Katholische Kirche Rottenburgs Bischof: Reform kommt

Gebhard Fürst kündigt konkrete Fortschritte an. Foto: picture alliance/dpa/Marijan Murat

Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst betont die Erfolge des Reformprojekts Synodaler Weg. Für die Diözese verspricht er konkrete Modernisierungen: So sollen Laien künftig die Taufe spenden dürfen.

Bischof Gebhard Fürst will die Kirchenbasis an der Wahl seines Nachfolgers beteiligen. Auch andere Reformen des Synodalen Wegs sollen in der Diözese kommen.

 

Herr Fürst, bei der vergangenen Versammlung des Synodalen Wegs schien das Reformprojekt am Ende, als ein Grundlagenpapier zur Sexualmoral die nötige Zweidrittelmehrheit der Bischöfe verfehlte. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Das Reformprojekt Synodaler Weg ist keineswegs am Ende. Im März 2023 folgt noch eine Abschlussversammlung. Dort werden weitere wichtige Reformtexte verabschiedet. Allerdings ist es tatsächlich beim letzten Treffen zu einem Eklat gekommen. Das war ein echtes Desaster. Danach haben wir uns aber wieder zusammengesetzt, das Ganze aufgearbeitet und gemeinsam noch wichtige Beschlüsse etwa zur Gleichberechtigung der Frau in der Kirche gefasst. Sie wissen, dass ich mich in dieser Frage seit Langem für das sakramentale Amt der Diakonin einsetze.

War das Desaster zu verhindern?

Niemand hat es kommen sehen. Wir alle sind von dem Abstimmungsergebnis überrascht worden. Es wäre besser gewesen, wir Bischöfe hätten vorher unter uns die Mehrheitsverhältnisse geklärt. Dann hätte sich in einer dritten Lesung vermutlich ein überarbeiteter Text retten lassen. Für die Abstimmungen in der Vollversammlung im nächsten Frühjahr haben wir aus diesem Eklat gelernt.

Die Außenwirkung war fatal. Queere Menschen reagierten wütend und enttäuscht. Kirchliche Amtsträger übten massive Kritik. Wie gehen Sie damit um?

In der hitzigen Debatte danach gab es manche Wortmeldungen, die zu einem gemeinsamen Synodalen Weg nicht passen. Wer die Übertragung im Internet verfolgt hat, wird selbst beurteilen können, welche nicht nur für mich inakzeptablen Beiträge ich meine. Ich habe da noch mit einigen zu reden…

Viele Gläubige hoffen auch, dass mit der Diskriminierung etwa von Homosexuellen im kirchlichen Arbeitsrecht bald Schluss ist. Ist die Hoffnung erledigt?

Um diese Frage der Ausgestaltung des kirchlichen Arbeitsrechtes wird es in der Bischofskonferenz sicher noch Diskussionen geben. Ich werde mich aber intensiv auf allen Ebenen für eine Reform einsetzen, nach der die persönliche Lebensführung in aller Regel kein Einstellungshindernis mehr sein soll. Beim Synodalen Weg ist ja auch ein Text zur Neubewertung der Homosexualität beschlossen worden. In dem Zusammenhang möchte ich, dass wir in den Gemeinden eine Zeichenhandlung dafür finden, dass die Liebe Gottes allen Menschen gilt – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung.

Meinen Sie die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren?

Die noch zu findende gottesdienstliche Begleitung darf in jedem Fall nicht verwechselbar sein mit der sakramentalen Eheschließung zwischen Mann und Frau.

Wie wollen Sie sonst Vertrauen wieder zurückgewinnen?

Die Strukturen und auch das Gebaren mancher Amtsträger der Kirche müssen sich verändern. Das beste Mittel gegen den Glaubwürdigkeitsverlust ist aber, den Menschen in ihren Sorgen und Nöten nahe zu sein und die christliche Botschaft vom Heil für alle Menschen zu verkünden.

Und der Synodale Weg?

In der Abschlussversammlung werden wir hoffentlich weitere wichtige Texte verabschieden, zum Beispiel zur Öffnung des Priesteramts für Verheiratete. Wenn die meisten Beschlüsse auf diesem Weg gefasst werden, wird man nicht mehr von einem Scheitern reden können.

Was ändert sich dann in der Diözese Rottenburg-Stuttgart?

Was jetzt schon zur Neustrukturierung in den Diözesen verabschiedet wurde, kann jeder Bischof sofort umsetzen, ohne in Rom Genehmigungen einzuholen. Vieles davon ist bei uns schon verwirklicht. Wir sind in der Verfassung unserer Ortskirche seit 50 Jahren weit vorangekommen in Richtung einer „Ecclesia Synodale“, wie Papst Franziskus dies anstrebt. Es steht aber zum Beispiel noch die Frage an, wie die Beteiligung der Gläubigen an der Wahl eines neuen Bischofs gewährleistet werden kann. Das Domkapitel beschäftigt sich bereits mit diesem Thema.

Die Gefahr eines römischen Vetos ist aber hier wie bei anderen Reformen hoch. Welche haben eine echte Chance?

Ich halte es für realistisch, dass Rom das Diakonat der Frau ermöglicht. Allerdings bedarf es da bei uns einer gewissen Klugheit. Gleich im ersten Schritt auch das Priesteramt für die Frau zu fordern, halte ich nicht für sinnvoll. In unserer Diözese wird es ferner bald erlaubt sein, dass nicht geweihte Christinnen und Christen – Frauen und Männer, Gemeinde- und Pastoralreferentinnen – die Taufe spenden können. Dafür braucht es natürlich die entsprechende Fortbildung und eine bischöfliche Beauftragung.

Was haben Sie sich sonst noch für Ihr letztes Amtsjahr 2023 vorgenommen?

Ich möchte noch mehr Frauen in Leitungspositionen bringen, vor allem an der Spitze der Hauptabteilungen – quasi unsere „Ministerien“ – im Bischöflichen Ordinariat. Wenn ich die selbstgesetzten Ziele erreiche, werden zum Ende meiner Amtszeit mehr als ein Drittel der Stellen in der obersten Führungsebene von Frauen besetzt sein. Zu Beginn des nächsten Jahres wird ferner eine Beratungsstelle zur Geschlechterdiversität eingerichtet werden. Und natürlich geht die Aufarbeitung des Missbrauchs weiter. Auch das ist mit der Prävention ein wichtiger Beitrag zur Erneuerung unserer Kirche.

Der frühere Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat gerade massive Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen eingeräumt. Hat Sie das erschreckt?

Nein, ich halte es vielmehr für richtig, dass Zollitsch endlich zu seinen schweren Verfehlungen und zu seiner Schuld steht.

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