Katholische Bischofskonferenz Wie viel Klarheit der Rede ist gewünscht?

Dazu gehört seit der franziskanischen Wende auch die Ehrlichkeit in der Wahrnehmung kirchlicher Realitäten und die Klarheit der Rede. Da gibt es Bischöfe wie den Essener Franz-Josef Overbeck (49), der schon geraume Zeit sagt, er nehme nach innen und außen kein Blatt mehr vor den Mund. Ob er damit in Münster reüssiert, ist fraglich. Als der Trierer Stephan Ackermann (50) jüngst laut über Änderungen der Sexualmoral nachdachte, hagelte es Protest von rechts. Die beiden Youngster wären also eher Überraschungssieger.

Geborene Aspiranten gibt es zwei: Rainer Woelki (Berlin) und Reinhard Marx (München). Als Kardinäle stehen sie hierarchisch deutlich über ihren Mitbrüdern, haben in Rom ganz anderes Gewicht. Für Woelki spricht, dass er für alle Seiten anschlussfähig ist. In Fragen der Lehre vertritt er die orthodoxe Linie, zeigt sich aber pastoral offen – etwa im Umgang mit Homosexuellen – und pflegt einen betont schlichten Lebensstil. Woelkis Predigt vor seinen Mitbrüdern am Dienstag wurde aufmerksam registriert: Zwar fuhr der 57-Jährige in der Sache scharfe Kante gegen die Sterbehilfe, argumentierte aber betont einfühlsam und so gar nicht von oben herab aus der Warte des Sittenwächters und Moralapostels. Eine Bewerbungsrede? Woelki sagt zwar, er wolle den Vorsitz nicht. Aber ablehnen? Nein, ablehnen würde er ihn auch nicht.

Ist Kardinal Marx bereits zu einflussreich?

Genau wie der machtbewusste, politisch denkende Marx. Seine Chancen sind zuletzt etwas gesunken – paradoxerweise durch Bedeutungszuwachs: Der Papst machte ihn zum Koordinator des neuen „Wirtschaftsrates“, einer Art Finanzministerium im Vatikan. Marx gehört auch zu den acht Kardinälen im K-8-Beraterkreis des Papstes. Hinzu kommt der Vorsitz in der Kommission Comece der EU-Bischofskonferenzen. Ämterhäufung, Überlastung, Höhenflug: Manchem Bischof ist das alles ein bisschen viel.

So sind noch andere Namen zu hören: Franz-Josef Bode aus Osnabrück, Chef der Pastoralkommission, ein moderater, weltoffener und womöglich zu liberaler Mann. Oder Felix Genn aus Münster, der durch Mitgliedschaft in der Bischofskongregation den Fuß im römischen Machtzentrum hat. Unterstützer sehen in ihm einen tief spirituellen, ausgleichenden Mann, der Strukturreformen nicht scheut. Aus seinem früheren Bistum Essen werden indes Bedenken laut: Genn sei ein zögerlicher, ja ängstlicher Charakter und ohne starken zweiten Mann – wie den Generalvikar – kaum aktionsfähig. Auf ein solches „Alter Ego“ könnte er sich aber als Vorsitzender nur bedingt stützen. Kollegial handeln müssen, einsam sein - das ist unter Bischöfen zuweilen das Los des Amts.




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