Keine Abkühlung im Kreis Esslingen Welche Auswirkungen hat die Dauerhitze?

Die Stadt Esslingen bietet ihren Bürgern kostenloses Trinkwasser. Foto: Roberto Bulgrin

Seit Tagen kühlt es nicht mehr richtig ab, und die Fragen nach dem richtigen Umgang mit der Hitze häufen sich: Was lässt sich die Stadt einfallen, um Abhilfe zu schaffen? Wie sieht es in den Kliniken aus? Und wer bestimmt eigentlich, ob es Hitzefrei gibt?

Filderzeitung: Sandra Belschner (sbr)

Die Hitzewelle hält an: Am vergangenen Sonntag war der bisher wärmste Tag des Jahres. In Waghäusel in Baden-Württemberg wurden 38 Grad gemessen – so heiß ist es dieses Jahr sonst noch nirgendwo in Deutschland gewesen. In Esslingen war der Sonntag mit mehr als 36,5 Grad auch der heißeste Julitag seit Beginn der Messungen im Jahr 1953. Seit einiger Zeit wird im Kreis also ordentlich geschwitzt. Wie wirkt sich die Extremhitze auf die Stadt, die Kliniken und die Schulen aus?

 

Auch junge Menschen bekommen Hitzeschlag

Hitze kann für den Körper und die Gesundheit schädlich, in manchen Fällen sogar tödlich sein. Unterschieden werde dabei direkte und indirekte Schädigung, erklärt Stephan Thomas, der Leiter der zentralen Notaufnahme am Klinikum Esslingen. Bei der direkten Sonneneinwirkung kann es zu einem Hitzschlag kommen, wenn die Temperaturregulation überlastet ist. Symptome wie eine erhöhte Körpertemperatur, hoher Puls, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sind die Folge. Diese Fälle kommen laut Thomas im Klinikum Esslingen vereinzelt vor. Zwar seien Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen eher davon betroffen, doch auch jüngere und gesunde Menschen können einen Hitzschlag erleiden.

Die indirekte Schädigung zeichnet sich hingegen durch einen Flüssigkeitsmangel, Elektrolytverlust oder Hitzestress aus. Auch hier sind vor allem ältere und kranke Personen gefährdet – besonders Patienten mit einer Herzvorerkrankung. „Diese Fälle haben wir häufig und bemerken in den letzten Tagen auch eine deutliche Zunahme“, sagt der Leiter der zentralen Notaufnahme. Das liege vor allem an dem verminderten Durstgefühl der älteren Leute, wodurch sowieso schon ein Flüssigkeitsmangel bestehe. Dieser werde durch die Hitze zusätzlich verstärkt, sagt er weiter.

Auch Bernhard Hellmich, Chefarzt der Medius-Klinik in Kirchheim unter Teck, spricht von einer Zunahme an Patienten mit hitzebedingten Problemen. Der Mediziner weist darauf hin, dass vor allem sogenannte Hitzewellen zu einem großen Problem werden können. Von Hitzewellen spricht man laut Hellmich dann, wenn es einige Tage sehr warm ist und es auch nachts, in den sogenannten Tropennächten, nicht zur Abkühlung kommt.

Was tun bei heißen Temperaturen?

Stephan Thomas rät, bei extremen Temperaturen körperliche Belastung während der Hitzespitzen zu vermeiden und planbare Aktivitäten auf den Morgen oder den Abend zu legen. An luftige Kleidung, eine Kopfbedeckung und Sonnencreme sollte gedacht werden – und an das Trinken. Allerdings lautet die Devise dabei nicht „viel hilft viel“. Denn ein pauschaler Rat von zum Beispiel drei Litern Flüssigkeit am Tag kann für manche Herzpatienten ein schlechter Rat sein, so der Mediziner. Wer das mit seinem Arzt abspricht, ist dabei auf der sicheren Seite.

Um die Bürgerinnen und Bürger mit Trinkwasser zu versorgen, hat die Stadt Esslingen am Schelztorturm und auf der Maille Trinkwasserbrunnen eingerichtet – weitere sind in Planung. „Am Marktplatz können wir voraussichtlich noch im Juli einen neuen Trinkwasserbrunnen eröffnen“, sagt Katja Walther, die Leiterin der Stabsstelle Nachhaltigkeit und Klimaschutz der Stadt Esslingen. Außerdem arbeitet die Stadt an weiteren Ideen für eine „blaue“ und „grüne“ Infrastruktur: Wasserspiele, schattige Plätze und schattige Wege. Am Kronenhof wurden kürzlich mobile, grüne Elemente aufgestellt. Kleinere Pflanzkübel und größere Elemente mit dazugehörigen Bänken bringen auf dem Platz seither an heißen Tagen Schatten und Abkühlung, erzählt Katja Walther. Die sommerlichen Tage laden zwar zum Grillen ein, dennoch sollte derzeit mit offenem Feuer vorsichtig umgegangen werden. Die Sperrung von Grillplätzen, wie etwa in Stuttgart, ist in Esslingen zwar bisher nicht vorgesehen, dennoch warnte das Kreisforstamt bereits am 14. Juni vor einer erhöhten Waldbrandgefahr. Das Wasserentnahmeverbot im Kreis Esslingen gilt zudem noch bis zum 31. August.

Abkühlung ist nicht in Sicht

Der Wunsch nach Hitzefrei ist groß an diesen Tagen. Wer sich heute darauf freuen darf, sind unter anderem die Schüler des Schelztor-Gymnasiums in Esslingen: Ab 12.15 Uhr dürfen die Klassen 5-10 die Schulbank gegen das Freibad tauschen. Darüber entscheiden die Schulleitungen vor Ort nach den Kriterien des Kultusministeriums. Bedingung ist, dass die Außentemperatur um 11 Uhr bereits 25 Grad im Schatten erreicht haben muss. Und: Hitzefrei kann es frühestens nach der vierten Stunden geben. An beruflichen Schulen und in der gymnasialen Oberstufe gibt es gar kein Hitzefrei.

Das Ministerium hat den Schulen außerdem empfohlen, das Thema mit dem Elternbeirat und auch in der Schulkonferenz zu beraten, um die Interessen der Eltern angemessen zu berücksichtigen, denn die Frage wird diesen Sommer vermutlich noch öfter aufkommen – die große Abkühlung ist nicht in Sicht. Die gesamte Woche werden die Temperaturen wieder an der 30-Grad-Marke kratzen, an diesem Dienstag klettern die Temperaturen sogar auf bis zu 36 Grad.

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