Stadträte erfahren die Kehrtwende in der letzten Sitzung vor der Sommerpause
Oberbürgermeisterin Gabriele Zull wie auch Jens Mohrmann, Geschäftsführer der Fellbacher Event & Location Gesellschaft (Feel), verkündeten diese Kehrtwende zunächst in einem Pressegespräch gegenüber unserer Zeitung. Abends unterrichtete die OB auch den Gemeinderat in der letzten Sitzung vor der Sommerpause.
Zull begründet diesen Schritt zurück mit den zahlreichen negativen Reaktionen der vergangenen Tage. Anfang Juli hatten Mohrmann und sie im selben Saal dem Verwaltungsausschuss das neue Weihnachtsmarktkonzept vorgestellt. Wesentlicher Punkt war, die Eislaufbahn in den Rathausinnenhof zu verlegen. „Beide Frequenzbringer beleben und pushen sich gegenseitig und profitieren voneinander“, sagte Mohrmann.
„Glatze versus Locke“ lockt erneut am Neujahrstag
Durch die Überarbeitung wolle man „den märchenhaften Weihnachtsmarkt kompakt, bunt und abwechslungsreich aufstellen“. Die Kunsteisbahn solle für eine Belebung des Innenhofs sorgen, denn beim Weihnachtsmarkt an sich sei die Frequenz „tagsüber nicht so hoch“. Für das beliebte Benefiz-Besen-Eishockespiel „Glatze versus Locke“ am Neujahrstag werde eine zusätzliche Tribüne errichtet.
Dass somit der beliebte Treffpunkt unter dem Lichterhimmel nicht mehr möglich sein und sich das wesentliche Geschehen des Weihnachtsmarkts in Richtung Kirchplatz und Schaugarten verlagern solle, fand aber viele Widerworte. Schon im Ausschuss war das Grummeln unüberhörbar. SPD-Fraktionschef Andreas Möhlmann monierte, dass ja dann die Atmosphäre fehlen würde, die den Fellbacher Weihnachtsmarkt so besonders mache. Abgestimmt wurde im Gremium über das Konzept allerdings nicht, da es eben eine Veranstaltung der Eventgesellschaft ist. Die schriftlichen Erläuterungen der Feel-Gesellschaft zur Sitzung trugen lediglich den Vermerk „zur Kenntnisnahme“.
Heftige Diskussionen über den Eisbahn-Standort
Zur Kenntnis nehmen musste dann in den vergangenen zwei Wochen allerdings insbesondere die Oberbürgermeisterin, welche negativen Reaktion der Bericht unserer Zeitung ausgelöst hat. „Es ist ein Punkt, der die ganze Stadt sehr bewegt hat“, erläuterte Zull. Dabei habe sie festgestellt, „dass sehr, sehr viele Menschen sich nur schwer vorstellen können, wie das funktionieren soll, wenn es so käme“.
So hieß es in den Rückmeldungen an die OB, es sei „nicht gut, wenn der Innenhof nicht mehr als Treffpunkt dienen kann, wie wir ihn lieben.“ Ziel müsse jedoch sein, „dass der Großteil der Bevölkerung voller Freude auf unseren Weihnachtsmarkt gehen möchte“. In der Abwägung der erhofften Vorteile des neuen Konzepts und der vorgebrachten Bedenken habe man nun entschieden, dass der Innenhof eisbahnfrei bleibt und die Schlittschuhfahrer wie bisher auf dem Palm-Platz übers Eis gleiten sollen, so Zull.
Auf dem Palm-Platz ist die Tribüne schon vorhanden
Die südwestliche Ecke böte sich dafür geradezu an, weil dort bereits Treppenstufen vorhanden sind, „die Tribüne ist also schon da“, sagt Mohrmann. Allerdings liegt dort die Fontänenanlage – ob die im Erdboden befindliche Technik eine schwere Eisbahn darüber aushalten würde, müsse erst noch detailliert geprüft werden. Alternativ könnte die Eisbahn auch weiter östlich stehen, aber immer noch in der Sichtachse vom Rathaus her durch die Kirchhofstraße in Richtung Schwabenlandhalle. Wo auch immer, die Eisbahn wird jedenfalls mit 225 Quadratmetern etwas größer und quadratischer ausfallen, als es im schmalen Innenhof mit den Ausmaßen 10 auf 20 Meter gewesen wäre.
Die derzeit als Sommerstraße genutzte Kirchhofstraße kommt weder für die Weihnachtsmarktbuden noch für die Eisfläche infrage. Sie ist zu schmal „und muss für Rettungsfahrzeuge frei bleiben“, so die OB unter Berufung auf die Feuerwehr. Beim Weihnachtsmarkt selbst strebt Mohrmann eine Stärkung der Nord-Süd-Ache, also vom Kirchplatz durch den Innenhof bis in Richtung Hintere Straße an.
„Das hätte intensiver diskutiert werden müssen“
Der jetzige Rückzieher wäre vermeidbar gewesen, „wir hätten das intensiver diskutieren und abstimmen müssen“, räumt Mohrmann ein, „das ist ein Vorwurf, den man uns machen kann“.
Grundsätzlich soll im ersten Quartal 2024 mit den Beteiligten und dem Gemeinderat eine Manöverkritik zum dann vergangenen Weihnachtsmarkt erfolgen. Im Übrigen, so Zull, müsse bei der Gesamtplanung zur künftigen Neuen Mitte beim Rathaus ausgetüftelt werden, wo für den Weihnachtsmarkt samt Eisbahn künftig der beste Platz ist.