Kein Unesco-Welterbe Le-Corbusier-Häuser fallen erneut durch

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Die Unesco lehnt den Antrag erneut ab: Die von Stararchitekt Le Corbusier mitentworfene Weißenhofsiedlung wird nicht zum Weltkulturerbe.

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Paris - Die mit Spannung erwartete Entscheidung hätte eigentlich schon in der vergangenen Woche fallen sollen, mit einiger Verspätung ist es nun seit Dienstag amtlich: Der Sechs-Länder-Antrag, insgesamt 19 Bauwerke des französisch-schweizerischen Stararchitekten Le Corbusier in die Weltkulturerbeliste aufzunehmen, ist erneut zurückgewiesen worden. Zu diesem Votum sind die 21 Mitglieder des Unesco-Komitees, die seit dem 19. Juni in Paris tagen und am Mittwoch ihre Abschlusskonferenz abhalten, am Dienstagmittag nach längerer Diskussion gekommen.

Deutschland ist an dem Sammelantrag mit zwei Bauten beteiligt: den beiden 1927 entstandenen Wohnhäusern von Le Corbusier auf dem Stuttgarter Weißenhof, die es damit auch nicht auf die Welterbeliste geschafft haben. Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster äußerte sich am Dienstag dennoch "vorsichtig optimistisch", wie er betonte: "Natürlich bedauere ich, dass das Komitee vom Antrag nicht vollständig überzeugt werden konnte. Dennoch sehe ich noch eine Chance, unser Anliegen zum Erfolg zu bringen." Auf ein gutes Ende hofft auch Friedemann Gschwind vom Stuttgarter Stadtplanungsamt, der den Antrag auf deutscher Seite vorbereitet hatte und in der vergangenen Woche als Mitglied der Delegation in Paris war, die Entscheidung des Komitees wegen der langen Verzögerung aber nicht vor Ort mitbekommen hatte. "Wir sind natürlich zunächst einmal enttäuscht, werden den Kopf jetzt aber nicht in den Sand stecken." Die Antragsteller hätten gemeinsam hart daran gearbeitet, das Komitee zu überzeugen. Es sei aber allen Beteiligten von Anfang an klar gewesen, so Gschwind, dass es wegen der grundsätzlich unterschiedlichen Auffassungen der Mitglieder nicht leicht werden würde.

Über das weitere Vorgehen muss debattiert werden

Das Unesco-Komitee hatte den Antrag, der neben dem zum Museum umfunktionierten Le-Corbusier-Doppelhaus in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung auch Bauwerke in Frankreich, Argentinien, Japan, Belgien und der Schweiz versammelt, bereits im Juni 2009 zur Überarbeitung zurückgewiesen. Damals hatten die Mitglieder eine vertiefte Begründung für die Auswahl der 19 Bauten angemahnt. Zudem sollte Le Corbusiers Einfluss auf die Architektur und den Städtebau des 20. Jahrhunderts vertieft dargestellt werden. Der Antrag sei in diesem Sinne von der internationalen Arbeitsgruppe mit viel Aufwand überarbeitet worden, so Gschwind. "Leider ist er in der vorgelegten Form nicht angenommen worden." Die Möglichkeit, die Bewerbung erneut überarbeiten zu können zeige aber, dass die Mitglieder des Komitees die Bauwerke grundsätzlich als bedeutend und schützenswert einstufen würden. Jetzt müsse noch einmal grundsätzlich über das weitere Vorgehen debattiert werden.

Dazu soll nun wieder eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden, um zunächst einmal die Entscheidung des Komitees zu analysieren. Anschließend würden die beteiligten Staaten die nächsten Schritte abstimmen, so Nils Schmid, der als Finanz- und Wirtschaftsminister des Landes für die Weltkulturerbeanträge in Baden-Württemberg zuständig ist. Die  Entscheidung vom Dienstag nahm der SPD-Politiker gelassen auf, wie er sagte. Das Komitee habe sich eingehend mit dem weltumspannenden Antrag befasst und die Staaten zu einem konstruktiven Dialog mit dem Welterbezentrum und dem Internationalen Denkmalrat ermuntert, so Schmid, das sei ein positives Zeichen: "Angesichts der grundlegenden Fragen, die dieser besondere Antrag zum Werk eines der berühmtesten Architekten berührt, muss man akzeptieren, dass das Welterbekomitee seine Entscheidung noch nicht endgültig treffen konnte."

Ein weiterer Sammelantrag mehrerer europäischer Länder, an dem Deutschland beteiligt war, hatte in Paris dagegen auf Anhieb Erfolg: Bereits am Montag stimmte das Unesco-Komitee zu, 111 prähistorische Pfahlbauten in die Weltkulturerbeliste aufzunehmen, darunter unter anderem auch die Pfahlsiedlungen in Unteruhldingen am Bodensee, die aus der Stein- und Bronzezeit stammen und teilweise 4000 vor Christus entstanden sind. Allein in das dortige Pfahlbaumuseum kommen jedes Jahr mehrere hunderttausend Besucher.

 




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