Katholisches Kinderhaus Kaltentaler Puppenkiste

Von  

Die Spielzeugdesignerin Kathrin Berger gestaltet eine Jahreszeitenkrippe für das neu gebaute katholische Kinderhaus Franziskus. Bei der offiziellen Eröffnung am Freitag übergibt sie symbolisch die erste Figur: den Heiligen Franziskus.

Kathrin Berger hat den Seemannskoffer beim Sperrmüll gefunden. Nun präsentiert sie darin ihre selbst gestalteten Puppen nach Waldorfart. Foto: Alexandra Kratz
Kathrin Berger hat den Seemannskoffer beim Sperrmüll gefunden. Nun präsentiert sie darin ihre selbst gestalteten Puppen nach Waldorfart. Foto: Alexandra Kratz

S-Süd - Der alte Seemannskoffer schließt nicht mehr richtig. Kathrin Berger konnte trotzdem nicht daran vorbei gehen, als sie ihn vor einem Vierteljahr bei einer Sperrmüllsammlung sah. „Der ist einfach perfekt“, sagt die Frau aus Kaltental. Perfekt, um ihre selbst gemachten Puppen zu präsentieren.

Kathrin Berger ist Spielzeugdesignerin. Nach ihrer Schreinerlehre studierte sie drei Jahre lang an der Fachhochschule im thüringischen Sonnenberg. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich als Schreinerin nicht alles machen konnte, was ich machen wollte“, sagt Berger. Viele der anspruchsvolleren Aufgaben seien den Männern übertragen worden. Und so reifte der Entschluss, etwas draufzusatteln.

Seit 2009 ihr erster Sohn auf die Welt kam, näht Berger Puppen und Kleider selbst. Das wurde schnell zu ihrer Leidenschaft. Ende des vergangenen Jahres kündigte Berger schließlich ihre Festanstellung bei einem namhaften Spielzeughersteller und machte sich als Puppenmacherin selbstständig. „Ich wollte meinen Traum verwirklichen“, sagt sie.

Jede ihrer Puppen hat ihren eigenen Charakter. Der ist erkennbar, obwohl das Gesicht immer nur angedeutet ist. „Es sind Puppen nach Waldorfart“, sagt die 40-Jährige. Die klassischen Waldorf-Puppen haben meist weder Augen noch Mund. Davon weicht Berger ein wenig ab. Aber auch sie will, dass die Mädchen und Jungen ihre Gedanken und Gefühle in die Puppen projizieren können und gibt daher nicht allzu viel vor. Außerdem sind ihre Puppen moderner gekleidet. „Ich finde, auch Waldorf darf sich verändern und mit der Zeit gehen“, sagt Berger.

Woher sie die Ideen für ihre Puppen nimmt, kann die Designerin gar nicht so genau sagen. Sie lese viele Kreativ-Zeitschriften. Manchmal finde sie einen schönen Stoff, der sie zu einer neuen Puppe inspiriere. „Das ist ganz unterschiedlich. Aber irgendwie kommt immer eins zum anderen“, sagt Berger.

Zwischen sechs und acht Stunden dauert eine Puppe

Erst vor Kurzem hat sie ihr erstes Puppen-Baby gestaltet. „Es sollte wirklich so aussehen und sich so anfühlen wie ein Neugeborenes“, sagt sie. Darum sind die Beine angewinkelt. Im Popo hat die Puppe Granulat, damit sie schwerer ist, wenn die Puppenmama oder der Puppenpapa das Baby auf den Arm nimmt. Die Haare sind aus einer flauschigen Wolle gehäkelt.

Zwischen sechs und acht Stunden braucht Kathrin Berger für eine nackte Puppe. Die kostet dann rund 100 Euro. Sie näht natürlich auch die Kleider selbst, oft nach eigenen Schnittmustern. Ihr Wissen gibt die Kaltentalerin in Kursen weiter. Die ersten haben im Frühjahr dieses Jahres im Gemeindezentrum St. Antonius stattgefunden.

Berger ist der katholischen Kirchengemeinde verbunden. Seit vielen Jahren zeichnet sie beispielsweise für das Krippenspiel an Weihnachten verantwortlich und leitet Kindergottesdienste. Nun hat sie als Puppenmacherin einen ersten großen Auftrag bekommen. Die Spielzeugdesignerin wird für das neu gebaute Kinderhaus Franziskus eine Jahreszeitenkrippe gestalten. Die erste Figur ist der Heilige Franziskus selbst. Aber Waldorfpuppen sind eben nie genau festgelegt. Und so könnte Franziskus im November beispielsweise einen roten Mantel bekommen und zum Heiligen Martin werden. Wenn dann im Dezember noch eine Bischofsmütze dazu kommt, hat der Kindergarten bereits einen Nikolaus.

Tierisches und Menschliches

Zeitnah möchte Berger noch einen jungen Mann und eine junge Frau, zwei Kinder und einen Esel gestalten. Und dann werde man sehen, was noch gebraucht werde, sagt die Kaltentalerin. Dabei richte sie sich auch nach den Wünschen und Vorstellungen des Kindergartenteams. Außerdem will Berger eine Krippe bauen, welche die Kulisse für ganz verschiedene Geschichten bilden soll. Auch hier gilt: je einfacher, desto flexibler. „Ein einfacher Holzrahmen kann mit Hilfe eines gelben Tuches zur Wüste und mit einem weißen Tuch zu einer Schneelandschaft werden“, sagt Kathrin Berger.

Die Erzieherinnen des Kindergartens wollen mit den Puppen biblische Geschichten nacherzählen. Normalerweise machen sie das mit Egli-Figuren. „Die kann man aber nicht kuscheln und lieb haben“, sagt die Fachfrau. Darum werden ihre Krippenfiguren eine Mischung aus Egli- und Waldorf-Püppchen. „Es wird etwas ganz eigenes“, sagt Kathrin Berger.

Sonderthemen