Katholische Gemeinde Heumaden Abschied aus Sorge

Die Kirchensanierung (hier 2007) ist auch Volker Lindemanns Verdienst. Foto: Sägesser
Die Kirchensanierung (hier 2007) ist auch Volker Lindemanns Verdienst. Foto: Sägesser

Volker Lindemann war ein beliebter Kirchengemeinderat in Sankt Thomas Morus. Er hat Ende Juli allerdings aufgehört, weil er nicht anders konnte.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)
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Heumaden - Irgendwann waren die Zweifel einfach zu groß. Deshalb konnte Volker Lindemann nicht mehr weitermachen. Ende Juli hat er nach elf Jahren sein Amt als zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats von Sankt Thomas Morus aufgegeben. „Die Entscheidung ist nicht von heute auf morgen gefallen“, sagt er. Es hat gedauert, bis er sich selbst eingestanden hat, dass es für ihnen keinen anderen Weg gibt.

Volker Lindemann sorgt sich über den Kurs seiner Kirche. Es bereitet dem 49-jährigen Heumadener Kopfzerbrechen, dass in jüngerer Zeit vorrangig über Kosten und Sparen gesprochen wird. „Kirchen sollten einen anderen Mittelpunkt haben“, sagt er. Nämlich die Menschen. Lindemann schwant nichts Gutes, wenn er hört, was die Kirchenoberen über die Zukunft sagen. Langfristig fürchtet er um die Eigenständigkeit der Heumadener Gemeinde.

„Aus meiner Erfahrung weiß ich, wie solche Veränderungsprozesse ausgehen können“, sagt er. Und er möchte nicht derjenige sein, der anderen erklären muss, was er selbst nicht gutheißt. Lindemann will sich richtig verstanden wissen. Er sagt, er habe nichts gegen die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. Im Gegenteil, das geschehe ja längst. So veranstalten die Heumadener Katholiken ihr Fronleichnamsfest gemeinsam mit den Sillenbuchern, und die Kemnater besorgen alle Jahre wieder die Weihnachtsbäume für die ganze Seelsorgeeinheit. Dazu zählen Sillenbuch, Heumaden, Kemnat und Ruit. „Das Problem ist, wenn so etwas von außen übergestülpt wird und nicht von der Basis kommt“, erklärt Volker Lindemann. „Das geht meistens in die Hose.“

Der 49-Jährige ist kein Typ, der solche Zweifel einfach zur Seite schieben kann. Zumal er über die Jahre „mit der Gemeinde verwachsen“ ist, wie er sagt. Zu seinen Verdiensten gehört, dass die Kirche vor fünf Jahren renoviert worden ist. Dies hat sicher dazu beigetragen, dass Lindemann schnell zum beliebtesten Kirchengemeinderat geworden ist. Bei den vergangenen beiden Wahlen hat er die meisten Stimmen aller Kandidaten auf sich vereint. Sein Job hieß zwar korrekt zweiter Vorsitzender. In Zeiten, in denen sich mehrere Gemeinden einen Pfarrer teilen, sind die zweiten in Wahrheit aber die ersten Ansprechpartner.

Was Volker Lindemann für Sankt Thomas Morus getan hat, hat der Diplom-Ingenieur nach Feierabend erledigt. Wenig war es nicht. In letzter Zeit war es sogar zu viel – dafür, dass er nicht hinter dem eingeschlagenen Weg der Kirchenoberen steht. Sein Nachfolger soll im Laufe des Septembers gewählt werden.




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