Fast über Nacht sind sie aus der Keplerstadt verschwunden: Wer dieser Tage mit einem E-Scooter der irischen Firma Zeus durch Weil der Stadt flitzen will, der hält vergeblich Ausschau nach den Rollern. Das Unternehmen, das sein Angebot hier vor gut einem Jahr eingeführt hatte, hat den Betrieb in der Stadt eingestellt – und hatte darüber zunächst nicht einmal die Stadtverwaltung informiert.
„Aus der Bevölkerung haben wir mehrfach die Rückmeldung erhalten, dass es in Weil der Stadt keine Roller mehr gibt“, heißt es aus dem Rathaus. Also hatte man bei Zeus nachgefragt – und eine Antwort lies mehrere Wochen auf sich warten.
Funkstille wegen internem Kommunikationsfehler
Inzwischen ist es aber offiziell. E-Scooter wird es in Weil der Stadt erst einmal keine mehr geben, zumindest nicht die von Zeus. „Leider war es uns wirtschaftlich nicht mehr möglich, den Betrieb in Weil der Stadt fortzuführen“, sagt ein Sprecher der Firma auf Nachfrage unserer Zeitung. Trotz intensiver Bemühungen die Flotte anzupassen, sowie gezielter Werbemaßnahmen, um mehr Nutzer zu mobilisieren, sei der Erfolg ausgeblieben. „Als Privatunternehmen sind wir darauf angewiesen, dass unsere Angebote rentabel sind, um weiterhin einen hochwertigen Service bieten zu können“, so der Sprecher der Firma. Die Funkstille, die bezüglich des Verschwindens der Roller aus der Keplerstadt herrschte, habe an einem internen Kommunikationsfehler gelegen.
Große Traurigkeit herrscht ob dieser Botschaft unter den Weil der Städtern derweil wohl nicht: In den Sozialen Netzwerken freut sich der ein oder andere Nutzer sogar, dass falschparkende Roller fortan keine Wege mehr versperren. „Die Rückmeldungen waren vorher und auch jetzt sehr gemischt“, heißt es aus dem Rathaus. „Einige haben das Angebot begrüßt und gerne genutzt. Andere störten sich insbesondere an der Blockierung von Gehwegen oder dem teilweise unsachgemäßen Abstellen der Roller.“ Auch nach Beendigung des Angebots habe es sowohl positive als auch negative Rückmeldungen gegeben. Die Nutzerzahlen nach der sechsmonatigen Testphase, die bis September 2023 lief, seien zunächst vielversprechend gewesen.
Anderswo ist man zufrieden mit Zeus
Für die Stadt entstanden durch das E-Scooter-Angebot keine Kosten. Und bis auf die Kommunikationsschwierigkeiten bezüglich des Endes des Angebots war man im Rathaus auch mit der Zusammenarbeit mit der Firma Zeus zufrieden. Eine Rückmeldung, die es auch aus den anderen Kommunen in der Region gibt, in denen Zeus aktiv ist. Wer die App des Anbieters öffnet, sieht etwa in Renningen oder Hemmingen noch reichlich Roller zur freien Auswahl. „Die Zusammenarbeit ist gut“, sagt Alicia Paulus, Pressesprecherin der Stadt Renningen. Bei Beschwerden würden Roller weggestellt oder Abstellverbotszonen erweitert werden. „Das Angebot der Zeus Roller in Renningen ist zwischenzeitlich gut bekannt und wird auch angenommen“, so Paulus. Im letzten halben Jahr wurden im Schnitt 1460 Fahrten pro Monat getätigt, wobei die Nutzerzahlen in den Wintermonaten sogar tendenziell geringer ausfallen.
Auch in Hemmingen läuft es nach wie vor rund in Sachen E-Scootern: „Aus unserer Sicht funktioniert die Zusammenarbeit reibungslos“, sagt David Rohnert, Referent des Bürgermeisters. „Auf Support-Anfragen wird zügig reagiert und bei Problemen mit abgestellten Rollern auch schnell Gegenmaßnahmen, wie etwa das Einrichten von Parkverbotszonen, umgesetzt.“ Und auch genutzt werden die Roller laut Gemeinde: „Es gibt jahreszeitbedingte Phasen, aber grundsätzlich sind regelmäßig Roller in der Nutzung“, so Rohnert. Gute Nachrichten also für Hemmingen, Renningen und Korntal-Münchingen, wo die Zeus-Roller ebenfalls rollen: Die Firma will sich, so bestätigt man es auf Nachfrage, aus keiner der Kommunen zurückziehen.