Exklusiv Schon wieder gibt es Trubel um den Chef der Bachakademie, Hans-Christoph Rademann. Er will nicht mehr Professor werden – und zieht damit die Konsequenzen aus den Unterstellungen rund um eine Teilzeitstelle an der Stuttgarter Musikhochschule.
Stuttgart - Hans-Christoph Rademann, seit diesem August künstlerischer Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart (IBA), hat seine Bewerbung um eine Teilzeitprofessur an der Stuttgarter Musikhochschule zurückgezogen. Das bestätigten Rademann sowie der Kanzler der Musikhochschule, Albrecht Lang. Auf Anregung des Kunstministeriums war die Stelle für „Chorleitung und Chordirigieren, insbesondere unter Berücksichtigung der geistlichen Musik und der Pflege Bach’scher Musik“ Mitte 2013 ausgeschrieben worden. Damit war sie perfekt auf Rademann und eine Kooperation mit der IBA zugeschnitten.
Im Zusammenhang mit den Sparplänen und der Absicht des Ministeriums, die baden-württembergischen Musikhochschulen grundsätzlich umzustrukturieren, hatte die zusätzliche Stelle, die auf drei Jahre vom Kunstministerium mit 180 000 Euro gefördert werden sollte, Kontroversen ausgelöst. Zwar wurden alle Regeln der Ausschreibung eingehalten, aber es war offensichtlich, dass ein Engagement Rademanns von allen Seiten gewünscht wurde. Ob die Professur, auf die zwanzig Bewerbungen eingegangen sind, nun überhaupt noch besetzt wird, liegt in Händen der Findungskommission, sagte der Hochschulkanzler Albrecht Lang. Er geht davon aus, dass das Gremium noch in diesem Jahr darüber entscheiden wird.
Hans-Christoph Rademann zieht damit die Konsequenzen aus den Unterstellungen, er habe seine Stelle an der Bachakademie nur unter der Bedingung angetreten, dass ihm in Stuttgart eine Professur garantiert würde. Ein Sprecher hatte kürzlich bestätigt, dass Rademann dies bei den Vertragsverhandlungen nach seiner Berufung als Nachfolger von Helmuth Rilling 2011 nicht gefordert habe, ihm vielmehr die Position von Seiten des Ministeriums in Aussicht gestellt worden sei. Rademann erklärte gestern, dass er grundsätzlich die Zusammenarbeit von Bachakademie und Musikhochschule für eine „konzeptionell überragende Idee“ hält, die „international weit hätte ausstrahlen können“. Doch sei das Verfahren jetzt so belastet, dass er seine Bewerbung zurückgezogen habe: „Es gibt viele vordringliche Aufgaben in der Bachakademie, da kann ich solche Querelen in der Öffentlichkeit nicht gebrauchen“. Wann und in welchem Jahr er seine Professur in Dresden, die bis August 2014 ruht, wieder aufnimmt, ließ er offen. Er möchte sich vorerst ganz auf die Aufgaben in der Bachakademie Stuttgart konzentrieren.