Kaufhäuser in Stuttgart Von Shopping-Mekka zu Leerstand? Der harte Kampf der Kaufhäuser
Karstadt, Kaufhof, Horten – einst große Namen, heute nur noch Erinnerungen. In Stuttgart kämpft Galeria ums Überleben, während sich C&A drastisch verkleinert.
Karstadt, Kaufhof, Horten – einst große Namen, heute nur noch Erinnerungen. In Stuttgart kämpft Galeria ums Überleben, während sich C&A drastisch verkleinert.
Gehören Warenhäuser zu einer aussterbenden Art des Einzelhandels oder haben die letzten Dinos noch eine Chance aufs Überleben? Große Konzerne wie Karstadt, Kaufhof, Hertie, Horten und Quelle dominierten bis in die 1980er-Jahre den Einzelhandel. Doch seit den 1990er-Jahren sind die meisten dieser Namen auf den Einkaufsmeilen verschwunden – auch in Stuttgart.
Geblieben ist eine aktuell gut funktionierende Galeria-Filiale an der Königstraße 6, die drei Insolvenzen des Mutterkonzerns überlebt hat und versucht, alle Potenziale auszuschöpfen. Im Oktober soll zum Beispiel Lidl ins Untergeschoss einziehen, um noch mehr Frequenz ins Gebäude zu bekommen.
Beim zweiten verbliebenen großen Warenhaus in Stuttgart gehen allerdings bald die Lichter aus. Der C&A an der Königstraße 47 hat die obersten beiden Stockwerke schon geschlossen. Ein Umzug in die wesentlich kleineren Räume in der Königstraße 5, wo derzeit noch der Reserved zu finden ist, steht an. Einen konkreten Zeitplan gibt es aktuell noch nicht. Und auch die Nachnutzung der C&A-Flächen ist noch nicht geklärt. Der Eigentümer befindet sich in Gesprächen mit der Stadt Stuttgart, um herauszufinden, was möglich ist.
Bleiben die Räumlichkeiten der Galeria-Filiale an der Eberhardstraße, die von der Stadt samt Parkhaus an der Steinstraße für 58,5 Millionen Euro gekauft wurden. Seit 1. Februar 2024 ist die Stadt Eigentümerin der beiden Immobilien. Zunächst war geplant, dass die sieben oberirdischen Geschosse wie folgt genutzt werden: – Haus der Kulturen (rund 5000 Quadratmeter)
– Wohnen für städtisches Personal (etwa 4000 Quadratmeter)– Gründer- und Innovationszentrum (circa 2300 Quadratmeter)– Büroflächen für die Verwaltung (rund 2300 Quadratmeter)– Gastronomische Nutzungen (600 Quadratmeter)
Auch die Freie Tanz- und Theaterszene hatte sich Hoffnungen auf eine neue Heimat in der ehemaligen Galeria-Filiale gemacht, doch die Pläne sind nun dem Sparzwang der Stadt zum Opfer gefallen. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge? „Der Standort Eberhardstraße 28 und Steinstraße 4 soll perspektivisch zu einem Verwaltungsstandort entwickelt werden. Welche Ämter dort untergebracht werden sollen, steht noch nicht fest“, heißt es in der städtischen Pressestelle auf Nachfrage unserer Zeitung. „Neben der Verwaltungsnutzung wird noch geprüft, ob auch ein gewisser Wohnanteil realisiert werden kann und ob beziehungsweise wie die Erdgeschoss- und Untergeschossflächen zumindest einer teilöffentlichen Nutzung zugeführt werden könnten.“ Diese neue Planung soll spätestens vor der Sommerpause 2026 noch vom Gemeinderat abgesegnet werden. Einen Zeitplan und eine erste Kostenschätzung für die Umbauarbeiten gibt es noch nicht.
Wie lange das Gebäude an der Eberhardstraße noch leer steht, ist unklar. Zumindest soll von April bis Oktober 2027 einem Teil der Erdgeschossflächen Leben eingehaucht werden. Eine zentrale Ausstellung der IBA´27 ist geplant. „Die hierfür erforderlichen Umbauten sind bereits in Planung und beginnen voraussichtlich Ende des Jahres 2026“, schreibt die Pressestelle. „Dabei geht es im Wesentlichen um eine technische und brandschutzrechtliche Mindestertüchtigung, um die Zwischennutzung zu ermöglichen.“
Wie es funktionieren kann, eine ehemalige Galeria-Filiale schnellstmöglich einer neuen Nutzung zuzuführen, weiß Michael Ehret, Gründer von ehret+klein. Das Unternehmen hat schon ehemalige Kaufhäuser umbauen, sanieren und neu nutzen lassen. Wie zum Beispiel in Worms. Nach der Insolvenzwelle von Galeria- Kaufhof-Karstadt schloss der Standort in der Innenstadt im Jahr 2020 seine Türen. „Lange vor Erhalt des Kündigungsschreibens von Galeria-Kaufhof- Karstadt beschäftigte sich der Eigentümer und Projektentwickler mit einer passenden Nachnutzung des Gebäudes. Mehrere Versuche zur gemeinsamen Erarbeitung eines Konzepts mit dem Warenhaus-Management zur Optimierung der Flächennutzung führten ins Leere“, heißt es auf der Internetseite von ehret+klein. Das Unternehmen stieg daraufhin in die Planung ein und erarbeitete gemeinsam mit der Stadt Worms zwei Lösungen für das Kaufhaus-Gebäude.
Die erste Lösung betraf das Rückgebäude des ehemaligen Kaufhofs, der einst als Verwaltungs- und Lagertrakt für das Warenhaus diente. ehret+klein sanierte diesen Teil, der nun seit 2022 als Stadtarchiv und Bürgerrathaus für die Stadtverwaltung Worms dient. Die Verkaufsflächen des ehemaligen Kaufhofs werden aktuell von ehret+klein unter dem Namen „K32“ revitalisiert. Im Juni soll der Ankermieter Rewe im Erdgeschoss eröffnen. Insgesamt stehen in Worms rund 11.000 Quadratmeter zur Verfügung – für Büros, Gastronomie, Einzelhandel und Bildungsangebote.
„Es gibt keine Blaupause für solche Projekte“, sagt Michael Ehret. Doch aus seinen Erfahrungswerten heraus kann er sagen, dass ein Umbau nach der Schließung von Kaufhausflächen auf jeden Fall notwendig sei. Und dann gehe es darum, den richtigen Mix zu finden, der vor Ort auf Interesse stoße. Nur kulturelle Nutzung oder ausschließlich den städtischen Verwaltungsapparat dort unterzubringen, sei schwierig. „Wir haben immer darauf geachtet, einen Ankermieter zu haben“, sagt Ehret. Ein Café auf dem Dach des Gebäudes, ein Restaurant, Beratungsstellen, ein Fitnessstudio: Alles Möglichkeiten, die regelmäßig geprüft werden. „Wir haben sicherlich schon etliche tausend Quadratmeter Einzelhandelsfläche neu geordnet und zahlreiche komplexe Bestandsimmobilien transformiert“, sagt Ehret. Darunter sind auch die ehemalige Woolworth-Filiale in Fürth (etwa 6700 Quadratmeter) und das ehemalige Kaufhaus Beck in München/Laim (rund 8000 Quadratmeter). Mit Stuttgarter Kaufhäusern gab es bislang noch keine Berührungspunkte. Aber vielleicht wird sich das noch ändern.