wir nun gemeinsam betroffen.“ Nach außen hin wollen die Kirchen Forderungen an die Politik formulieren, etwa die zugesagten Kompensationszahlungen für vom Klimawandel betroffene Gegenden auch zu gewährleisten. Nach innen wollen sie mehr tun, um den lokalen Klimaschutz durch Kohlendioxideinsparung zu stärken und das Umweltbewusstsein in den Gemeinden zu schärfen. „Wir wollen als Kirchen gemeinsam vorbildlich handeln“, sagte Ulrich Heckel von der Evangelischen Kirche in Württemberg.

Die neue Geschäftsstelle ist klein, hat nur eine 25-Prozent-Planstelle

Sichtbar wird die künftige Zusammenarbeit in einer neuen Geschäftsstelle, die aber nur eine 25-Prozent-Planstelle erhält und deren Standort noch offen ist. Die relativ knappe Personalausstattung wird damit begründet, dass ja schon Strukturen zur Kooperation da seien. Und schon heute gibt es eine Zusammenarbeit, etwa bei der 2008 gegründeten Gesellschaft für Energieversorgung der kirchlichen und sozialen Einrichtungen, die seit 2011 nur noch Strom aus Wasserkraft anbietet. Man wolle voneinander lernen und gemeinsam Projekte entwickeln, sagte Benedikt Schalk, Umweltreferent der Diözese Freiburg, in deren Kirchengemeinden der Energieverbrauch von 2006 bis 2014 um 28,5 Prozent zurückgefahren worden ist: „Wir fangen ja nicht bei null an.“ Überlegt wird von allen vier Kirchen, ob das Freiburger Projekt „Elektrisch mobil“ – bei dem Elektrofahrzeuge im Dienst der Diakoniestationen und der Kirche im Einsatz sind – ausgeweitet wird. „Wir könnten vielleicht gemeinsam mit dem Land an Kirchen Stromtankstellen bereitstellen“, sagte Schalk. Erwogen wird auch, Einkäufe der Kirchen zu bündeln. Die fairen Einkaufsplattformen Wir-kaufen-anders.de oder Fair.nah.logisch.de könnten dabei behilflich sein. Geplant ist die Gründung eines Rates für Klimagerechtigkeit sowie jährlich eine Fachtagung.

Die hiesigen Kirchen sind mit ihrem Klimaengagement nicht allein: Selbst in Indien gibt es längst Umweltinitiativen, wie der Priester und Physiker George Pitapillil am Beispiel des 1996 in Kerala eröffneten Zentrums für erneuerbare Energien (Mithradam) erläuterte. Auf drei Hektar wird nachhaltig gewirtschaftet. Wichtiger sei das Trainingszentrum für ökologische Fragen. Man erreiche Hunderte von Schulen, sagt Pitapillil: „Verstöße gegen das Klima sind eine Sünde.“ Unterstützt wird Mithradam von der Diözese Rottenburg.