Qualitäts-Check Daran erkennt man gutes Speiseeis

Eis kann man sich ruhig öfter gönnen – denn mit 100 Kilokalorien pro Kugel Milcheis sind die Auswirkungen auf die Linie überschaubar. Foto: imago/Westend61/Eugenio Marongiu

Für Verbraucher ist es nicht leicht, herauszufinden, ob eine Eisdiele hausgemachte Sorten verkauft. Ein paar Anhaltspunkte gibt es aber.

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Stuttgart - Ob am Stiel, als Riegel, in der Waffel oder im Becher: Fast jeder isst gern Eis. Im vergangenen Jahr haben die Verbraucher in Deutschland im Schnitt acht Liter Speiseeis pro Kopf weggeschleckt. Klar, am wichtigsten ist dabei der Geschmack. Aber den bestimmt eben oft auch die Qualität – und die muss stimmen. Doch woran erkennt man eigentlich gutes, hochwertiges Eis?

 

Hygiene

Zunächst sollte man in der Eisdiele einen Blick auf die Hygiene werfen, Speiseeis ist nun mal leicht verderblich. Sind der Laden und die Theke sauber? Wie sehen die Eiswannen aus? Steht der Portionierer in einem Becher mit klarem Wasser? Die Kühltheke sollte keine Eisränder haben, was auch für den Einkauf im Supermarkt gilt.

Ist das Eis selbst oder die Packung von Eiskristallen überzogen oder gar angeschmolzen – Finger weg! Hoch aufgetürmtes Eis wirkt beeindruckend, ist aber der Qualität nicht unbedingt zuträglich: Weiter oben ist es wärmer, das Eis kann anfälliger für Keime werden. Die „Berglandschaften“ können auch ein Hinweis auf den Zusatz von Stabilisatoren und Emulgatoren sein, die das Produkt fester machen.

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Aussehen

„Eis sollte nicht krümelig aussehen“, sagt Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Stuttgart. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass es schon etwas älter und mehrfach aufgetaut ist. „Oder dass der Hersteller sein Handwerk nicht versteht“, sagt der Schorndorfer Konditor und Café-Besitzer Andreas Schreyer. Im Prinzip könne jeder Eis herstellen. Aber gutes Eis zu produzieren, sei eine Kunst, so Schreyer.

Auf Bezeichnungen wie „aus eigener Herstellung“ könne man sich dabei nicht verlassen. Selbst wer Eis aus Fertigpulver anrührt, darf es „selbst gemacht“ nennen. Die Verbraucherzentralen fordern daher seit langem, eindeutig zu regeln, was der Kunde hinter Werbeversprechen erwarten darf.

Zutaten

Laut Vorschrift muss an der Eistheke bisher nur auf Allergene und auf Zusätze wie Farbstoffe hingewiesen werden. Was die genauen Zutaten und ihre Zusammensetzung betrifft, besteht keine Angabepflicht. Das bemängeln die Verbraucherschützer. Dennoch gilt: Man kann die Inhaltsstoffe in der Eisdiele ja erfragen. Im Supermarkt lohnt der Blick auf die Zutatenliste.

Auch die Farbe kann ein Indikator für Qualität und Inhaltsstoffe sein: „Sie sollte möglichst natürlich sein, nicht grell“, erklärt die Lebensmittelexpertin Holzäpfel. Strahlt etwa Pistazieneis in Knallgrün, ist ziemlich sicher Farbstoff im Spiel. Sind Unmengen verschiedener Sorten im Angebot, noch dazu in bunten Farben, kann das auf Industrieproduktion hinweisen. Besser ist häufig: wenige Sorten, dafür aus hochwertigen Zutaten.

Bezeichnung

„Speiseeis wird in verschiedene Kategorien unterteilt“, erklärt Konditor Schreyer. Sorbet etwa dürfe keine Milchprodukte enthalten, dafür müsse mindestens 25 Prozent Frucht drin sein (bei Zitrus weniger, sonst wird es zu sauer). Gute Hersteller verwenden 35 Prozent oder mehr. Fruchteis beinhalte immerhin 20 Prozent Frucht. Sahneeis enthält mindestens 18 Prozent Milchfett aus Sahne. Milcheis wiederum habe einen Milchanteil von mindestens 70 Prozent, Cremeeis von mindestens 50 Prozent: „Es ist somit teurer in der Herstellung als ‚normales‘ Eis.“ Denn in letzterem dürfen auch pflanzliche Fette wie Kokosöl verarbeitet sein, die günstiger als Milch oder Sahne sind. Immerhin: Für Veganer ist das eine gute Alternative.

Geschmack

Die beliebteste Eissorte Deutschlands ist nach wie vor Vanille. Doch hier empfiehlt sich genaues Hinsehen ganz besonders: „Vanilleeis darf nur Vanilleextrakt oder natürliches Vanillearoma enthalten“, sagt Schreyer. Alles andere ist „Eis mit Vanillegeschmack“.

Geschmack ist zwar subjektiv, bildet das Eis aber einen Fettfilm auf der Zunge, deutet das laut Experten auf das bereits genannte Pflanzenfett hin. Generell gilt wohl: Jeder hat seine ganz persönlichen Favoriten unter den Eisdielen. In einer fremden Stadt verlässt man sich am besten auf den Rat von Einheimischen. Wer sich nun um die Figur sorgt: Eine Kugel Milcheis hat etwa 100 Kalorien, Fruchteis etwa 70. Also, cool bleiben – das kann man sich ruhig öfter gönnen.

Wie manche Hersteller tricksen

Volumen
Dass die Hersteller ihr Eis mit Luft oder Stickstoff aufschlagen, ist keineswegs viel heiße Luft um nichts. Zwar verhält es sich beim Eis ähnlich wie bei Sahne: Es wird durch das Aufschlagen mit kalter Luft lockerer, leichter, cremiger. Zudem entfaltet sich so der Geschmack besser. Nicht selten übertreiben es die Hersteller aber – zu ihrem Vorteil. Denn Aufschlagen erhöht das Volumen, und es kostet wenig. Gute Inhaltsstoffe dagegen sind teuer.

Gewicht
In Deutschland gilt Eis als flüssiges Lebensmittel, weshalb der Preis nach Volumen berechnet wird. Eine Ein-Liter-Packung (1000 Milliliter) kann 800 Gramm oder auch nur 500 Gramm wiegen. Hochwertiges Eis zeichnet sich dadurch aus, dass es schwer ist – das Verhältnis von Volumen (angegeben in Milliliter) zum Gewicht der Eismasse (in Gramm) nähert sich an. Wiegen die 1000 Milliliter nur 500 Gramm, ist viel Luft drin, was die Herstellung billiger macht. Ein guter Eismacher oder Konditor hingegen arbeitet maximal 20 Prozent Luft unter.

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