Kaufmann gegen Hausmann Bildungsplan spaltet CDU-Parteispitze

Von Jörg Nauke 

In der Stuttgarter CDU deutet sich ein Streit über die Bewertung des Begriffs „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ im Bildungsplan der grün-roten Landesregierung an. Kreischef Stefan Kaufmann gilt als Befürworter, sein Stellvertreter Karl-Christian Hausmann als Gegner.

Die Initiative „Schützt unsere Kinder“ hat am Samstag zur Demonstration gegen den Bildungsplan der rot-grünen Landesregierung aufgerufen. Foto: Achim Zweygarth
Die Initiative „Schützt unsere Kinder“ hat am Samstag zur Demonstration gegen den Bildungsplan der rot-grünen Landesregierung aufgerufen. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Stuttgarter CDU kann noch keinen Beschluss zum umstrittenen Bildungsplan der grün-roten Landesregierung vorweisen. An der Parteispitze gibt es konträre Ansichten zur Akzeptanz sexueller Vielfalt, es stehen sich Vertreter liberaler und konservativer Standpunkte gegenüber – unversöhnlich, wie es derzeit scheint. Der Bildungsplan ist am Wochenende bei Demonstrationen in der City, bei denen die Polizei eingreifen musste, erneut kontrovers diskutiert worden.

Der schwule Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann sagt, die Sorge, die aus den Demonstrationen der Bildungsplan-Gegner klinge, Kinder könnten zur Homosexualität erzogen werden, sei unbegründet. „Lesbisch oder schwul ist man; Sexualität lässt sich weder an- noch aberziehen. Das hat im Oktober erst der Weltärztebund auf Initiative der Bundesärztekammer festgestellt.“

Der CDU-Kreischef zeigte sich am Samstag mit seinem Lebenspartner bei der Veranstaltung des Christopher Street Day Stuttgart, während sein Stellvertreter Karl-Christian Hausmann, Vater dreier erwachsener Kinder, zu den Rednern der von eigenen Ordnern geschützten Demonstration der Initiative „Schützt unsere Kinder“ zählte. Der Kreisvize war in der Vergangenheit immer wieder von politischen und parteiinternen Gegnern mit seiner Zugehörigkeit zur Vereinigungskirche (Mun-Bewegung) konfrontiert worden.

Die Redner: konservativ und erzkatholisch

Über die Veranstaltung auf dem Schlossplatz war im Vorfeld und danach auf der umstrittenen Internetseite „Politically Incorrect“ berichtet worden. Neben Hausmann redeten auch Mathias von Gersdorff, Publizist in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“, die auch als Sprachrohr der Neuen Rechten gilt, und die katholische Schriftstellerin Gabriele Kuby, in deren Grußwort in Stuttgart es hieß, man sage „Nein zur Zwangssexualisierung und Umerziehung der Kinder“. Ferner redeten Alexej Tuchscherer von der Aussiedler- und Migrantenpartei Einheit und Alexander Beresowski von der Alternative für Deutschland (AfD).

Kürzlich hatte Pfarrer Johannes Bräuchle mit seinem Evangelischen Arbeitskreis (EAK) der CDU begonnen, die liberale Ausrichtung des Kreisvorsitzenden Kaufmann zu attackieren, nun schaltet Hausmann in den Angriffsmodus: „Nach meiner Einschätzung gibt es nicht viele Mitglieder der CDU, die an der Demonstration der Befürworter teilnehmen würden.“ Er verweist ausdrücklich auf die Stellungnahme von Bräuchles Arbeitskreis.

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