Die Planung für das rund 4000 Quadratmeter große Kaufhof-Areal in Bad Cannstatt, das sich seit Februar im Besitz der LBBW Immobilien Development GmbH befindet, nimmt langsam Fahrt auf. Demnächst soll der Wettbewerb ausgelobt werden, an dem zwölf Architekturbüros teilnehmen werden. Ihre Entwürfe müssen sie Ende Oktober abgeben, das Modell muss dem Preisgericht, in dem neben Mitgliedern des Gemeinderats auch Vertreter des Einzelhandels und Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler vertreten sind, spätestens am 16. November vorliegen. Die Jury entscheidet am 1. Dezember, welches Architekturbüro die „Pforte zur Altstadt“ neu bebauen darf.
300 000 Euro für den Wettbewerb
„Uns ist die Größe der Aufgabe bewusst“, sagte Projektleiter Mario Strunk im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik. Auch deshalb nehme die LBBW 300 000 Euro für einen Wettbewerb in die Hand. Ursprünglich hatte man für den nicht offenen Wettbewerb nur fünf Büros einladen wollen. Das war jedoch der Stadt und auch dem Gemeinderat viel zu wenig, der in den Flächen zwischen Marktstraße, Badstraße und Wilhelmsplatz ein Schlüsselgrundstück für die Altstadt und den Einzelhandel sieht.
Auch inhaltlich sei der Wunschzettel des Bezirksbeirats Bad Cannstatt wie auch der Gemeinderatsfraktionen bei der LBBW angekommen. Ganz oben auf der Liste der Fraktionen: Lieber kleinteilige Gebäude als ein massiver Baukörper, wobei der Charakter der Altstadt aufgenommen werden muss. Wichtig ist auch eine attraktive Verbindung der Bad- mit der Marktstraße, wobei geschlossene Passagen ein Tabuthema für die Wettbewerbsteilnehmer ist.
Rückkehr der BW-Bank-Filiale ist „gesetzt“
Was die Nutzung angeht, so ist die Rückkehr der Filiale der BW-Bank, die heute ihren Interimsstandort an der Seelbergstraße hat, gesetzt. Ziel ist zudem ein Frequenzbringer für die Fußgängerzone, am besten ein Supermarkt im Untergeschoss. Interessenten gibt es dem Vernehmen nach einige, neben Rewe hat auch der Discounter-Riese Aldi seine Fühler ausgestreckt. „Welche Nutzung im Untergeschoss noch möglich ist, wird sich im Wettbewerb zeigen“, sagt Mario Strunk.
Der Grund: Beim Gebäudeabriss wurde das Untergeschoss im Erdreich belassen, da niemand so recht wusste, wie das Grundwasser reagieren würde. Jetzt soll zur Sicherheit eine weitere Betonverschalung eingebracht werden, was zulasten der Raumhöhe im Untergeschoss geht. „Das Thema ist Bestandteil des Wettbewerbs – jetzt sind die Architekten gefordert, hierfür Lösungen zu präsentieren“, sagt der Projektleiter. Er betonte, dass es zwar keine große Tiefgarage, sehr wohl jedoch Stellplätze geben müsse. In den Gebäuden seien ja auch Wohnungen, Büros und Praxen vorgesehen. Über die Zahl der Wohnungen wird ein Gutachten Aufschluss geben.
Kunst will im Stadtraum agieren
Da für das LBBW-Projekt kein neuer Bebauungsplan erforderlich ist, hofft man vor allem in Bad Cannstatt auf eine rasche Umsetzung. Laut Stadtplanungsamt kann der Bauantrag jedoch frühestens Anfang 2024 gestellt werden. Mit einem Baubeginn ist somit erst Ende 2024/Anfang 2025 zu rechen.
Da dürfte es die Cannstatter freuen, dass es eine erste Interimsnutzung für die riesige Brachfläche gibt. Das transdisziplinäre Festival „Current – Kunst und urbaner Raum“ wird zehn Tage lang die hässliche Baugrube in Beschlag nehmen und diese von Donnerstag, 14. September, bis Sonntag, 24. September, bespielen.
Das Festival, an den Schnittstellen von Kunst und der Auseinandersetzung mit dem Stadtraum agierend, entwickelt exemplarisch Formate, um künstlerische Formen, Strategien und Praktiken im Kontext von Stadt experimentell zu erforschen. Current möchte künstlerische Perspektiven in Stadtentwicklungsprozesse integrieren.