Sechs Legislaturperioden wird er dem Hohen Haus angehört haben, wenn am 26. Oktober 2025 sein aktuelles Mandat endet – sofern die Ampel nicht vorher auf Rot, also Neuwahlen schaltet. Seit 2002 hat Markus Grübel sechs Mal in Folge für die CDU das Direktmandat im Wahlkreis Esslingen bei der Bundestagswahl errungen. Ein siebtes Mal gibt es nicht. Bei der für September 2025 geplanten Bundestagswahl tritt der dann fast 66-jährige Grübel nicht mehr an. „Wechsel gehören zur Demokratie“, sagt er. „Ich habe mir überlegt, wo ich in Zukunft am meisten gebraucht werde, und das ist in meiner Familie.“ Grübel versicherte, dass er auch nach dem neuen Wahlrecht, das keine Überhangmandate mehr vorsieht, beste Chancen auf einen erneuten Direkteinzug in den Bundestag gehabt hätte. Allerdings sind seine Erststimmenanteile rückläufig seit 2013, als er stolze 51,3 Prozent holte. 2017 schrumpfte sein Ergebnis auf 40, 2021 auf 32 Prozent. Auch war bereits die Kandidatenkür durch den CDU-Kreisverband im Juli 2020 anders gelaufen als erwartet. Grübel, der als gesetzt galt, hatte im Esslinger CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Tim Hauser einen überraschenden Konkurrenten bekommen. Die Delegierten entschieden sich allerdings mit klarer Mehrheit für Grübel.
„Sache der Partei“
Jetzt kündige er seinen Rückzug früh an, damit Partei und potenziellen Nachfolgern genügend Zeit zum Warmlaufen bleibe. Im Juli 2024 soll der Kandidat oder die Kandidatin nominiert werden. Weiter äußern will sich Grübel nicht: „Das ist Sache der Partei.“
Für die verbliebene zweite Hälfte der Legislaturperiode – seine letzten beiden Jahre im Bundestag – verspricht der Abgeordnete „weiterhin engagierte, pflichtbewusste und auf christlichen Werten basierte Arbeit“. Ein Anliegen ist ihm der Einsatz für Hospize und Palliativmedizin, auch als Vorsitzender des entsprechenden interfraktionellen Arbeitskreises. Suizidprävention ist für ihn die Antwort auf den vom Bundestag abgelehnten assistierten Suizid. Dessen Liberalisierung in anderen Ländern habe zu keinem Rückgang nicht-assistierter Suizide geführt.
Zum Ukraine-Krieg vertritt der frühere Staatssekretär im Verteidigungsministerium eine klare Position: umfassendere und schnellere Waffenlieferungen, damit der Ukraine ein Durchbruch gegen Putins Invasoren gelingt. Alles andere sei ein falsches Signal an die Aggressoren dieser Welt.
„Zunehmende gesellschaftliche Spaltung“
Grübel plädiert für einen „verpflichtenden Gesellschaftsdienst“ für alle jungen Menschen, er sieht darin eine Chance, der zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung entgegenzuwirken. Im Wahlkreis selbst will er sich stark machen für Barrierefreiheit und Sicherheit am Esslinger Bahnhof. Und er will kämpfen für die Verlängerung der Neckarschleusen, die kürzlich vom Verkehrsministerium ausgebremst wurde.
Die Schiffbarmachung des Neckars für Rhein-Schiffe von 135 Meter Länge – bisher sind 105 Meter das Maximum für die Schleusen – bewirke „eine enorme Reduzierung des Lkw-Verkehrs zwischen Hamburg, Rotterdam und dem Südwesten“. Damit sei das seit 2007 geplante Langzeit-Projekt, dessen Realisierung 20 Jahre dauern soll, unverzichtbar für die Verkehrswende und den Klimaschutz.