Keeper des VfB Stuttgart Darum steht Alexander Nübel am Freitag im DFB-Tor

Applaus, Applaus: Alexander Nübel steht vor seinem Länderspieldebüt. Foto: imago/Revierfoto

Die Entscheidung kam etwas überraschend, doch nun ist klar: VfB-Keeper Alexander Nübel feiert am Freitag sein Länderspieldebüt – aus diesen Gründen.

Sport: Marco Seliger (sem)

Sie trainieren seit Dienstag Seite an Seite im Fränkischen. Alexander Nübel und Oliver Baumann bekommen von Torwarttrainer Andreas Kronenberg die Bälle aufs Tor geschossen. Sie hechten, springen, fausten. Und sie passen sich auf dem satten Grün des Platzes beim DFB-Ausrüster in Herzogenaurach in verschiedenen Spielformen die Bälle zu. Scharf, fokussiert, konzentriert. Nübel, der Torhüter des VfB Stuttgart, und Baumann, der Keeper der TSG Hoffenheim, sind nach dem langfristigen Ausfall des schwer am Knie verletzten Marc-André ter Stegen die Konkurrenten um die vorübergehende Nummer eins im deutschen Tor. Da kommt es auch im Training auf jeden Pass und jede Parade an.

 

Bisher schien Baumann im Rennen mit Nübel die Nase zumindest den berühmten Tick vorne zu haben – denn Bundestrainer Julian Nagelsmann versprach dem Hoffenheimer vor den Nations-League-Partien in Bosnien an diesem Freitag (20.45 Uhr/RTL) und drei Tage später in München gegen die Niederlande mindestens einen Einsatz. Bei Nübel tat er das nicht. Doch jetzt kommt alles anders als erwartet, denn: Nübel wird in Bosnien im Tor stehen.

Klarstes Indiz dafür: Der VfB-Torhüter sitzt an diesem Donnerstagabend vor der Partie in Bosnien neben dem Bundestrainer auf dem Pressepodium. Dorthin würden ihn die Strategen des DFB nicht platzieren, wenn er tags darauf nicht spielen würde. So einfach ist das im Kosmos Profifußball und hier im speziellen Fall im Kosmos DFB-Elf – der immer auch ein Mediengeschäft samt bewusst ausgesendeten Botschaften von den Protagonisten ist. Eine Botschaft sendete Nübel nun bereits am Mittwochnachmittag aus: „Ich freue mich extrem darauf, ich habe meinen Eltern Bescheid gegeben – pure Vorfreude jetzt auf Freitagabend.“

Der 28-Jährige wird dann also seine Länderspielpremiere feiern – und erreicht damit nach der Vizemeisterschaft in der vergangenen Saison mit dem VfB Stuttgart und der aktuellen Champions-Legaue-Teilnahme einen weiteren vorläufigen Höhepunkt in seiner Karriere. Baumann wird sich dagegen noch bis zum Montag in München auf seinen Einsatz gedulden müssen.

Hintergrund der Entscheidung könnte sein, dass Nagelsmann und sein Trainerteam den vom FC Bayern München an den VfB verliehenen Nübel an besagtem Montag nicht dem großen Druck aussetzen wollen, an alter und künftiger Wirkungsstätte in München seine Premiere mit dem Adler auf der Brust zu feiern. Zumal der nun nicht mehr ewige Manuel Neuer mit den anderen kürzlich zurückgetretenen Thomas Müller, Toni Kroos und Ilkay Gündogan vor der Partie gegen Oranje im Stadion offiziell vom DFB verabschiedet wird.

Weniger Druck in Bosnien

Man stelle sich also nur mal vor, Nübel patzte in München inmitten des Trubels um Neuer, den er ja irgendwann beim FC Bayern beerben soll, in seinem ersten Länderspiel – dieses pikante Szenario wollen die DFB-Strategen offenbar umgehen, indem sie Nübel nun eben lieber die Partie im fernen und, wenn man so will, druckfreieren Bosnien geben: im kleinen Stadion von Zenica, das knapp 13 000 Zuschauer fasst.

Fakt ist unabhängig davon: Der Kampf zwischen Nübel und Baumann ums DFB-Tor erscheint nun in einem neuen Licht. Denn bisher schien der Hoffenheimer angesichts des Nagelsmann-Versprechens vorne zu liegen. Jetzt ist klar, dass es sich angesichts des Nübel-Einsatzes in Bosnien um ein Kopf-an-Kopf-Rennen handelt, dessen Ausgang mit Blick auf die nächsten Monate völlig offen ist

Langfristiger gedacht wird Nübel in München Manuel Neuer beerben, wenn der seine Karriere beenden wird. Weshalb der VfB-Keeper beim Länderspiel am Montag im Fokus steht, auch wenn er da auf der Bank sitzt.

Kaum Einsatzzeit in München

Die Geschichte mit München und Nübel ist ja bisher eine unvollendete – und sie ist geprägt von Irritationen. So war rund um den Wechsel vom FC Schalke zum FC Bayern im Jahr 2020 vereinbart, dass Nübel den Weltmeister Neuer auf Sicht nicht verdrängen, sondern von ihm als möglicher Nachfolger lernen soll. Dass der gebürtige Paderborner dann aber kaum Einsatzminuten bekam, hat dem Nübel-Lager nicht gefallen, weshalb es zum Leihgeschäft mit der AS Monaco kam. Nun ist Nübel als Leihspieler beim VfB angekommen und hat sich dort zu einer festen Größe und zum Nationalspieler entwickelt. Der FC Bayern aber hat das Heft des Handelns weiter in der Hand.

Heißt: Wenn Neuer schon im kommenden Sommer seine Karriere beendet, könnten die Münchner Nübel sofort zurückholen, weil das auf zwei Jahre ausgelegte Leihgeschäft eher eines nach dem Motto „Ein Jahr Leihe plus ein Jahr Leihe“ ist. Ergo: Der FC Bayern müsste im Fall der Fälle keine weiteren Verhandlungen mit dem VfB führen, weil es vertraglich fixiert ist, dass man Nübel schon nächsten Sommer zurückholen kann.

Das alles aber ist Zukunftsmusik. Jetzt ist für Alexander Nübel erst einmal die Gegenwart angesagt, die da am Freitagabend heißt: Länderspielpremiere auf der kleinen Bühne – im Stadion Bilino Polje zu Zenica.

Weitere Themen