Katzenschutzverordnung beschlossen Hildrizhausen kämpft gegen das Elend von Streunerkatzen
Krank, verwahrlost, hungrig: Den meisten Streunerkatzen geht es schlecht. Die Gemeinde Hildrizhausen stellt sich dem Elend nun entgegen.
Krank, verwahrlost, hungrig: Den meisten Streunerkatzen geht es schlecht. Die Gemeinde Hildrizhausen stellt sich dem Elend nun entgegen.
14 Gemeinden im Kreis Böblingen haben bereits eine Katzenschutzverordnung erlassen, vergangene Woche reihte sich Hildrizhausen als 15. Gemeinde in den Reigen ein. Einstimmig folgte der Gemeinderat der Verwaltungsvorlage. „Wir haben ein sehr deutliches Zeichen gesetzt gegen Tierleid“, freute sich Bürgermeister Matthias Schöck (parteilos) über die ungeteilte Zustimmung im Gremium.
Zur Sitzung gekommen waren auch Wilhelm Hornauer, Leiter des Amtes für Veterinärdienst und Lebensmittelüberwachung im Landratsamt Böblingen, Jutta Szabo, vom Landkreis mit dem Thema „Katzenschutz“ beauftragt, sowie Kreistierheimleiterin Viktoria Gabriel.
Mitte vergangenen Jahres hatten Landrat Roland Bernhard und Bernd Dürr, Bondorfer Bürgermeister und Vorsitzender des Kreisverbandes Böblingen im Gemeindetag Baden-Württemberg, zum wiederholten Mal an die Gemeinden des Landkreises Böblingen appelliert, eine Katzenschutzverordnung für ihr jeweiliges Gemeindegebiet zu erlassen. Ausdrücklich unterstützt wird dieses Vorhaben auch von den Kreisjägervereinigungen Böblingen und Leonberg. Es geht darum, frei lebende Katzen zu kennzeichnen, zu registrieren und kastrieren zu lassen. Nur nach dem Erlass einer Katzenschutzverordnung dürfen die Tiere zu diesen Zwecken auf dem jeweiligen Gemeindegebiet eingefangen werden.
15,7 Millionen Haus- und rund zwei Millionen Straßen- oder Streunerkatzen gibt es in Deutschland. Fast alle stammen von unkastrierten Hauskatzen ab. Wie groß die Zahl in Hildrizhausen ist, zeigen 35 zwischen 2022 und 2024 im Tierheim aufgenommene Katzen aus dem Gemeindegebiet sowie weitere Kätzchen, die von tragenden Müttern im Tierheim geboren wurden. 31 Katzen aus Hildrizhausen wurden von 2021 bis 2024 nach Freigabe kastriert. „Fast alle Streunerkatzen sind krank, es ist ein furchtbares Elend“, unterstrich Jutta Szabo. Nur mit einer Katzenschutzverordnung gebe es Rechtssicherheit für ehrenamtliche Helfer.
Zwar würden die Katzen nach der Kastration wieder an der Stelle in die Freiheit entlassen, an der sie aufgegriffen wurden, doch wenigstens könne so einer weiteren Vermehrung von Streunerkatzen Einhalt geboten werden. „Die Gesamtzahl wird insgesamt weniger“, ist Wilhelm Hornauer optimistisch. Ein geringerer Katzenbestand trage auch zum Erhalt der Artenvielfalt von Singvögeln und Bodenbrütern bei. „Kastrierte Katzen jagen weiter“, traten die Experten einer Befürchtung des einen oder anderen Landwirtes entgegen, bei dem Katzen als Mäusefänger hochwillkommen sind. Außerdem stünde beispielsweise im Hildrizhausener Gartengebiet eine Futterstelle zur Verfügung, um die Streunerkatzenpopulation wenigstens ein Stück weit im Blick zu behalten.