Katzen im Kreis Böblingen Zahl der Kastrationen ist gestiegen
Das Kreistierheim Böblingen hat vergangenes Jahr 533 Katzen aufgenommen. Die Zahl der gefundenen Kitten hat sich halbiert. Immer mehr Kommunen erlassen eine Katzenschutzverordnung.
Das Kreistierheim Böblingen hat vergangenes Jahr 533 Katzen aufgenommen. Die Zahl der gefundenen Kitten hat sich halbiert. Immer mehr Kommunen erlassen eine Katzenschutzverordnung.
Im Jahr 2024 richtete der Landrat Roland Bernhardt einen Appell an die Kommunen im Landkreis Böblingen. Gegenstand war der Erlass einer Katzenschutzverordnung, die die rechtssichere Kastration von verwilderten Hauskatzen betrifft. Denn auch wenn man ihnen selten begegnet: Im Kreis Böblingen gibt es erstaunlich viele herrenlose Hauskatzen, die ohne Besitzer in der Wildnis klarkommen müssen.
Die Katzenschutzverordnung sieht unter anderem vor, dass Hauskatzen von ihren Besitzern gechipt werden, damit man sie von frei lebenden Katzen unterscheiden kann. 2024 hatten sich zehn Gemeinden dazu bereit erklärt, eine solche Verordnung einzuführen. Über ein Jahr später gibt es nun erfreuliche Neuigkeiten: Wie Wolf Eisenmann, stellvertretender Vorstand der Kommunalanstalt Kreistierheim, berichtet, ist die Zahl der teilnehmenden Kommunen mittlerweile auf 18 gestiegen.
„Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Eisenmann. Trotzdem hofft er, dass auch die anderen Kommunen auf diesen Zug aufspringen. „Die Katzenschutzverordnung löst zwar nicht alle Probleme, aber sie ist hilft, die Situation zu verbessern.“
„Katzen sind domestizierte Haustiere, die es nicht mehr gewohnt sind, sich allein zu versorgen.“
Wolf Eisenmann, stellvertretender Vorstand
Aber warum sind frei lebende Katzen überhaupt ein Problem? Ein großer Punkt ist, dass die Tiere ohne Besitzer leiden. „Katzen sind domestizierte Haustiere, die es nicht mehr gewohnt sind, sich allein zu versorgen“, sagt Wolf Eisenmann. Streunende Katzen seien deshalb fast immer unterernährt und krank. Dazu kommt, dass freie Katzen ohne Kastration fürchterlich viele Jungen kriegen. Denn: Je gestresster ein Tier ist, desto mehr reproduziert es. Eine frei lebende Katze kann bis zu dreimal im Jahr sechs Junge bekommen. „Wenn nur die Hälfte davon weiblich ist, entstehen aus nur einer einzigen unkastrierten Kätzin bereits im Folgejahr drei bis sechs neue potenzielle Muttertiere, die ihrerseits wieder mehrere Würfe bekommen“, sagt Kreistierheimleiterin Bianca Bella. „So wachsen innerhalb kurzer Zeit ganze Generationen neuer Tiere heran.“ Genau deshalb sei die flächendeckende Kastration enorm wichtig. „Nur so können wir diesen Kreislauf durchbrechen und die Population langfristig reduzieren.“
Ob eine Katze Hilfe braucht oder ein normaler Freigänger ist, erkennt man übrigens häufig am Verhalten und äußeren Erscheinungsbild. „Freigängerkatzen mit Zuhause wirken in der Regel gepflegt, gut genährt und zeigen wenig Scheu vor Menschen“, erklärt Bianca Bella. Straßenkatzen fallen dagegen durch ungepflegtes Fell, Untergewicht, Verletzungen oder insgesamt ein scheues, gestresstes Verhalten auf. „Sie halten Abstand, wirken unsicher oder suchen verzweifelt nach Futter.“ Besonders junge Kitten, die allein unterwegs sind, benötigen laut Bella immer Hilfe, da sie ohne Mutter kaum überlebensfähig sind.
Die kleinen Kitten, wie man Babykatzen fachsprachlich nennt, werden oft vom Tierschutz aufgesammelt und im Tierheim versorgt. Für das Tierheim ist das allerdings eine teure Geschichte. „Wir geben 55 Prozent der Tierarztkosten für diese frei lebenden Katzen aus“, sagt Wolf Eisenmann. Zwar gibt es für Kastrationen einen Etatposten des Landkreises und eine Förderung des Landes, doch trotzdem seien die Tierarztkosten immens hoch. „Dazu kommt, dass die Kitten sehr aufwendig zu pflegen und in schlechtem Zustand sind.“
Die ehrenamtlichen Helferinnen nehmen die kleinen Kätzchen teilweise mit nach Hause, damit sie die Nacht überstehen. Kastrieren kann man die Kitten in jungen Jahren noch nicht. Dafür können sie im Gegensatz zu den großen Katzen später zumindest vermittelt werden. Erwachsene Katzen müssen nach der Kastration wieder ausgesetzt werden.
2025 hat das Kreistierheim laut Tierheimleitung Bianca Balla insgesamt 533 Katzen aufgenommen. Davon wurden 130 Kater und 120 Katzen zur Kastration gebracht. 2024 wurden laut Eisenmann insgesamt 107 Kater und 95 Kätzinnen kastriert. Die Zahl der Kastrationen ist also gestiegen. Dafür hat sich allerdings die Zahl der gefundenen Kitten halbiert. Insgesamt wurden 132 Kitten gefunden, 42 sind zusätzlich im Tierheim zur Welt gekommen. 386 Katzen konnten im vergangenen Jahr erfolgreich in ein neues Zuhause vermittelt werden. „Im Bereich der Kitten ist das eine spürbare Verbesserung“, freut sich Wolf Eisenmann. „Jetzt gibt es zumindest einen Lichtschein am Horizont, dass man mal die Trendwende schafft.“
Kommunen
Derzeit haben die Gemeinden Aidlingen, Böblingen, Bondorf, Deckenpfronn, Ehningen, Gäufelden, Hildrizhausen, Jettingen, Leonberg, Mötzingen, Nufringen, Renningen, Rutesheim, Waldenbuch, Schönaich, Weil der Stadt und Weissach eine Katzenschutzverordnung erlassen. Für Herrenberg ist die Verordnung 2026 vorgesehen.