Keine Lösung für die Sprudelfabrik Das Aus für „Göppinger“ ist besiegelt

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600 Jahre lang hat der „Göppinger Sprudel“ als Durstlöscher gedient. Ende Oktober dürfte das Mineralwasser aus dem Handel verschwinden.

Der Göppinger Sprudel wird in Jebenhausen wohl nur noch bis Oktober abgefüllt. Foto: Andreas Pflüger
Der Göppinger Sprudel wird in Jebenhausen wohl nur noch bis Oktober abgefüllt. Foto: Andreas Pflüger

Göppingen - Drei echte Szenarien, wie die Marke „Göppinger Sprudel“ künftig noch erhalten werden kann, hatte Oberbürgermeister Guido Till in der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause aufgezeigt. Erstens: Aqua Römer lässt sich überzeugen und schließt den Betrieb in Jebenhausen nicht. Zweitens: ein anderer Investor aus der Branche wird gefunden und steigt ein. Drittens: die Energieversorgung Filstal (EVF), als Tochterbetrieb der Stadt, übernimmt und führt den Betrieb in veränderter Form weiter, etwa als Manufaktur.

Zumindest diese drei Varianten, darüber wurden die Gemeinderäte jetzt informiert, werden nicht zum Tragen kommen. Dass sich Aqua Römer, das den Standort schließen möchte, würde umstimmen lassen, hatte nach einem Gespräch mit der Geschäftsleitung, nicht einmal Till selbst ernsthaft erwartet. Ebenso gering, denn auch das war vom momentanen Betreiber geprüft worden, waren die Chancen, einen Konkurrenten von der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der in die Jahre gekommenen Abfüllanlagen zu überzeugen.

Auch die Stadtwerke finden keine rentable Variante

Martin Bernhart, der Chef der EVF und obendrein der Göppinger Stadtwerke, zeigte sich nach einer ersten Einschätzung in der Sitzung ebenfalls nicht gerade zuversichtlich. „Die Schere zwischen Kosten und Erlös scheint nach dem, was wir bis jetzt wissen, einfach zu groß zu sein“, erklärte er, bewertete die „Idee einer Manufaktur“ zu diesem Zeitpunkt aber noch als „einen möglichen Ansatz“.

Nach genaueren Berechnungen ist aber auch dieses Thema offenbar durch, womit ein viertes Szenario an Bedeutung gewinnen könnte. So hatte Till, wie er sagte, als „Not-Not-Lösung“ einen Vorschlag der Freien Wähler (FW) weiter gesponnen, auf der vorhandenen Leitung durch die Stadtwerke ein repräsentatives Brunnenhaus, womöglich am Ödewald, errichten und unterhalten zu lassen. Zum einen würde damit die Quelle nicht endgültig zum Versiegen gebracht und zum anderen könnte ein seit Jahrhunderten gültiger Vertrag, ein sogenanntes Servitut, weiterhin erfüllt werden. Dieses garantiert der Bevölkerung von Jebenhausen und Bezgenriet an einem Brunnen kostenlos Sauerwasser zapfen zu können.

Freie Wähler fordern Erfüllung des „Servituts“

Just an diesem Punkt hat die FW-Fraktion jetzt nachgelegt. Sie beantragt, dass die Verwaltung unverzüglich sicherstellt, dass der Vertrag, der inzwischen schriftlich gefasst und auf Aqua Römer übergegangen ist, erfüllt wird. Zudem solle der Gemeinderat über die Standorte der bestehenden Brunnenbohrungen, über den Verlauf der Sauerwasserleitungen und über einen denkbaren Standort für das angedachte Brunnenhaus informiert werden.

Darüber hinaus verlangen die Freien Wähler, eine Überprüfung samt realistischer Kostenschätzung, für eine „mögliche Wiederaufnahme von Sauerwasserlieferungen an einem öffentlichen Auslauf in Faurndau“. Spätestens im Oktober und damit rechtzeitig zu den Haushaltsberatungen sollten die Ergebnisse vorgelegt werden, fordert die FW-Fraktion.

Von den Etatberatungen einmal abgesehen, ist der Termin auch deshalb sinnvoll, weil Aqua Römer seine Produktion in Jebenhausen Ende Oktober wohl einstellen wird. Der Betriebsrat, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Hofelich wollen die Zeit zwar noch nutzen, um eine Perspektive für den Standort aufzuzeigen. Ob das mittels einer von der Arbeitnehmerseite jüngst in Auftrag gegebenen Studie gelingt, ist aber zumindest fraglich. Ziel, so teilt Hofelich mit, müsse es in jedem Fall sein, möglichst viele der insgesamt rund 100 gefährdeten Arbeitsplätze zu retten.

Charmanter Gedanke: Schauabfüllung in der Badherberge

Die Pläne von Aqua Römer sehen derweil vor, zumindest 50 Beschäftigte im anderen Werk des Unternehmens in Mainhardt (Kreis Schwäbisch Hall) unterzubringen. Die Entlassung der andere Hälfte solle möglichst fair und sozial verträglich erfolgen, erklärte die Geschäftsführung.

Über einen Vorschlag, der aus dem Jebenhausener Bezirksbeirat kam, ist indes noch gar nicht diskutiert worden. Wie der CDU-Gemeinderat Jan Tielesch betont, seien dort Überlegungen aufgekommen, die ohnehin seit langem sanierungsbedürftige, frühere Badherberge, wo das Wasser einst gezapft wurde und wo sich auch der Sauerbrunnen befindet, für den Zweck einer Schauabfüllung zu aktivieren. Vielleicht ist das ja eine Utopie, aber auf alle Fälle hat sie Charme.