Hoch die Hände, Wochenende! Trifft das noch auf das Ausgehverhalten der Generation Z zu? Hört man sich bei den 18- bis 25-Jährigen in Stuttgart um, hat man das Gefühl, dass der Samstagabend immer öfter gemütlich ausfallen darf. Also lieber Bar statt Club. Doch woran liegt das?
Nils Runge, Nachtmanager der Stadt und Region beim Pop Büro Region Stuttgart, vermutet den Grund dieses Trends unter anderem in der vergangenen Coronapandemie: „Die junge Generation hat an ihrem 18. Geburtstag nicht zum ersten Mal im Club feiern können. Sie hatten weniger Berührungspunkte mit Ausgehen und Feiern wie ihre Vorgänger:innen. Dadurch ist das bei einigen nicht in den Lebensalltag integriert worden.“
Club-Besuche sind außerdem mit einem Eintritt verbunden. Wer zu Corona-Zeiten seine Getränke immer günstig im Supermarkt kaufen und dann im öffentlichen Raum trinken konnte, dem stellt sich die Frage nach dem Mehrwert, in einen Club zu gehen. „Da ist ein Gap entstanden, der Wert des Feierns wird von manchen nicht erkannt“, so Nils.
Gen Z legt Wert auf günstige Preise und Awareness
Aufgrund von Krisen, Inflation und Co. hätte auch jetzt jede:r weniger Geld zur Verfügung. Da überlege man sich genau, für was man es am Wochenende ausgebe, und suche daher nach einem individualisierten Angebot.
Wenn es doch mal zum Party machen gehe, würden junge Leute Wert auf andere Aspekte im Gegensatz zu ihren Vorgänger-Generationen legen: „Was mir sehr stark auffällt ist, dass jüngere Generationen sozial und ökologisch bewusster feiern. Nachhaltigkeit ist beim Feiern ein größeres Thema. Beispielsweise sind Awareness-Strukturen stärker gefordert.“
Wohin sich die Weggehkultur in Zukunft entwickle, könne man ohne Glaskugel nicht genau sagen. Fest stehe allerdings: „Auf eine gewisse Art und Weise werden wir immer feiern“, so der Nachtmanager.
Wir haben mit jungen Stuttgarter:innen gesprochen
Wir wollten genau wissen, wo die Stuttgarter Gen Z am liebsten ihre Wochenenden verbringt, welche die Trend-Spots und Lieblingsbars in Stuttgart sind. Daher haben wir sechs junge Stuttgarter:innen gefragt:
Emely, 23 Jahre, Social Media Managerin:
„Das Studio Amore mag ich sehr, weil man nicht nur dancen, sondern auch quatschen und was trinken kann. Ich feiere mehr das Tanzbar-Feeling, als einen reinen Club“, sagt Emely. Mit ihren Freund:innen ist sie vor allem viel in den Bars am Marienplatz unterwegs, wie zum Beispiel der Sattlerei oder dem Bruno. „Ich glaube, ich bin nicht mehr in dem Alter, wo man einen Clubabend plant. Außer es ist jetzt ein Special-Event und ein krasser DJ kommt.“ Besonders cool findet die 23-Jährige kleinere DJ-Kollektive, die bei Fridas Pier, im Max-Kade-Haus oder im White Noise auflegen. „Ich mag, wenn das junge Künstler:innen sind, die man neu entdeckt“, so Emely.
Chris, 24 Jahre, studiert an der IB Hochschule für Gesundheit und Soziales
„Am Wochenende ist meistens fester Plan, das VfB-Spiel anzuschauen. Entweder das Heimspiel im Stadion oder ich gehe in irgendeine Kneipe“, erzählt Psychologie-Student Chris. Ansonsten seien er und seine Kumpels eher in Richtung Feuersee unterwegs. „Da gibt es ein paar Kneipen, das Wirtshaus Troll oder das Laternchen zum Beispiel.“ Eigentlich sei das Laternchen eher ein „Altherrending“, besteche aber durch gute Stimmung, Tischkicker und einen Jukebox-Automaten. „Wo wir in letzter Zeit auch öfter hingehen, ist das Sportcafé Carambolage. Da spielen wir gern Billard“, so Chris. An einem Bar-Abend gebe er dann zwischen 40 und 45 Euro aus. „Und meistens noch einen Döner davor oder danach.“
Juliane, 23 Jahre, studiert an der Akademie der bildenden Künste
Für Juliane muss es kein großartiges Programm geben, sie geht gerne „casual was Trinken“ oder organisiert Kino- und Kochabende mit Freund:innen. „Wenn ich mal Feiern gehe, dann gehe ich mit meinen Mädels aus dem queeren Spektrum weg.“ Vor allem für FLINTA*-Personen gebe es leider nicht so viele sichere Feierorte in Stuttgart. Bisher war sie vor allem im Monroe’s und im Studio Gaga. „Eine von uns wird immer von einem Mann angemacht, obwohl wir als Mädelsgruppe einfach Spaß für uns haben wollen. Wir denken auch immer gleich schon mit, wie wir heimkommen und in welcher Umgebung wir sind“, sagt die 23-Jährige.
Marco, 23 Jahre, studiert an der Hochschule für Technik
„Wenn man studiert, ist unter der Woche viel geboten, deswegen bin ich am Wochenende auch zufrieden mit einem Spieleabend oder mit einem Training im Fitnessstudio“, sagt Marco, der Infrastrukturmanagement studiert. Mittwochs feiert er gerne im Proton auf den 1,2,3-Studi-Partys. „Normale Clubs sind uns zu teuer. Eigentlich gebe ich auf Studierenden-Partys nie wirklich über 15 bis 20 Euro aus. Manchmal gehen wir auch unter der Woche ins Mata Hari oder das La Concha zum Karten spielen und Bier trinken.“
Lara, 20 Jahre, Produzentinnenassistentin
Die 20-jährige Lara bevorzugt ein klassisches Kulturprogramm: „Abends gehe ich meistens ins Theater, gern ins Staatstheater, Schauspielhaus, Kammertheater oder auch mal in die Oper.“ Für Studierende gäbe es Tickets dort schon ab acht Euro. „Oder ich sitze entspannt zuhause, lese etwas und schaue einen Film“, so Lara. Bis spät in die Nacht rein feiere sie nur selten: „Ab und zu checke ich aber neue Locations aus, wie das Studio Gaga.“ Ansonsten geht Lara gern mit ihren Freund:innen im Café Kaiserbau oder L.A. Signorina essen.
Rosa, 22 Jahre, studiert an der Hochschule der Medien
Rosa ist erst vor Kurzem nach Stuttgart gezogen: „Am Wochenende fahre ich auch gerne mal nach Hause nach Schwäbisch Gmünd und besuche meine Freund:innen in der Heimat. Aber egal, ob in Stuttgart oder Gmünd bin ich keine Clubgängerin, man findet mich eher in Bars.“ Ihre Lieblingsbeschäftigung dort: „Wir haben angefangen zu spielen, voll das alte Leute-Ding eigentlich. Aber es ist doch immer mega lustig. Es geht nicht ums Gewinnen oder Verlieren, sondern man macht was zusammen in einer größeren Gruppe.“