Kegeln in Bad Cannstatt Den Kegelvereinen fehlt der Nachwuchs

Von Janey Schumacher 

Kegeln war in den 1980er-Jahren noch beliebter Freizeit- und auch Leistungssport. Heute bleibt den Vereinen jedoch der Nachwuchs aus.

Manfred Kaiser kegelt seit zehn Jahren beim TV Cannstatt.Foto: Schumacher

Bad Cannstatt - Ein fröhlicher Abend auf der Kegelbahn – noch vor 30 Jahren gehörte das für viele Deutsche zum beliebten Freizeitprogramm. Wer mit Kollegen oder Freunden kegeln wollte, musste sich oft Wochen im Voraus um die Reservierung der Bahnen kümmern. Ganz anders als heute: Kegelbahnen gibt es immer weniger – rund 20 sind es in Stuttgart noch. Nicht nur die Anzahl der Freizeitkegler hat sich im Laufe der Jahre verringert, auch Wettkampfkegeln wird von immer weniger Sportlern praktiziert. Bis in die 1990er-Jahre war Kegeln in Ost- und Westdeutschland noch beliebter Leistungssport. Heute dagegen fehlt es den Vereinen an Nachwuchs. Viele Vereine gehen deshalb dazu über, Kegelbahnen in Gymnastikräume umzubauen, um Platz für Trend-Sportarten, wie etwa Yoga, zu schaffen.

Seit 1986 kegelt Manfred Kaiser. In den ersten Jahren nur alle zwei Wochen als Freizeitkegler bei der„goldenen Neun“ – seit zehn Jahren auch im Verein. Kaiser ist Teil der gemischten Kegelsportmannschaft des TV Cannstatt und spielt in der C-Klasse. Im Unterschied zu den meisten Freizeitkeglern wird beim Sportkegeln an der Technik gefeilt und für Wettkämpfe trainiert. Doch das scheint immer weniger attraktiv zu sein. Auch Kaiser und seine Vereinskollegen haben Nachwuchssorgen: Waren beim TV Cannstatt in der vergangenen Saison neben der gemischten Mannschaft noch zwei Sechser-Herrenmannschaften gemeldet – eine davon spielte sogar in der Regionalliga – gibt es ab September Einschränkungen. „Für die nächste Saison müssen wir die erste Mannschaft leider abmelden“, sagt Kaiser. Denn drei Mitglieder haben den Verein verlassen und Neuzugänge sind nicht in Sicht.

Bowling wird beliebter

„Die Jüngeren gehen lieber bowlen“, sagt er. Das liege wohl auch daran, dass die Bowling-Center auch ein breiteres Unterhaltungsangebot mit Billard-Tischen oder Dartscheiben bieten. Zwar geht Kaiser auch gerne bowlen, aber das ganze Drumherum braucht er nicht. Den 62-Jährigen begeistert das Sportkegeln. „Das ist spannend bis zum Schluss.“ Die beiden Sportarten sind jedoch verwandt: Bowling ist ein Ende des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten entstandene Variante des Kegelns. Außer den Bohrungen – ein sogenannter Bowlingball hat drei Löcher, eine Kegelkugel meist zwei – unterscheiden sich auch die Regeln.

Dass sich derzeit mehr Menschen für Bowling als für Kegeln begeistern, zeigt ein Blick auf die Mitgliederzahlen: Im Württembergischen Kegler- und Bowlingverband sind in Stuttgart zehn Bowlingsportvereine mit etwas mehr als 500 Mitgliedern gemeldet sowie sechs Kegelsportvereine mit circa 200 Mitgliedern. Zwar liegen zu den Freizeitsportlern keine genauen Zahlen vor, aber auf Bahnen für Hobbykegler wurden in Baden-Württemberg in den 1980er-Jahren etwa 7500 Kegler gezählt, im vergangenen Jahr nur noch die Hälfte.

Die Kegelsportler des TV Cannstatt hoffen dennoch auf motivierte Neuzugänge, sodass sie in der Saison 2019/20 wieder mit zwei Männermannschaften antreten können. Aber Kaiser weiß: „Leute zu erreichen, die nicht von Kindesbeinen an in Vereinen aktiv sind, ist schwer.“