Katholische Bischöfe Tiefe Gräben teilen die Kirche

Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, muss den schwierigen Reformprozess der katholischen Kirche moderieren. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Die katholische Kirche befindet sich Deutschland in der Krise. Doch ihre Bischöfe schaffen es nicht, sich auf einen gemeinsamen Weg zu einigen, der wieder Vertrauen schafft, kritisiert Paul Kreiner.

Fulda - Sexuellen Missbrauch durch Kleriker – Vergewaltigung junger Gläubiger an Körper und Seele – hat es rund um den Globus gegeben, und es gibt ihn immer noch. Aber allein die Bischöfe in Deutschland trauen sich bisher, jenseits der Fragen nach individueller Schuld darüber zu diskutieren, wie das „System Kirche“ als solches derartige Taten begünstigt. Sie wollen das auch nicht nur unter sich tun, sondern die im katholischen Sprachgebrauch sogenannten Laien auf einen „gemeinsamen Weg“ mitnehmen. Papst Franziskus, der einen Brief an das ganze „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ geschrieben hat – nicht nur an seine geistlichen Amtsbrüder – scheint diesen Kurs zu bestärken.

 

Das ehrt das die Bischöfe in Deutschland. Aber ihr Wagemut ist nicht so weit gegangen, dass sie den „gemeinsamen Weg“ in den wörtlich gleichbedeutenden Fachbegriff Synode gekleidet hätten. Synode, das ist ein kirchenrechtlich klar definierter Vorgang. Eine Synode könnte Beschlüsse fassen. Der „synodale Weg“ hingegen, den die Bischöfe jetzt mit einem eigens erfundenen Begriff einschlagen wollen – was kann der? Er soll lediglich so aussehen, als meinte er eine Synode. Man streut Reformdränglern Sand in die Augen und versucht, die Reformbremser in Deutschland und der römischen Kurie einzulullen: Wird alles nicht so schlimm; so ernst meinen wir es gar nicht. Und dann wundert man sich, dass der Vatikan verärgert ist über eine kirchenrechtlich unfassbare, unberechenbare Veranstaltung, die schon in der Bezeichnung einen „deutschen Sonderweg“ signalisiert, wie ihn Rom immer schon befürchtet.

Laien dürfen nicht mitbestimmen

Natürlich – es muss geredet werden. Die katholische Kirche hierzulande wird in wenigen Jahren, sowohl aus hausgemachten Gründen wie aus Veränderungen in der Gesellschaft, nur mehr halb so viele Mitglieder haben wie heute. Mit ihrer immer stärker schwindenden Zahl von Priestern macht sie es den Gläubigen, die das überhaupt noch wollen, unmöglich, die eigenen Gebote zu befolgen: den Besuch der Sonntagsmesse. Geistig-geistlich heimelige Pfarreien sind längst zu riesigen, seelenlosen Seelsorgeeinheiten zusammengekleistert, und jeder Bischof macht das auf seine eigene Weise. Laien, die in der katholischen Kirche bisher zweitrangig waren und sind, sollen auf einmal die Verantwortung tragen dafür, dass das Leben überhaupt weitergeht. Aber mitbestimmen dürfen sie nach römischem Verständnis noch lange nicht. Frauen schon gleich gar nicht.

Auch die deutschen Bischöfe beteiligen die Laien nur halbherzig. Auf dem „synodalen Weg“ sollen sie zwar gleiche Stimmrechte haben wie die Kleriker, aber bisher haben die Veranstalter – die Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken – die Teilnehmer an den Vorbereitungsgruppen nach geheimen Kriterien im stillen Kämmerlein ausgewählt. Vertrauen schafft das nicht.

Keine klaren Zeichen des Papstes

Mittlerweile gibt es genug Revolutionspotenzial in den eigenen Reihen, etwa wenn Ordensschwestern auf einmal nach der Priesterweihe für Frauen rufen. Wenn konservative Bischöfe um Woelki (Köln) und Voderholzer (Regensburg) polemisieren, auf dem „synodalen Weg“ sei „auf Druck der öffentlichen Meinung“ das katholische Glaubensgut in Gefahr, dann meinen sie dies auch so. Und das zeigt, welch tiefe Gräben sogar das Innerste der Kirche durchziehen.

Vieles wäre leichter, hätte Papst Franziskus seine Impulse für eine „heilsame Dezentralisierung“ der Kirche in konkrete Regeln gegossen. So aber bleibt der Konflikt zwischen jenen Leuten, die nicht wissen, wie sehr sie wirklich auf Franziskus zählen können, und den anderen, die den Unbequemen einfach nur aussitzen wollen bis auf Weiteres nur: Getöse.

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