Katholische Kirchengemeinden Möhringen Eine gute Partnerschaft, aber keine Fusion

Von atz 

Die Kirchengemeinden St. Ulrich und St. Hedwig bleiben selbstständig. Die geplante Fusion der katholischen Gemeinden im Fasanenhof und in Möhringen ist kurz vor der Umsetzung geplatzt.

Die Meinungen über die geplatzte Fusion gehen in den  katholischen Kirchengemeinderäten von St. Ulrich (links) und St. Hedwig zum Teil weit auseinander. Foto: Alexandra Kratz/Achim Zweygarth
Die Meinungen über die geplatzte Fusion gehen in den katholischen Kirchengemeinderäten von St. Ulrich (links) und St. Hedwig zum Teil weit auseinander. Foto: Alexandra Kratz/Achim Zweygarth

Möhringen - Eigentlich war schon alles so gut wie in trockenen Tüchern. Sogar der Name stand bereits fest. Katholische Kirchengemeinde St. Hedwig und St. Ulrich sollte die neue Gemeinde heißen. Doch dann ruderte der Kirchengemeinderat (KGR) von St. Ulrich zurück. Er votierte vor einigen Montane gegen die Fusion, auf die beide Gemeinden lange Zeit hingearbeitet hatten.

Hintergrund ist das Projekt Aufbrechen des Stadtdekanats Stuttgart. Dieses widmet sich unter anderem der Frage, ob die große Anzahl an Gemeinden noch erforderlich ist, um den Auftrag der katholischen Kirche zu erfüllen. Die Antwort lautet: nein. Darum sollen unterhalb der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart zwölf kleinere Gesamtkirchengemeinden gebildet werden. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen können die Gemeinden fusionieren. Zum anderen können sich Gemeinden zunächst einmal nur auf der Verwaltungsebene zusammenschließen.

„Am Anfang hatte man den Eindruck, dass die Fusion erwünscht ist, und dass, wer nicht fusioniert, auf der Strecke bleibt“, sagt Johann Schwanck, der Zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats von St. Ulrich. Doch dann sei dem Bischof dieser Prozess zu schnell gegangen. In einem Schreiben vom 17. Oktober sicherte er zu, dass die 46 Kirchengemeinden in Stuttgart zunächst als rechtliche und pastorale Organisationseinheiten bestehen bleiben können. Vielleicht war das der Strohhalm, nach dem die Mitglieder des Kirchengemeinderats von St. Ulrich gesucht hatten. Jedenfalls war es für sie der Anlass, den bereits in Gang gebrachten Fusionsprozess vorerst zu stoppen. „Wir im Kirchengemeinderat St. Ulrich sind übereingekommen, dass wir nicht gewählt wurden, um unsere Gemeinde ohne Not aufzulösen“, sagt Schwanck.

Als Seelsorgeeinheit weiterhin zusammenarbeiten

Für die beiden Gemeinden bedeutet das, dass sie zunächst selbstständig bleiben. „Wir wissen, dass wir die St.-Hedwig-Gemeinde enttäuscht haben“, sagt Schwanck. Man habe die Fusion mit der Hoffnung abgelehnt, dass beide Gemeinden auch weiterhin erfolgreich als Seelsorgeeinheit zusammenarbeiten. Schwanck betont auch, dass St. Hedwig in den Verhandlungen über eine Fusion immer „ein guter Partner“ war. „Wir wurden gut behandelt. Alles was uns wichtig war, wurde uns zugesichert“, sagt der stellvertretende Vorsitzende im KGR.

Die wichtigste Frage für die Menschen auf dem Fasanenhof war, ob es in St. Ulrich auch künftig Gottesdienste geben wird. Doch das stand nie zur Debatte. Über diese Frage hinaus hätten sich nur wenige Menschen für die geplante Kirchenfusion interessiert, gibt Schwanck zu. Einigkeit zwischen den beiden Kirchengemeinderäten herrschte auch darüber, dass das Vermögen von St. Ulrich auch nach einer Fusion im Stadtteil Fasanenhof bleibt. Und es sollte ein gemeinsames Gremium geben, das nach einem Proporzsystem mit Gemeindemitgliedern aus Möhringen und vom Fasanenhof besetzt worden wäre. Dennoch habe man die Vorteile einer Fusion nicht gesehen, sagt Schwanck.

Franz-Xaver Friedel, der Zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats von St. Hedwig, sieht es anders. „Es wäre effektiver gewesen, wenn wir Nägel mit Köpfen gemacht hätten.“ Die Fusion entspreche schon der Realität: Die ehrenamtlichen Helfer bei der Erstkommunion und der Firmung beispielsweise seien bereits fast ausschließlich Gemeindemitglieder von St. Hedwig. Das solle kein Vorwurf sein, betont Friedel, sondern sei schlicht demografisch bedingt.

Sinnvoll für die Zukunft aufstellen

Pfarrer Heiko Merkelbach sieht es ähnlich. Er spricht von unnötigen Doppelstrukturen. So gebe es freilich einen gemeinsamen Ausschuss. Dieser sei aber nur ein beratendes Gremium und könne nichts entscheiden. Das bedeute, dass die Mitglieder die Beratungsergebnisse wieder in ihre Gemeinden tragen müssen, wo dann das Votum fällt – oder auch nicht. „Das hemmt den Prozess“, sagt Merkelbach. Er ergänzt: „Ich fand es schade, dass die Fusion gescheitert ist. Wir waren auf einem guten Weg.“

Er sei als Pfarrer nicht objektiv. Doch für ihn gehe es um die Frage, wie sich eine Gemeinde sinnvoll für die Zukunft aufstellt. „Als der Fasanenhof gebaut wurde, war eine eigene Kirche sicher sinnvoll. Aber das muss dann nicht bis in alle Ewigkeit so sein“, sagt Merkelbach. Natürlich hätten viele Menschen auf dem Fasanenhof die Gemeinde St. Ulrich selbst mit aufgebaut. Da falle der Abschied schwer. Doch aus Merkelbachs Sicht wäre eine Fusion das Sinnvollste gewesen. „Ich habe mich dafür eingesetzt. Aber auch ich habe nur eine Stimme im Parlament.“

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