(Keine) Esslinger Kultur? Wo Kunst nichts kostet und trotzdem unerwünscht ist
Die Stadt Esslingen meint: Theaterplakate stören in der Fußgängerzone das Stadtbild. Das ist merkwürdig, findet Johannes M. Fischer in seinem Kommentar.
Die Stadt Esslingen meint: Theaterplakate stören in der Fußgängerzone das Stadtbild. Das ist merkwürdig, findet Johannes M. Fischer in seinem Kommentar.
Es gibt hässlicheres und schlimmeres als Theaterplakate der Württembergische Landesbühne Esslingen (WLB) – auch und vielleicht sogar gerade in den Esslinger Fußgängerzonen. Aber es gibt auch Verordnungen, zum Beispiel eine aus dem Jahr 2008. Das Wunderwerk nennt sich „Richtlinie zur Handhabung von Sondernutzungserlaubnissen durch Plakatierungen und Anbringen von Transparenten im Stadtgebiet“. Es legt fest, dass innerhalb von Fußgängerzonen nicht plakatiert werden darf.
Eine solche Verordnung ist keineswegs unsinnig, das Zuplakatieren einer Fußgängerzone mit wilder Werbung würde vielen – Einkaufenden wie Händlern – übel aufstoßen. Künstlerisch gestaltete Plakate der WLB dürften indes weniger unangenehm aufgefallen sein. Es scheint, als habe das Ordnungsamt in den vergangenen 18 Jahren diesen Plakaten gegenüber sogar eine gewisse Toleranz walten lassen. Die WLB hätte sich sonst kaum echauffiert, wären in der Vergangenheit all ihre Plakate stets abgehangen und Ordnungsgelder verhängt worden.
Nun hat sich die WLB aber aufgeregt, und auch wenn aus dem Rathaus eine gewisse Empörung über eben diese Aufregung herauszuhören ist, könnte diese an sich durchaus ertragbare Kritik am Gebaren des Ordnungsamtes zu etwas Gutem führen. Nachdem bereits die Grünen einen Antrag gestellt haben, die überzogene Richtlinie zu überarbeiten, ist nun auch die SPD dabei: Nicht alles, was in den Nuller Jahren verabschiedet wurde, muss heute noch gut sein.
Die Plakate der WLB kosten zumindest der Stadt kein Geld, das beliebteste Totschlagargument dieser Tage – geht nicht, weil es Geld kostet – greift hier schon einmal nicht. Die Plakate verzieren die Stadt sogar, Plakatkunst ist Kunst. Es wäre also eine gute Gelegenheit, ganz unkünstlerisch eine gewisse Nüchternheit an den Tag zu legen, den Antrag der Grünen zu durchdenken und bestenfalls die althergebrachte Verordnung zu verändern. Mit wenig Aufwand würde man so für mehr Wohlbefinden und auch für mehr Rechtssicherheit sorgen. Gleichzeitig wäre das Ordnungsamt entlastet – und daran dürfte dem Rathaus, die ja Stellen einsparen will, mit Sicherheit gelegen sein.