Kehrtwende in Gerlingen Eine weitere Flüchtlingsunterkunft kommt nun doch
Das Klinikum Schillerhöhe steht Gerlingen ab 2028 nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung. Daher muss die Stadt nun schnell handeln. Auch wegen Fördergeld.
Das Klinikum Schillerhöhe steht Gerlingen ab 2028 nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung. Daher muss die Stadt nun schnell handeln. Auch wegen Fördergeld.
Nun also doch: In Gerlingen soll bis spätestens kommendes Jahr eine weitere Flüchtlingsunterkunft für bis zu 120 Personen entstehen. Einen entsprechenden Beschluss hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwochabend einstimmig gefasst. Damit haben die Stadträte die Aussetzung des ursprünglichen Baubeschlusses einkassiert.
Im vergangenen Jahr waren rückläufige Flüchtlingszahlen der Auslöser dafür, dass die Stadtverwaltung von der geplanten Errichtung der Unterkunft in der Weilimdorfer Straße 107 Abstand genommen hat. Sowohl bei Flüchtlingen aus der Ukraine als auch bei Asylbewerbern gingen damals die Zahlen zurück. Noch im Jahr zuvor war man in Gerlingen davon ausgegangen, dass der Landkreis Ludwigsburg allein 2026 der Stadt rund 100 Geflüchtete zuweisen würde.
„Nun stieg Ende 2025 die Aufnahmequote für Geflüchtete aus der Ukraine im Vergleich zum restlichen Jahr wieder deutlich an“, erklärte Michaela Höhn-Bea, die neue Leiterin des Amts für Jugend. Für 2026 werde mit insgesamt 45, für das Folgejahr mit 30 zugewiesenen Ukrainern gerechnet. Die Zuteilung im Bereich Asyl sei indes weiter rückläufig. Für 2026 und 2027 rechne hier die Stadt mit jeweils 38 zugewiesenen Flüchtlingen.
Das allein wäre wahrscheinlich noch kein Grund, warum nun doch direkt neben den bereits bestehenden Gemeinschaftsunterkünften in der Weilimdorfer Straße 103 und 105 eine weitere Unterkunft für Flüchtlinge entstehen soll. Zumal, wie die Stadt Gerlingen erklärt, im ehemaligen Klinikum Schillerhöhe, wo aktuell ebenfalls Flüchtlinge leben, „ausreichende Kapazitäten zur Verfügung stehen“, um auch 2027 alle Personen unterzubringen.
Das Problem: Das große Klinikgebäude fällt ab 2028 als Unterbringung aus. Nach Auskunft der Stadtverwaltung ende der befristete Mietvertrag zur Nutzung des ehemaligen Klinikums am 31. Dezember 2027. Das Mietverhältnis könne jedoch „unter den derzeitigen Konditionen nicht verlängert werden“. Was das genau heißt, blieb offen. Die Stadt lässt jedoch durchblicken, dass sich bei der Immobilie ein Eigentümerwechsel andeutet. Für die dort wohnenden Geflüchteten bedeutet das, dass sie wohl ab Mitte 2027 schrittweise verlegt werden müssen.
Konkret rechnet die Stadt damit, dass von den geschätzten 142 Personen, die 2027 im ehemaligen Klinikum untergebracht sein werden, rund 100 Menschen tatsächlich in die neue Unterkunft umziehen. Die Erfahrungen zeigten, „dass viele Personen, insbesondere aus der Ukraine, eigenen Wohnraum finden“, erklärte Höhn-Bea.
Dass die Zeit inzwischen sogar drängt, die neue, mit rund 4,8 Millionen Euro Baukosten veranschlagte Unterkunft in Modulbauweise zu errichten, begründete der Stadtbauamtsleiter Thomas Günther im Gemeinderat mit dem Ende des Förderzeitraums für das Projekt: „Wir müssen jetzt schnell mit dem Bau beginnen, um den kompletten Förderrahmen ausschöpfen zu können“, erklärte Günther. Wolle sich die Stadt die Förderleistung von mehr als einer Million Euro nicht entgehen lassen, müsse das Objekt bis Ende 2027 gebaut und abgerechnet sein. Entsprechend schnell will das Bauamt nun die Ausschreibungen auf den Weg bringen.
Wie die Stadt mitteilt, leben zurzeit 528 Geflüchtete in Gerlingen: 281 Personen aus der Ukraine, 197 Asylbewerber und 50 Personen in der vorläufigen Unterbringung. Davon hätten 336 Geflüchtete privaten Wohnraum gefunden, 192 Personen seien in Gemeinschaftsunterkünften der Stadt und des Landkreises untergebracht. Ab Mitte 2026 werde sich die Gesamtanzahl kurzfristig um 50 Personen reduzieren, da der Landkreis Ludwigsburg seine Unterkunft in der Siemensstraße 36 aufgibt.